SolarTurtle: Dieser Container löst drei afrikanische Probleme gleichzeitig

SolarTurtle: Dieser Container löst drei afrikanische Probleme gleichzeitig

In Afrika leben viele Menschen ohne Job und ohne Strom - ein Solar-Container könnte beides ändern.

Die Energiekrise ist deutlich spürbar in Südafrika, durch nationale Knappheit an Elektrizität kommt es immer wieder zu sogenannten Loadsheddings. Dabei schalten die Versorger die Elektrizität in ganzen Stadtteilen für einige Stunden einfach ab.

Es ist nur eines der Probleme des Landes. Der Klimawandel trifft es ebenso wie eine hohe Arbeitslosigkeit. Alle drei Probleme will James van der Walt angehen, und zwar mit einem Container. Als Maschinenbaustudent (Schwerpunkt in Erneuerbarer Energie) entwickelte er im Rahmen seiner Masterarbeit ein Solarprojekt, das den sinkenden Preis für Sonnenenergie ausnutzen und abgelegene Regionen versorgen sollte. Dazu entwickelte SolarTurtle, einen eigenwilligen Container voller Solarpanels und Akkus.

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Der grundlegende Gedanke dabei ist nicht neu, es gab bereits vorher verschiedene Versuche, mit Sonnenenergie das Elektrizitätsproblem in ländlichen Gegenden Südafrikas zu lösen. Durch hohe Kriminalität in diesen Gegenden wurden die Solarzellen seiner Vorgänger bei Nacht jedoch schnell gestohlen, diese immer wieder neu aufzustellen ist auf Dauer zu teuer.

Deshalb verschwinden die Panels bei van der Walts Aufbau über Nacht im einbruchssicheren Schiffscontainer - und werden am Morgen einfach wieder ausgefahren. Dieser Vorgang erinnert an eine Schildkröte, die ihren Panzer verlässt und gab der SolarTurtle ihren Namen.

Container sichern Frauen ein EinkommenDas zweite Problem, das van der Walt ausmachen konnte, betrifft die Besitzstruktur. Bisher zahlte der Staat die Solaraufbauten - danach gab es jedoch niemanden, der dafür zuständig war und sicherstellte, dass der Betrieb funktionierte.

Diese Herausforderung geht van der Walt an, indem er den Besitz der Solarpanels an Bewohner überträgt. Er entscheidet sich dabei ausschließlich für Frauen, da er diesen mehr Verantwortung für die örtliche Gemeinschaft zutraut und gleichzeitig eine Einkommensquelle schaffen möchte.

Das erste Pilotprojekt befindet sich seit Juni 2015 im Eastern Cape, der ärmsten Region Südafrikas und wird geleitet von Lungelwa Tyali, einer Businessfrau, die zuvor unter anderem Senior Vize-Präsidentin für die Kommunikationsabteilung eines großen Handyherstellers war.

Batterie-Ladestation im Container, 16 Solarpanels daraufIm Inneren des Containers betreibt sie einen Shop, in dem Batterie-Ladestationen für Kleingeräte wie Handys und Laptops erhältlich sind - van der Walts Versorgungsunternehmen Ugesi Gold arbeitet hier mit dem südafrikanischen Startup Kaya Energies zusammen. Der erste Shop befindet sich neben der Ngangol-Wandle Highschool und ermöglicht 2500 Schülern täglich den Zugang zu Elektrizität und schafft damit adäquate Lernverhältnisse.

Der Pilotaufbau beherbergt 16 300-Watt-Panels und einen Satz Lithium-Batterien, so dass der Container theoretisch bis zu 8,5 Kilowatt leisten könnte. Wahrscheinlicher ist, dass die Akkus im täglichen Einsatz eher die schwankende Einspeisung der Fotovoltaikanlage ausgleichen.

Anfang März wurde in Gauteng nun ein zweites Projekt der SolarTurtle gelauncht. Die Solarpanels dienen dabei als Generator in einer Township-Schule und unterstützen die von der Regierung geförderte ICT-Lernmethode, bei der Schulbücher durch Computer ersetzt werden.

Nun sucht van der Walt nach Geldgebern - etwa mit einer Crowdfundingkampagne. Auch andere afrikanische Länder sind auf den bisherigen Erfolg aufmerksam geworden, van der verhandelt auch mit Nigeria, Namibia, Kenia oder Botswana. Gut möglich also, dass man in Afrika die grünen Kisten bald häufiger sieht.

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