Solarenergie: Bis 2022 will Indien 100 Gigawatt Kraftwerksleistung installieren

Solarenergie: Bis 2022 will Indien 100 Gigawatt Kraftwerksleistung installieren

von Wolfgang Kempkens

Indien zählt zu den Top-Klimasündern. Das könnte sich ändern.

Im Juli 2012 ging in Indien nichts mehr. Der größte Stromausfall in der Geschichte legte das Land lahm. 620 Millionen Menschen waren zeitweise ohne Elektrizität. Blackouts sind in Indien, das seinen Strom überwiegend aus Kohle bezieht, keine Seltenheit. Oft übersteigt die Nachfrage das Angebot. Im Extremfall bricht das Netz zusammen, besonders im Sommer, wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen.

Das könnte sich ändern. Denn Coal India, der größte Kohlebergbaukonzern der Welt, gab gerade bekannt, dass er umgerechnet 1,2 Milliarden US-Dollar in Solarkraftwerke investieren will.

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Insgesamt will der Staatskonzern Solarkraftwerke mit einer Kapazität von 1.000 Megawatt in den Bundesstaaten Andhra Pradesh und Talagnana installieren. Zudem hatte der Bergwerkskonzern Neyveli Lignite kürzlich angekündigt, er werde 80 Millionen US-Dollar in Solar- und Windkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 80 Megawatt stecken. Das Ministerium für Kohle, Strom und erneuerbare Energien drängt darauf, dass vor allem indische Hersteller von Solarzellen und Modulen, etwa Indosolar, bei der Auftragsvergabe berücksichtigt werden.

Doppelt so viel Solarkraft wie in DeutschlandIndiens Kraftwerke haben eine Kapazität von insgesamt gut 250.000 Megawatt, fast doppelt so viel wie Deutschland. Kohle hat daran einen Anteil von rund 60 Prozent. Knapp 30 Prozent des Bedarfs decken Wasserkraft, Wind und Sonne, den Rest Erdgas, Öl und Kernenergie. Zwar liefert Sonnenenergie nur einen geringen Teil, doch das sind immerhin mehr als 2000 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr in weiten Teilen des Landes. Das ist ebenfalls mehr als doppelt so viel wie in Deutschland.

Solarenergie soll helfen, den schnell wachsenden Strombedarf Indiens zu decken. Die 1000 Megawatt die Coal India anvisiert, sind da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Doch das Ministerium will es dabei nicht belassen. Bis zum Jahr 2022 sollen in Indien Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 100.000 Megawatt (100 Gigawatt) ans Netz gehen. Die Investitionssumme soll, so das Energie-Ressort, bei umgerechnet rund 100 Milliarden Dollar liegen.

Kohlesteuer soll Solarkraftwerke finanzierenUm die Pläne zu finanzieren, erhebt Indien eine Steuer auf Kohle aus eigenen Bergwerken und für die Mengen, die importiert werden. Das macht umgerechnet 1,67 Dollar pro Tonne aus. Laut „The Economic Times“, einer der wichtigsten Tageszeitungen Indiens, importierte Indien im Berichtsjahr 2013/14 fast 170 Millionen Tonnen Kohle. Eigene Bergwerke lieferten rund 570 Millionen Tonnen. Die Steuer erbringt somit rund 1,2 Milliarden Dollar, die in die Verbesserung der Energieversorgung fließen sollen.

In Andhra Pradesh und Talagnana wird man dankbar sein, denn dort macht sich der Strommangel besonders stark bemerkbar, vor allem an den zahlreichen warmen Sonnentagen. Solarkraftwerke liefern genau dann Strom, wenn der Bedarf besonders hoch ist.

Zwischenspeicher sind deshalb nicht nötig. Neue Solarprojekte erfüllen einen weiteren Zweck. Gerade in Hinblick auf die UN-Klimakonferenz nächstes Jahr in Paris, steht es Indien gut zu Gesicht, seine Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren. Derzeit liegen sie kohlebasiert bei rund zwei Milliarden Tonnen pro Jahr, das ist 2,5 mal mehr, als die Gesamtemissionen Deutschlands. Indien zählt damit zu den Top-Klimasündern. 

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