Solarenergie: Weltpremiere in Chile – Santiagos U-Bahn fährt bald mit Solarstrom

Solarenergie: Weltpremiere in Chile – Santiagos U-Bahn fährt bald mit Solarstrom

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Ab kommenden Jahr wird die Metro überwiegend mit Solarstrom betrieben

von Wolfgang Kempkens

Die Stadt wird pro Jahr 300 Gigawattstunden Strom aus einem nahegelegenen Solarkraftwerk beziehen und damit einen Großteil ihrer Züge betreiben.

Chile geht beim Verkehr in der Hauptstadt Santiago neue Wege. Die Metro fährt dort ab kommenden Jahr als erste U-Bahn der Welt weitgehend mit Solarstrom. Der Betreiber des größten U-Bahn-Netzes in Südamerika hat gerade einen Vertrag mit dem amerikanischen Solarkraftwerke-Entwickler und -Betreiber Sunpower unterzeichnet, einer Tochter des französischen Mineralölkonzerns Total.

Danach bezieht die Metro pro Jahr 300 Gigawattstunden Strom aus dem Solarkraftwerk El Pelícano, das im nächsten Jahr fertiggestellt wird. Die gut 420 Fotovoltaikmodule haben eine Spitzenleistung von 101 Megawatt. Geplant ist eine Roboter-Waschanlage, die die Module regelmäßig von Staub befreit, der die Leistung reduziert. Sunpower hat dazu ein Verfahren entwickelt, das 75 Prozent weniger Wasser verbraucht als herkömmliche Waschanlagen. Wie genau sie funktioniert, verraten die Ingenieure nicht. Wasser sparen ist am Kraftwerksstandort nahe der Wüste Atacama ein unbedingtes Muss.

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Der Metrobetreiber rechnet damit, dass der Solarstromanteil künftig bei 60 Prozent liegt. Mehr ist aus zwei Gründen nicht drin. Zum einen produziert das Kraftwerk nicht mehr, zum anderen gibt es keinen Pufferspeicher, mit dem ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb möglich wäre. Da es sich um eine Fotovoltaikanlage handelt, müsste Strom in Batterien zwischengelagert werden, was die Stromkosten, die derzeit bei weniger als zehn Cent pro Kilowattstunde liegen, massiv erhöhen würde.

Das Netz in Santiago soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden.

Das Netz in Santiago soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden.

Fünf U-Bahn-Linien erschließen weite Teile der Hauptstadt. 174 Züge, teilweise geliefert vom spanischen Hersteller Caf, sind dort unterwegs. Das Streckennetz mit 108 Stationen hat eine Länge von 103 Kilometern. Bis 2020 kommen weitere 42 Kilometer hinzu. Möglicherweise kann der Betreiber dann weiteren Solarstrom ordern. Denn in Chile sind Fotovoltaikanlagen mit einer Spitzenleistung von rund 2400 Megawatt im Bau. 750 Megawatt sind in Betrieb, dazu mit Atacama 1 ein solarthermisches Kraftwerk mit einer Leistung von 110 Megawatt. Es ist mit einem Wärmespeicher ausgestattet, der einen 24-Stunden-Betrieb ermöglicht.

Die chilenische Regierung will den Ausbau erneuerbarer Energien, der erst 2011 begann, noch weiter beschleunigen. Derzeit sind im Land neben den Solarkraftwerken Kohle- und Erdgaskraftwerke mit einer Leistung von 6300, Wasserkraftwerke mit 4600 und Windgeneratoren mit rund 400 Megawatt in Betrieb. 

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