Shareconomy: Startups vermitteln Privaträder zum Verleih

Shareconomy: Startups vermitteln Privaträder zum Verleih

von Felix Ehrenfried

Was es für Autos schon gibt, kommt jetzt auch für Fahrräder: Online-Plattformen, auf denen jeder sein Rad verleihen kann.

Es ist das Motto einer jungen, umweltbewussten Generation: Teilen statt kaufen, zu Englisch „Shareconomy“. Von dieser Idee haben sich mehrere amerikanische Unternehmen inspirieren lassen und eine neue Form des Fahrradverleihs entwickelt. Das sogenannte Peer-to-Peer (P2P) System baut im Kern auf folgender Idee auf: Ich biete mein privates Fahrrad zum Verleih an. Im Gegenzug kann ich die Fahrräder von anderen Gleichgesinnten ausleihen.

Peer-to-Peer bedeutet auf Deutsch in etwa „von Ebenbürtigen zu Ebenbürtigen“. Sprich, jeder, der sein Fahrrad anderen ausleiht, kann auch selbst in den Genuss dieses Services kommen. Das System funktioniert dabei ähnlich wie bei Plattformen, die Privatleuten ermöglichen, ihre Autos zum Verleih anzubieten.

Anzeige

Auf den Websites der US-amerikanischen Startups Liquid oder GoVelo stellt man die Infos zu seinem Fahrrad ein. Also wo es steht und was es an Miete kostet. Andere Nutzer können dann auf diese Infos zugreifen und das Fahrrad ausleihen. Die Besonderheit der Idee im Vergleich mit der Variante für Autos: Jeder, der ein Fahrrad ausleihen will, muss auch eins zur Verfügung stellen.

Die Idee des privaten Bikesharings ist durchdacht, jedoch steht die Umsetzung bei beiden Unternehmen noch am Anfang. So besitzt Liquid lediglich eine Website und keine App für das Smartphone. Der Anwender ist also an die relativ umständliche Website gebunden, was bei spontanem Ausleihen zum Problem werden kann.

Eleganter löst das Startup GoVelo die Übergabe des Fahrrads. Ein Infospot des Unternehmens erklärt, wie das Ganze funktionieren soll: In einer Stadt lässt sich der Benutzer von der App die nächsten, zur Ausleihe verfügbaren, Fahrräder anzeigen. Am Fahrrad angekommen, kann er durch einen einfachen Wisch über das Smartphonedisplay das Schloss des Fahrrads entsperren. Das Schloss wird von GoVelo selbst zur Verfügung gestellt und soll kabellos die Befehle des Ausleihers zum Ent-und Zusperren erhalten. Nach der Fahrradtour stellt der Benutzer das Bike einfach wieder an seinen Platz und verriegelt es per GoVelo-App.

Bisher nur in der ErprobungsphaseDoch auch dieses System befindet sich noch in der Beta- also Erprobungsphase. Speziell die aufwendige Technik der kabellosen Schlösser dürfte die Entwickler vor einige Hürden stellen. Ebenfalls ist nicht bekannt, über welchen Weg die Bezahlung vonstatten gehen soll.

Dennoch: Die Idee des P2P-Fahrradverleihs ist charmant. Einfach in einer Stadt ankommen, Handy rausholen und sofort ein Fahrrad zur Verfügung haben und das meist zu günstigen Konditionen. Das klingt gut und könnte eine Alternative zu kommerziellen Anbietern, wie hierzulande der Deutschen Bahn mit ihren Leihfahrrädern, sein.

Jedoch gibt es einige Fragen, die geklärt werden müssen. So ist ein Fahrrad oft auf seinen Besitzer zugeschnitten: Ein großer und hoher Rahmen könnte für manche zierliche Frau ein Problem darstellen, das sich oftmals nicht so einfach beheben lässt. Auch dürfte die Qualität der angebotenen Fahrräder stark variieren. Und was, wenn auf einmal das Leihfahrrad schon vor der Fahrt einen Platten hat? All diese Infos müssten per Smartphone zugänglich gemacht werden. Bis das System also ausgereift ist und vielleicht auch irgendwann deutsche Städte erobert, ist es noch ein Weg.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%