Sicherheitsmängel: Autovermieter greifen Car-Sharing-Angebote an

Sicherheitsmängel: Autovermieter greifen Car-Sharing-Angebote an

von Felix Ehrenfried

Die etablierten Autovermieter beschuldigen Car-Sharing-Plattformen, ihre Autos seien ein Gesundheitsrisiko.

Es sind harte Anschuldigungen, die der Bundesverband der Autovermieter Deutschlands (BAV), ein Interessensverband von aktuell rund 300 Mietwagenunternehmen, gegen seine Konkurrenz vorbringt. „Wir kritisieren, dass die privaten Car-Sharing-Anbieter sich nicht an die Regeln halten“, beklagt Michael Brabec, Sprecher des Verbands.

Mit Anbietern sind die Betreiber von Plattformen wie Nachbarschaftsauto oder Tamyca gemeint, auf denen jeder Autobesitzer sein Auto zum Verleih anbieten kann. Was die Startups von herkömmlichen Anbietern unterscheidet: Hier stellen Privatleute ihre Autos zum Verleih ein, die Website fungiert also hauptsächlich als Vermittler zwischen Verleiher und Leiher und besitzt die Autos nicht selber.

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Der BAV behauptet, dass auf Seiten wie Nachbarschaftsauto.de Fahrzeuge angeboten werden würden, die die Verkehrssicherheit gefährden. Außerdem würden die Betreiber der Seiten mit ihrer Geschäftspraxis gegen deutsches Recht verstoßen. Die privaten Car-Sharing Plattformen wehren sich vehement und sehen die Aktion als Versuch, durch Fehlinformation ihr Geschäftsmodel zu zerstören.

Doch wo genau liegt die Kritik des Bundesverbandes?  „Der Zustand vieler Fahrzeuge in den Privat-Carsharing-Plattformen gefährdet die Verkehrssicherheit. Nicht nur die Mieter selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer müssen durch die Anhäufung grober Mängel der vermieteten Fahrzeuge wie poröser Reifen, Bremsproblemen oder Lenkungsschäden Angst bekommen“, so Brabec.

Er erhebt die Anschuldigungen aufgrund von Gutachten der DEKRA  an verdeckt ausgeliehenen Autos. Drei der Gutachten liegen WiWo Green vor. Dabei reichen die Mängel von pedantischer Kritik an verschlissenen Scheibenwischern bis zu tatsächlich ernsthaften Problemen, wie einer zu schwachen Bremskraft.

Plattformen sind nicht für Sicherheit zuständigChristian Piepenbrock von Nachbarschaftsauto argumentiert dagegen: „Unsere Autos sind keine Mietwagen. Das wissen unsere Nutzer. Der Autoverleiher ist dafür verantwortlich, dass sein privates Auto zugelassen, verkehrssicher, betriebsbereit und TÜV-geprüft ist. Ein Übergabeprotokoll dokumentiert den Fahrzeugzustand bei Übergabe.“

Eine Frau, deren Fahrzeug verdeckt durch den Bundesverband getestet wurde, habe sich anschließend bei Nachbarschaftsauto gemeldet. „Die Dame hat uns erklärt, dass ihr Auto vor erst einem Jahr problemlos durch den TÜV gekommen ist“, erklärt Piepenbrock. Damit sei der Fall für ihn klar: „Wenn ein Auto in Deutschland durch den TÜV kommt, ist es verkehrssicher. Eine andere Kontrollinstanz gibt es nicht. Auch der Bundesverband der Autovermieter hat uns keinen Vorschlag gemacht, wie die Sicherheit unserer Fahrzeuge anders kontrolliert werden sollte, als durch den TÜV.“

Außerdem gebe es bei den privaten Car-Sharing-Plattformen eine soziale Kontrollkomponente, sagt Piepenbrock: „Jemanden, der bei mir nebenan wohnt, behandele ich fair.“

Michael Minis, Geschäftsführer von Tamyca, sieht das sehr ähnlich. „Wir appellieren natürlich an die Sorgfalt unserer Mieter und Vermieter, aber unsere Autos erfüllen alle gewisse Auflagen bezüglich Alter, Laufleistung und TÜV, nach denen die Fahrzeuge nach deutschem Recht zunächst einmal verkehrssicher sind.“ Schließlich seien alle Autos, die auf seiner Plattform angeboten werden, durch eine Zusatzversicherung vollkaskoversichert. Die Versicherung verlange ohnehin, dass die Autos verkehrssicher sind, sagt Minis.

