Solarstrom: Toshiba will 150.000 Mieter mit Energie vom eigenen Dach versorgen

Solarstrom: Toshiba will 150.000 Mieter mit Energie vom eigenen Dach versorgen

von Benjamin Reuter

Bisher profitieren Mieter in Deutschland nicht von der Energiewende. Toshiba will nun Solaranlagen auf Mietshäuser setzen.

Klischees beinhalten immer auch einen Funken Wahrheit. So ist es auch bei der Energiewende und der Solarenergie. Besonders liberale und konservative Politiker entdeckten in den vergangenen Jahren ihre soziale Ader als sie über Zahnärzte und Anwälte wetterten, die sich Solaranlagen auf ihr Villendach schrauben würden. Die sozial benachteiligten Mieter in den Plattenbausiedlungen würden per EEG-Umlage dafür zahlen, hieß es.

Das ist natürlich völlig überspitzt, denn wie viele Zahnärzte und Anwälte in Deutschland tatsächlich zu Stromerzeugern geworden sind, weiß niemand. Was allerdings stimmt: Bisher können Mieter kaum Solarstrom vom eigenen Dach nutzen und von den gesunkenen Kosten der Solarenergie profitieren. Im Vergleich mit Elektrizität aus der Steckdose kostet der Sonnenstrom derzeit nur noch rund die Hälfte. Dennoch unternehmen die Stromanbieter bisher nur zaghafte Versuche, in diesen Markt einzusteigen. Vorreiter sind dabei die Ökostromer von Lichtblick und Naturstrom.

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Solaranlagen mit 100 Megawatt Leistung geplantNun drängt mit dem Grünstromwerk ein weiterer Ökoenergieversorger in das Feld – und hat durchaus das Potenzial, den Solarmarkt in Deutschland gehörig aufzumischen. Denn hinter dem Projekt steht der japanische Megakonzern Toshiba, der auch Solaranlagen und Gebäudetechnik herstellt.

Bis Ende 2016 will Toshiba Solaranlagen mit einer Leistung von 100 Megawatt auf den Dächern deutscher Mietshäuser errichten. Hochgerechnet könnten dann theoretisch rund 150.000 Mieter Solarstrom nutzen.

Unter dem Label Toshiba Mieterstrom haben das Grünstromwerk und die Japaner nun ihr Großprojekt in acht Städten und Gemeinden gestartet, unter anderem in Stuttgart, Nürnberg, Köln und Villingen-Schwenningen im Schwarzwald (siehe Aufmacherbild). Bislang wurden Solaranlagen mit einer Leistung von rund drei Megawatt auf den Dächern von Häusern des Immobilienkonzerns Gagfah installiert. Rund 5000 Mieter können so künftig einen Teil ihres Stromverbrauchs über die Produktion vom eigenen Dach decken.

Die Gagfah hat errechnet, dass rund die Hälfte der Dächer ihrer 40.000 Gebäude mit rund 150.000 Wohnungen auf Grund ihrer günstigen Ausrichtung zur Sonne für Fotovoltaik-Anlagen geeignet sind. Ohne statische Verbesserungen auf den Dächern oder größere Umbauten lassen sich bis zu 25 Prozent theoretisch sofort nutzen. Die Immobiliengesellschaft will mit den Kraftwerken auf dem Dach langfristig neue Geschäftszweige erschließen. Das Unternehmen verpachtet dafür seine Dachflächen an Toshiba und das Grünstromwerk.

Künftig auch Akkus im AngebotAllerdings steht es den Mietern der Gagfah frei, ob sie das Angebot annehmen. Sie können auch bei ihrem alten Stromanbieter bleiben und keinen Solarstrom vom Dach beziehen. Doch das Angebot von Toshiba ist durchaus attraktiv: Zwischen 24,75 Cent und 25,95 Cent zahlen die Mieter für die Kilowattstunde in Stuttgart und Villingen-Schwenningen. Die Monatspauschale liegt bei 7,95 Euro. Solarstrom, der nicht im eigenen Haus verbraucht wird, fließt in das öffentliche Stromnetz und wird über die EEG-Umlage vergütet. Fehlt Strom vom Dach, bekommen die Mieter wiederum Ökostrom aus der Steckdose.

Die EEG-Refom, die Anfang August in Kraft trat, berührt den ambitionierten Plan nicht, heißt es bei den Projektteilnehmern. Der Hintergrund: Bis August bekamen Mieter, die Solarstrom vom Dach nutzten, laut Gesetz einen Rabatt von zwei Cent pro Kilowattstunde auf die EEG-Umlage. Nun bezahlen sie die volle Umlage von 6,24 Cent, der Solarstrom vom Dach ist also teurer geworden.

Laut Grünstromwerk gibt es in Deutschland noch genug Gegenden, wo entweder die Strompreise oder die Netzentgelte sehr hoch seien – überall dort lohnten sich Solaranlagen auf Mietshäusern und der Eigenverbrauch in den Wohnungen.

Aber Toshiba will es nicht bei Solaranlagen belassen. Das Unternehmen will den Mietern bald auch Batterien anbieten, die den Sonnenstrom speichern und Smart-Home-Lösungen, die den Verbrauch in den Wohnungen auf die Produktion auf dem Dach abstimmen. Spätestens dann ist die Energiewende auch bei den Mietern angekommen.

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