Skandinavien: Erneuerbare verdrängen Kohlekraft

Skandinavien: Erneuerbare verdrängen Kohlekraft

von Benjamin Reuter

Nicht nur in Deutschland kämpfen fossile Kraftwerke um ihre Existenz. In Dänemark und Finnland werden sie durch die Windkraft zunehmend überflüssig.

Es vergeht kaum eine Woche ohne Nachrichten, dass die Geschäfte bei den großen deutschen Energieversorgern schlecht laufen. Das liegt einerseits am Atomausstieg, der den Unternehmen ihre nuklearen Cash Cows geschlachtet hat, die ihnen über Jahre üppige Gewinne sicherten. Inzwischen wird aber wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien auch der Betrieb von fossilen Kraftwerken zunehmend unrentabel. Vor allem Strom aus Erdgas wird immer seltener nachgefragt, weil er im Sommer durch Solarstrom ersetzt wird. Drängt noch mehr Grünstrom ins Netz, werden auch Kohlekraftwerke seltener laufen, die Gewinne schrumpfen auch hier.

Zur Malaise der Energieversorger trägt aber noch ein zweiter Umstand bei: Die Preise an der Strombörse in Leipzig sinken stetig, weil auf dem Strommarkt ein Überangebot herrscht. Gewinn macht deshalb aktuell kaum ein Kraftwerk mehr. Das gilt im Übrigen auch für die erneuerbaren Energien: Wäre ihre Finanzierung durch die Verbraucher nicht über die EEG-Umlage gesichert, würden auch sie ein dickes Minus schreiben.

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Bald auch Kernkraftwerke unwirtschaftlichAber Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem der Strommarkt derart durcheinander ist. Auch in Skandinavien treibt eine Mischung aus niedrigen Börsenpreisen, stagnierender Stromnachfrage und ein Ausbau der Windkraft den Kraftwerksbetreibern Sorgenfalten auf die Stirn. Sie kaufen und verkaufen ihren Strom vor allem an der Börse Nord Pool Spot in Oslo.

Die durchschnittlichen Großhandelspreise für Strom haben sich dort seit 2010 auf inzwischen drei Cent pro Kilowattstunde halbiert, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Selbst abgeschriebene Kohlekraftwerke können da kaum noch mithalten. Sie produzieren derzeit für 2,8 Cent. Die Kosten bei Gaskraftwerken sind doppelt so hoch.

Der Grund für die sinkenden Preise an der Börse in Oslo ist ein immer größeres Angebot durch erneuerbare Energien – vor allem der Windkraft. Sie wird auch in Skandinavien auf unterschiedliche Weise staatlich gefördert (Details zur Förderung in Dänemark gibt es hier). Den Windmüllern machen die niedrigen Preise an der Börse deshalb eher wenig aus.

Experten rechnen damit, dass in den nächsten Jahren die Großhandelspreise weiter sinken und auch abgeschriebene Kohlekraftwerke in Dänemark und Finnland unwirtschaftlich werden. Rund 20 Prozent der Kohlekraftwerke in Dänemark und Finnland könnten deshalb in den nächsten Jahren vom Netz gehen. Bei einem Preis von zwei Cent pro Kilowattstunde würden dann auch die Kernkraftwerke in Schweden und Finnland unwirtschaftlich.

Insgesamt verfügen Dänemark und Finnland über Kohlekraftwerke mit 11.000 Megawatt Leistung. Zum Vergleich: Deutschland hat derzeit rund 46.000 Megawatt. Norwegen dagegen besitzt nur ein kleines Kohlekraftwerk im Norden des Landes (plant derzeit aber weitere), in Schweden ist kein einziges reines Kohlekraftwerk am Netz.

Ambitionierte ZieleWie in Deutschland ist auch der Ausbau der Erneuerbaren in Skandinavien politisch gewollt. Dänemark will schon 2020 ein Drittel seiner gesamten Energieversorgung (also auch die Wärmeproduktion und Treibstoffe für den Verkehr) auf erneuerbare Energien umstellen. Die Stromerzeugung soll 2020 schon zu 70 Prozent mit Erneuerbaren funktionieren. Den Großteil liefern Windräder an Land und auf dem Meer, die jetzt schon an manchen Tagen mehr als die Hälfte der Stromversorgung decken.

Immerhin knapp 40 Prozent seiner Energieerzeugung (Strom, Wärme, Verkehr) will Finnland bis 2020 mit erneuerbaren Energien decken. Im Stromsektor fördert Finnland die Windkraft mit festen Einspeisetarifen ganz ähnlich wie es Deutschland macht. Finnische Windmüller bekommen die Vergütung allerdings nur für zwölf Jahre, in Deutschland sind es 20 Jahre. Das Ziel ist es, bis 2020 die produzierte Windstrommenge zu verzehnfachen. Rund fünf Prozent des Stromverbrauchs kämen dann aus Windparks.

In Norwegen soll der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Strom- und Wärmeproduktion bis 2020 auf 67 Prozent steigen. Die Energie liefern vor allem Wasserkraftwerke. In den kommenden Jahren sollen aber auch neue Windanlagen hinzukommen. Zieht man den Stromverbrauch in der Wärmeversorgung ab, deckt die günstige Wasserkraft heute schon den gesamten Stromverbrauch Norwegens. Kein Wunder, dass die Strompreise mit rund zehn Cent pro Kilowattstunde für Verbraucher extrem niedrig sind.

Schweden plant mit einem Anteil von 50 Prozent erneuerbaren Energien bei der Energieversorgung (Strom, Wärme, Treibstoffe) bis 2020. Im Stromsektor kommt die meiste Energie derzeit aus Wasser- und Atomkraftwerken. Bis 2020 soll die Strommenge aus Windkraftanlagen aber verfünffacht werden, um weniger abhängig von klimabedingten Schwankungen bei der Wasserkraft zu sein. Rund 20 Prozent des Stroms in Schweden kämen dann aus Windparks.

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