Schwermetalle in TV-Geräten: Nanoteilchen sollen giftiges Cadmium ersetzen

Schwermetalle in TV-Geräten: Nanoteilchen sollen giftiges Cadmium ersetzen

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Wären eine Bereicherung für jede Rave-Party: Quantenpunkte in Röhren. (Foto: Nanoco)

von Angela Schmid

Cadmium ist giftig und soll nach EU-Plänen aus TV-Geräten verschwinden. Doch es senkt den Stromverbrauch - deshalb sind sich Umweltschützer nun uneinig.

Cadmium sorgt für satte Farben im Fernseher und Bildschirmen, ist aber ein giftiges Schwermetall und gehört auf die Liste gefährlicher Schadstoffe. Immer mehr Hersteller wie LG und Samsung setzen daher auf Alternativen wie cadmiumfreie Nanokristalle (Quantenpunkte). Apple hat ebenfalls angekündigt, auf die umweltfreundliche Technologie zu setzen.

Doch nun schlagen sich ausgerechnet Umweltforscher vom Öko-Institut in Freiburg auf die Cadmium-Seite: Sie empfehlen der EU, eine Ausnahme für cadmiumhaltige Quantenpunkte zu verlängern. Cadmium ist einer von sechs hochgiftigen Stoffen, deren Verwendung in Elektro- und Elektronikgeräten in Europa mit der zwölf Jahre alten RoHS-Richtlinie verboten wird. RoHS steht dabei für Restriction of Hazardous Substances. Cadmium wird darin als gefährlichstes toxisches Schwermetall genannt, dessen zulässige Verwendungsmenge zehnmal niedriger ist als für Quecksilber und Blei.

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Die Richtlinie fordert, Schwermetalle wie Blei und Quecksilber wenn möglich durch Alternativen zu ersetzen. Wenn nicht, durfte die EU-Kommission Ausnahmen beschließen – wie etwa beim Cadmium. Nur gibt es bereits Branchen, die auf Cadmium verzichten können.

Quantenpunkte sind bereits marktreif

Bei den eingangs erwähnten Quantenpunkten gilt die britische Nanoco Group als Weltmarktführer bei der Entwicklung und Fertigung cadmiumfreier Alternativen. Das Unternehmen hält entsprechend wenig vom Bericht des Öko-Instituts. Allerdings würden cadmiumfreie Quantenpunkte 20 bis 30 Prozent mehr Energie verbrauchen, hält Yifat Baron, die an dem Gutachten mitarbeitete, dagegen.

Quantenpunkte sind Kristalle in Nano-Größe, die die Farbe von Licht ändern können. So wirken Farben im Fernsehen bunter und satter. Sie können aber auch beispielsweise als Sicherheitsmerkmal auf Banknoten genutzt werden. Hier verbietet sich der Einsatz von Cadmium natürlich.

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Quantenpunkte erhöhen den Energiehunger von TV-Geräten. (Foto: Nanoco)

Aus Elektronikgeräten würde das Schwermetall allerdings nur in Ausnahmefällen in die Umwelt gelangen, sagt Yifat Baron. Der Energieverbrauch wiege schwerer. Nanoco hingegen wirft den Forschern vor, die Gefahren von Cadmium nicht ausreichend ausgewertet zu haben: „Die RoHS-Richtlinie wurde mit der Absicht verfasst, die Verwendung gefährlicher Substanzen in der EU zu verbieten. Die fortgesetzte Verwendung von Cadmium ist angesichts dieser unklaren Ergebnisse im besten Falle unangebracht und im schlimmsten Falle unverantwortlich“, sagt Michael Edelman, Chief Executive Officer von Nanoco.

Mit cadmiumfreien Quantenpunkten könnten durchaus innovative, leistungsstarke und energieeffiziente Fernseher und Bildschirme produziert werden, was eine jegliche Ausnahmeregelung für Cadmium vollkommen unnötig mache. Die Technologie sei nicht nur gefährlich, sondern auch schlichtweg „überholt“, so Edelman: „Die Verkaufszahlen für Fernseher mit cadmiumfreien Quantenpunkten übertreffen bereits die cadmiumhaltigen Fernseher um 20 zu 1.“

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