Solar Impulse: Der Sonnenflieger startet One Way nach Hawaii

Solar Impulse: Der Sonnenflieger startet One Way nach Hawaii

von Malte Laub

Kein Zurück für Solar Impulse: Der in Japan gestartete Solarflieger fliegt nun in fünf Tagen nach Hawaii.

Jetzt muss alles klappen. Am frühen Montagmorgen deutscher Zeit hieß es aus der Kommandozentrale von Solar Impulse: „No way back“ – kein Weg zurück. Der Solarflieger der Schweizer Luftfahrtpioniere und Extremabenteurer Bertrand Piccard und André Borschberg hatte den sogenannten point of no return überschritten. Umzukehren ist ab diesem Moment nicht mehr möglich, die achte Etappe des Weltumrundungsversuchs – ein Fünf-Tages-Flug vom japanischen Nagoya nach Hawaii – muss funktionieren.

Damit wird das Bangen der vergangenen Wochen, den Flieger überhaupt noch rechtzeitig in die Luft zu bekommen, ehe Wirbelstürme und kürzer werdende Tage das Projekt unmöglich machen, von der Anspannung abgelöst, den anspruchsvollen Flug pannenfrei zu absolvieren.

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Gesteuert wird das Flugzeug von Borschberg, der in den insgesamt etwa 120 Stunden vom Start bis zur Landung nur für je maximal zwanzig Minuten am Stück schlafen kann und sich sonst mit Yoga- und Meditationsübungen fit halten will. Gelingt ihm die 8340 Kilometer lange Etappe, hat der Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler einen neuen Rekord für den längsten Flug mit einem Solarflugzeug aufgestellt.

Um solche Rekorde geht es Piccard und Borschberg bei ihrem Weltumrundungsversuch allerdings nicht vornehmlich, das werden die beiden Gründer nicht müde zu betonen. Das Projekt solle zeigen, dass eine saubere und ökologische Zukunft möglich sei. Das Flugzeug ist mit 17000 Solarzellen auf seinem 72 Meter breiten Flügel – die Spannweite ist größer als die einer Boeing 747 – ausgestattet und verbraucht keinen Tropfen Treibstoff. Die öffentlichkeitswirksamen Etappen und Zwischenlandungen sollen das Bewusstsein für die grüne Fliegerei schärfen.

Doch die Presse blieb dieses Mal beim Start in Japan außen vor. Erst nachdem der point of no return erreicht war, wandte sich Piccard, der diesmal in der Kommandozentrale sitzt, an die Öffentlichkeit. „Es war ein Trauma für das Team, den Start beim letzten Mal fünf Minuten vor dem Abheben absagen zu müssen“, sagt Piccard mit Blick auf den vergangenen Mittwoch, als ein Wetterwechsel das Flugzeug zurück in den Hangar zwang. Nun habe man sicher gehen wollen, dass alles funktioniert und dass das Wetter hält, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Mehr Spannweite als eine Boeing, so viel Gewicht wie ein MittelklassewagenTatsächlich hatten die Ingenieure und Mathematiker in der in Monaco beheimateten Kommandozentrale auch bis kurz vor Erreichen des kritischen Kein-Zurück-Punkts alle Hände voll zu tun, sagt Piccard. Zwei Systeme hätten zunächst nicht richtig funktioniert. „Diese zehn Stunden waren furchtbar. Kurz vor dem point of no return konnten André und ich aber mit der Unterstützung des Teams die Entscheidung treffen, weiterzufliegen“, sagt Piccard.

Eine wichtige Entscheidung für das gesamte Projekt, denn eigentlich hätte das Karbonfaser-Flugzeug mit dem Gewicht eines Mittelklassewagens schon längst die US-amerikanische Pazifikinsel erreicht haben sollen. Doch der erste Versuch Anfang Juni vom chinesischen Nanjing aus gelang nicht, das Wetter war zu schlecht und zwang das Team zum außerplanmäßigen Stop in Japan, wo es seitdem ebenfalls aufgrund des Wetters festsaß.

Piccard, der 1999 im Ballon die Welt umrundete, dachte in den vergangenen Wochen schon laut darüber nach, in Japan überwintern zu müssen. Er setzte den 5. August als Stichtag, zu dem man sowohl den Pazifik als auch den Atlantik, über den die Reise fortgesetzt wird, überquert haben müsse. Danach seien die Tage zu kurz, um genügend Sonnenenergie zu tanken.

Not bored at all! Conditions are tough at 20'000 feet above the Pacific. #futureisclean pic.twitter.com/d6xjGuzTkz

— André Borschberg (@andreborschberg) 30. Juni 2015Derzeit sieht es so aus, als würde der Plan aufgehen. In dem Moment, in dem diese Zeilen geschrieben werden, ist Borschberg seit einem Tag, 16 Stunden und einer Minute in der Luft und fliegt derzeit in etwa 6000 Metern Höhe. Seinen Spezialanzug, der ihn vor der Kälte in dem kaum isolierten, etwa telefonzellengroßen Cockpit schützt, hatte er bei aktuell fünf Grad Außentemperatur zunächst abgelegt, wie ein Tweet zeigt, kurz darauf sieht man ihn allerdings dick eingepackt.A cool #solar #pilot attempting the longest ever #solar flight in both duration and distance! http://t.co/kZc17xbLWl pic.twitter.com/D8kypla8WF

— SOLAR IMPULSE (@solarimpulse) 30. Juni 2015Wer dem Flug folgen möchte, kann das auf den Seiten von Solar Impulse tun, wo aktuelle Daten aus dem Cockpit und ein Livestream (der mit deutscher IP geblockt ist) angezeigt werden. Dort kann man auch mit der Kommandozentrale chatten. Außerdem bietet Flightradar24 die Möglichkeit, den Flug zu orten.

Derzeit hat Borschberg bereits mehr als ein Drittel der Strecke zurückgelegt, das Energiesystem treibt den Flieger mit einer Leistung von einem Kilowatt an. Die Batterien sind voll.

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