Selbstfahrende Autos: 2016 beginnt die Revolution im Straßenverkehr

Selbstfahrende Autos: 2016 beginnt die Revolution im Straßenverkehr

von Peter Vollmer

Selbstfahrende Autos sind bald einsatzfähig, doch noch fehlen gesetzliche Grundlagen.

Nein, 2016 werden nicht Tausende Autos ohne Fahrer über die Straßen heizen. Aber es könnte das Jahr werden, in dem die Selbstfahrer-Technologie so weit sein wird, dass die Hersteller den Startschuss für die nächste Entwicklungsstufe des Individualverkehrs geben.

Die Versprechen sind groß: Weniger Staus, weniger Verbrauch, eine bessere Einbettung der E-Mobilität, weniger Unfälle und eine höhere Produktivität der Fahrer. Denn Milliarden Kilometer, die deutsche Autofahrer bislang mit Radiohören verbracht haben, können nun für andere Dinge genutzt werden.

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Einer der Haupttreiber dieser Entwicklung war Google. Nun berichtet Bloomberg mit dem Hinweis auf einen anonymen Informanten, dass Alphabet, Googles neu gegründetes Mutterschiff, der Selbstfahrer-Sparte einen eigenen Buchstaben geben will. Das heißt: Ein eigenes Unternehmen soll künftig die Technologie voranbringen - und bereits 2016 Mietfahrten anbieten.

Zunächst soll sich dies allerdings auf abgeschlossene Gebiete (Hochschulgelände oder Militäranlagen) begrenzen. Doch Google drängt, nachdem seine selbstfahrenden Autos mittlerweile über eine Million Meilen hinter sich gebracht haben, auf die öffentlichen Straßen. Nicht zuletzt, weil auch die Konkurrenz aufs Gas drückt: Tesla bastelt bereits an einem ähnlichen Projekt, der Autovermittlungsdienst Uber schaut sich zunehmend nach Technologiepartnern um und Audi darf neuerdings selbstfahrende Autos direkt vor Googles Nase in Kalifornien testen.

Einen Konkurrenten, der seit Jahren ebenfalls autonome Fahrzeuge entwickelt, konnte Google nun anscheinend auf seine Seite ziehen: Der US-Autobauer Ford verhandelt derzeit mit dem Tech-Giganten über eine Zusammenarbeit. Ford wird 2016 ebenfalls damit beginnen, selbstfahrende Autos in Kalifornien zu testen, wie im Dezember bekannt wurde. Nahezu gleichzeitig verkündete auch Kia, ab 2016 in den USA fahrerlos unterwegs zu sein.

Wettbewerb auch zwischen den StaatenBei den Autobauern dürfte damit klar sein: Wer jetzt noch nicht an Selbstfahrern bastelt, fährt hinterher. Die Staaten hingegen beginnen erst damit, Rahmenbedingungen für autonome Fahrzeuge auszuhandeln. Die EU dürfte, obwohl alle namenhaften Hersteller in den USA testen, die Nase ein Stück weiter vorne haben, mutmaßt das Portal Techinsider. Grund sei das Testprogramm Citymobil2.

Dieses Programm, das auch von der EU gefördert wird, lotet schon seit drei Jahren aus, wie Selbstfahrer ins europäische Straßenbild passen. Und es versucht über Praxistests gleichzeitig Informationen für einen möglichen rechtlichen Rahmen zu sammeln. Wir hatten uns diesen Sommer das Projekt bereits angeschaut, als es einen selbstfahrenden E-Shuttle durch eine griechische Kleinstadt schickte. Solche Informationen könnten der EU helfen, die rechtlichen Rahmenbedingungen schneller festzuzurren - was sich viele EU-Politiker wünschen.

Die niederländische Ministerin für Umwelt und Infrastruktur Melanie Schultz van Haegen hat vergangenen Monat angekündigt, die niederländische EU-Ratspräsidentschaft 2016 zu nutzen, um das Thema auf die EU-Agenda zu bringen. Das britische Verkehrsministerium wiederum gab dieses Jahr einen möglichen Zeitrahmen bekannt, laut dem 2016 die ersten Tests auf britischen Straßen stattfinden könnten. Spätestens 2018 wolle man verbindliche Regeln haben.

Denn nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen stimmen, es gibt auch viele praktische Fragen, die EU-Politiker idealerweise für den gesamten Staatenbund klären. Wird ein Führerschein notwendig sein? Braucht es neue Gesetze, wenn günstige fahrerlose Autos per App bestellt werden können?

Schließlich könnte der Verkehr massiv zunehmen, wenn plötzlich alle Menschen selbst kürzeste Distanzen mit Autos fahren. Das zumindest befürchten Forscher des Transportation Research Institute der University of Michigan. Ihr Prognose: Der Verkehr werde, allen Vorteilen zum Trotz, um elf Prozent zunehmen. Solche Detailfragen werden dafür sorgen, dass es noch eine Weile dauern wird, bis die Selbstfahrer die Straßen erobern. 2016 ist eben nur der Anfang.

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