Solarstrom: Die zweite Phase des Booms beginnt

Solarstrom: Die zweite Phase des Booms beginnt

von Benjamin Reuter

2017 schon könnte privat erzeugter Solarstrom in vier von fünf Ländern der Welt billiger sein als Strom aus dem Netz. Das stellt die Energiebranche auf den Kopf.

Die Investmentsparte der Deutschen Bank präsentiert regelmäßig Einschätzungen zur Entwicklung der Solarenergie. Vor einigen Tagen war es wieder mal soweit: Der US-Analyst Vishal Shah hat hervorragende Nachrichten für die Solarbranche (alle Details bringt der australische Blog RenewEconomy).

Shah rechnet vor, dass Solarstrom in den kommenden zwei Jahren in den meisten Ländern der Welt die sogenannte Netzparität erreicht hat. Der sperrige Begriff beschreibt den Zeitpunkt, wenn selbsterzeugter Strom im Vergleich mit Elektrizität aus dem öffentlichen Stromnetz ebenso viel kostet oder gar günstiger ist.

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Netzparität als Killer für die EnergieversorgerKonkret heißt es bei Shah: Steigen die Strompreise um drei Porzent pro Jahr, dann ist 2017 die private Solarenergie in vier von fünf Ländern auf der Welt günstiger als Netzstrom. Halten die Strompreise das Niveau von heute, dann ist eigener Solarstrom in immerhin noch zwei Dritteln der Märkte ein gutes Geschäft.

Die aktuellen Kosten privat erzeugten Solarstroms liegen laut Shah zwischen elf und zwanzig Eurocent pro Kilowattstunde. Allein in den USA erwartet er für das kommende Jahr eine Verfünffachung der Nachfrage nach Solarmodulen.

Die Netzparität beschreibt gleichzeitig eine Art Tipping Point für die Energiebranche – ist er erreicht, sollte sich jeder Angestellte eines großen Energieversorgers ernsthaft Gedanken machen, ob er sich beruflich umorientiert.

Denn sobald es für Privatpersonen oder auch Unternehmen günstiger ist ihren Strom selbst herzustellen, gehen den Energieversorgern nach und nach die Kunden verloren.

Inzwischen sind auch kleine Batterien, die den Strom speichern, so bezahlbar geworden, dass Kunden ihren Strombezug aus dem Netz um 70 Prozent oder mehr reduzieren können. Wenn gleichzeitig Strom aus dem Netz immer teurer wird (was in den meisten Ländern der Welt derzeit der Fall ist) und Solaranlagen immer billiger (die Preise sinken um 40 Prozent bis 2020, glaubt Shah), dann gehen den Versorgern immer mehr Kunden verloren.

Hat der Deutschbanker Shah mit seiner Vorhersage Recht, dann stehen den Versorgern einerseits schwere Zeiten bevor – andererseits ist die Solarenergie dabei, zu einem zweiten Boom anzusetzen.

Der große SprungDen ersten hatte und hat sie dank üppiger Förderungen durch den Staat (siehe die Energiewende in Deutschland). Der zweite Boom wird aber durch die Konkurrenzfähigkeit zu anderen Energieangeboten ausgelöst und ist nicht mehr auf staatlich sanktionierte Finanzhilfe angewiesen.

Etwas überrschand ist, dass den Trend ausgerechnet Kanzlerin Angela Merkel erkannt zu haben scheint. Erst gestern sagte sie bei einem Empfang des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) in Berlin, dass die Solarenergie gerade eine "Atempause" einlege. Sie spielte auf die schwachen Zubauzahlen bei Solarmodulen im vergangenen Jahr in Deutschland an – weltweit erreichten sie dagegen Rekordwerte. Von Branchenvertetern musste sie sich dafür viel Kritik gefallen lassen (und auch Spott, nachdem sie statt Kilowattstunde Kilokalorie sagte).

Dabei hatte die Kanzlerin völlig Recht: Die Solarenergie befindet sich gerade in einer Phase des Übergangs. Sie holt Luft, um zum großen Sprung anzusetzen.

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