Solar: Bis 2060 weltweit wichtigste Energiequelle?

Solar: Bis 2060 weltweit wichtigste Energiequelle?

von Benjamin Reuter

Eine Studie des Öl-Multis Shell zeigt: Solar wird in der zweiten Jahrhunderthälfte die größte Energiequelle. Das Klima aber ist nicht mehr zu retten.

Es ist ein Ergebnis, das überrascht. Der niederländische Öl-Multi Shell hat sich die Frage gestellt, wie wir uns in den nächsten 50 Jahren mit Energie versorgen. Das Fazit: Es wird nicht das Öl sein, sondern die Sonne, die die meiste Energie liefert. Vor dem Hintergrund, dass erst kürzlich der deutsche Forschungschef von Shell bei einer Podiumsdiskussion sagte “Peak-Oil ist völlig falsch, wir werden immer genug Fossile haben”, ist das durchaus beachtenswert.

Vielleicht überdenkt Shell-CEO Peter Voser jetzt auch die Entscheidung seines Vorgängers von vor vier Jahren, aus dem Geschäft mit Solaranlagen auszusteigen. Aber nun zur Studie, die unter dem Titel New Lens Scenarios veröffentlicht wurde. Wie kommen die Shell-Experten zu ihrem Ergebnis?

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Erstmal haben sie zwei mögliche politische und wirtschaftliche Szenarien entworfen, die in den kommenden Jahren den Energiemarkt ganz unterschiedlich prägen könnten. Zwar verdoppelt sich in beiden Szenarien der Energiebedarf in den kommenden 50 Jahren - bis 2030 nimmt er um 40 - 50 Prozent zu.

Aber im ersten Szenario rechnet Shell mit einem eher schwachen Wirtschaftswachstum:

Der Energiemix wird im Jahr 2030 in diesem Fall noch von Öl, Kohle und Gas bestimmt. Erneuerbare und Atomenergie liefern rund ein Sechstel der weltweiten Energie. 2060 ist dann Gas - sowohl Erdgas aus konvenionellen und unkonventionellen Quellen und Biogas - die bestimmende Energiequelle. Öl und Kohle verlieren etwas an Bedeutung.  Dennoch treiben die Treibhausgas-Emissionen, die bis 2040 um ein Drittel zunehmen, die Erderwärmung über die kritische Grenze von zwei Grad.

Und jetzt zur eigentlich spannenden Teil der Analyse: Das zweite Szenario, in dem in den 2060er-Jahren Solar den Löwenanteil der Energie liefert. Drei Faktoren sind in diesem Szenario für den Boom der Sonnenenergie verantwortlich: Ein anhaltend starkes Wirtschaftswachstum, sehr viel knapper und teurer werdende fossile Energieträger und eine weltweit einflussreiche Klimaschutzbewegung.

Der Durst nach Öl erreicht im zweiten Szenario im Jahr 2040 seinen Höhepunkt. Danach verteuern sich die fossilen Energien wie Gas und Öl enorm, weil die heutigen Produktionsvorhersagen sich nicht erfüllen - das gilt ganz besonders für die großen Hoffnungen, die mit Schieferöl- und Gas verbunden sind.

Solar boomt - dem Klima nützt es nichtsDa die Preise für die alten Energieträger steigen, lohnt sich auch die immer noch nicht ganz billigen grünen Energieträger wie Wind und Solar. Interessanterweise geht dieses Szenario auch von einer weltweiten Bewegung für den Klimaschutz aus, die mit dem Dogma "Es gibt keine Alternative zum ressourcenintensiven Kapitalismus" bricht. Sie treibt Politiker zum Ausbau der Erneuerbaren. Kurz: Wohlstand und eine kritische Masse an Bürgern treiben die Energierevolution im zweiten Szenario voran.

Die Entwicklung zeigt sich am Energiemix, den die Shell-Mitarbeiter für 2030 prophezeien: In diesem Jahr sind Öl und Kohle noch die dominierenden Energiequellen mit insgesamt einem Anteil von über 50 Prozent. Erneuerbare und Atom machen aber schon 20 Prozent aus. 2060 verändert sich das Bild weiter: Zwar liefern Öl, Kohle und Gas zusammen immer noch rund 60 Prozent der Energie. Doch Solarenergie wird  mit einem Anteil von 25 Prozent am Gesamtmix die größte Energiequelle sein. Das Zwei Grad-Ziel wird aber auch in diesem Szenario nicht erreicht. Shell spricht sogar von einem "beunruhigend starkem Anstieg der Erdtemperatur."

Für das Jahr 2100 sehen die Shell-Experten die Entwicklung sogar noch rosiger für die Solarnergie (siehe Grafik).

Was nimmt man als Fazit der Studie mit? Dass es für den Kampf gegen den Klimawandel nicht gut aussieht. In beiden Szenarien reichen die globalen Vorräte an fossilen Rohstoffen, um die Erderwärmung in gefährliche Höhen zu treiben.

In beiden Szenarien hilft dagegen nicht einmal mehr der verstärkte Einsatz von Erneuerbaren. Rettung bringt am Ende nur, dass CO2, das wir ausgestoßen haben, unter der Erde zu vergraben (Stichwort CCS). Bisher sieht es aber nicht so aus, als würden die Menschen diese Technologie wollen - überall dort, wo sie in Deutschland getestet werden soll, protestieren sie.

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