Für die zwei Chefs der privaten Car-Sharing Plattformen hat die Kritik des Bundesverbandes der Autovermieter vor allem einen Zweck: Das Misstrauen gegenüber ihren Websites zu schüren.

Fahrzeuge nicht ordnungsgemäß angemeldetDie Kritik des Bundesverbandes reicht jedoch über die Anschuldigung der mangelhaften Verkehrssicherheit hinaus: „Die Vermietung auch von privaten Fahrzeugen unterliegt der Pflicht, diese Fahrzeuge in besonderer Weise als „Selbstfahrervermietfahrzeug“ zuzulassen. Das wissen die Betreiber der Börsen als Vermittler der Angebote. Doch wir haben bisher nicht wahrgenommen, dass die Börsen das den Vermietern entsprechend mitteilen, übrigens auch nicht den Mietern“, so Brabec.

Soll heißen: Nicht jeder darf sein Auto einfach vermieten, sondern muss es dafür anmelden. Das müssten die Plattformbetreiber ihren Nutzern mitteilen, täten das aber in der Realität nicht.

Christian Piepenbrock von Nachbarschaftsauto, sieht die Sache ganz anders: „Der BAV scheint das private Carsharing als Bedrohung für sein Geschäft zu sehen, und verbreitet leider gezielt bewusst missverständliche öffentlichkeitswirksame Erklärungen, um das private Carsharing in Verruf zu bringen.“

Dass sein Unternehmen und ähnliche Plattformen ihre Mitteilungspflicht verletzen würden, sieht Piepenbrock nicht so: „Nachbarschaftsauto ist eine Gemeinschaft in der Privatpersonen gelegentlich ihr privates Auto an Nachbarn verleihen - nur an Nachbarn ihrer Wahl und nur innerhalb der Nachbarschaftsauto-Community.“

Im Klartext heißt das also, dass Autos lediglich an Bekannte verliehen werden, auch wenn dies nur Menschen sind, die man über die Plattformen selbst kennen gelernt hat. Entscheidend ist dabei, dass durch den Verleih der Autos kein Geld verdient wird, so Piepenbrock. Deswegen seien private Car-Sharing Plattformen von der genannten Regelung für „Selbstfahrervermietfahrzeuge“ unangetastet. Wenn dennoch private Verleiher mehr verdienen, als es ohne Gewerbeanmeldung erlaubt ist, werden diese Leute von der Car-Sharing-Plattform ausgeschlossen, erklärt Piepenbrock.

Ähnliches gilt beim Mitbewerber Tamyca. „Wir haben Kriterien, die einen Vermieter als privat oder gewerblich einstufen. Sobald jemand gewerblich sein Auto vermietet, hat er selbstverständlich die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen“, sagt Michael Minis.

Bei Ausleihe aufmerksam seinAbgesehen von der juristischen Diskussion um die Anmeldung des Fahrzeuges bleibt am Ende eine viel wichtigere Frage: Inwieweit sind die Betreiber von privaten Car-Sharing Webseiten für die Sicherheit der auf ihren Plattformen angebotenen  Fahrzeuge verantwortlich? Sollte aufgrund eines Mangels ein ernsthafter Schaden entstehen, wird sicherlich zuerst der Fahrzeughalter zur Verantwortung gezogen werden. Ob die Webseitenbetreiber in einer solchen Situation komplett aus der Verantwortung sind, lässt sich nicht abschließend klären.

Was also tun? Der Fahrer sollte immer aufmerksam sein und scheinbare Mängel schon vor Fahrtbeginn ansprechen und im Zweifelsfall das Auto lieber stehen lassen.

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