Solarwatt: Mit neuem Stromspeicher vom Insolvenzfall zum "Tesla aus Dresden"

Solarwatt: Mit neuem Stromspeicher vom Insolvenzfall zum "Tesla aus Dresden"

von Peter Vollmer

Das zuletzt arg gebeutelte Unternehmen greift nun Tesla an.

Als Tesla unlängst bekannt gab, einen Stromspeicher entwickelt zu haben, der preislich auch für Privathaushalte interessant wird, war das deutsche Publikum begeistert. Denn die Speicher könnten dafür sorgen, dass Solaranlagen auch ohne Subventionen oder zumindest garantierte Vergütungen rentabel bleiben. Der Gedanke, autark zu sein, wirkt anziehend auf Anlagenbesitzer.

Nun will Solarwatt aus Dresden noch schneller sein: „Derzeit gibt es kein anderes Speichersystem für Solaranlagen, das wirtschaftlicher oder technologisch besser als unseres ist“, meint Unternehmenschef Detlef Neuhaus selbstbewusst. Und begeistert mit der Präsentation zurzeit nicht nur die Medien.

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Das Unternehmen will mit dem Speicher den Verkauf seiner Solaranlagen ankurbeln. Mindestens 4,4 Kilowattstunden hält die Batterie an sonnigen Tagen vor, um etwa nachts den Kühlschrank mit Strom zu versorgen.

Technisch gut, dramaturgisch perfektDie Anlage ist leicht, unterstützt Smart Homes und soll nach zehn Jahren rentabel sein. Ein Installateur reicht für die Anbringung. 93 Prozent Wirkungsgrad soll die Anlage erreichen, hohe Kompatibilität aufweisen: Technisch könnte „MyReserve“, so der Name, Tesla tatsächlich ein Schnippchen schlagen.

Dass Solarwatt so begeistert, liegt aber auch an der Firmengeschichte: Das Unternehmen kommt aus der Boomzeit der deutschen Photovoltaik, der Umsatz sackte aber während der Solarkrise vor drei Jahren um 80 Prozent ab. Zahlreiche Entlassungen folgten. Ohne den BMW-Erben Stefan Quandt wäre Solarwatt wohl schon Geschichte: Ende 2012 übernahm dieser 90 Prozent der Unternehmensanteile. Nun soll also das Comeback folgen.

Ein weiterer Vater des ersehnten Erfolges könnte Detlef Neuhaus werden. Der Geschäftsführer ist nicht nur schlagfertig, sondern hat auch ein Händchen für Präsentationen. Die fallen noch nicht so episch aus, wie bei Elon Musk, dafür hat Neuhaus neuerdings den verwegeneren Look. Der Vergleich zwischen den beiden hinkt ohnehin: Neuhaus ist seit 2010 im Vorstand von Solarwatt und hat sich seitdem weniger mit Visionen, mehr durch Optimismus hervorgetan.

BMW auf dem Weg in den E-MarktDie Vision kommt möglicherweise von BMW-Erbe Quandt, der die Fusion von Auto und Batterie im Hause Tesla genau beobachtet haben dürfte. Die Elektromarke BMW i kann sich, was den Bekanntheitsgrad angeht, kaum mit Tesla messen – die Marke BMW allerdings schon, sollten die Münchener bald im größeren Rahmen auf E-Mobilität setzen. Dachanlagen und Carports bieten BMW i und Solarwatt bereits in Kooperation an.

Druck kommt auch von der deutschen Konkurrenz: Mercedes wird wohl im September ebenfalls einen Speicher auf den Markt bringen.

Quandt und Neuhaus dürfte es auch ein persönliches Anliegen sein, Musk zumindest auf dem deutschen Markt zu überflügeln. Quandts unternehmerische Leistung wurde in der Vergangenheit schon mal infrage gestellt, Neuhaus durchlebte zuletzt die schwärzeste Phase in 22 Jahren Solarwatt. Mittelfristig peilt Neuhaus mit dem Speicher bis zu 25 Prozent Marktanteil an.

Entscheiden wird das der Markt. Und wie der reagiert, hängt auch von den Strompreisen und der Politik ab. Derzeit sind Solaranlagen mit Batterie kaum rentabler als ohne. Eine „Revolution“ ruft Neuhaus deshalb – anders als Musk – nicht aus. Dem Manager Magazin sagte er dazu: „Wir möchten ja halten, was wir versprechen.“

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