Solarzellen als Teppich: Ein transportables Kraftwerk für Notfälle

Solarzellen als Teppich: Ein transportables Kraftwerk für Notfälle

von Robyn Schmidt

Das RollArray ist ein riesiger Teppich aus flexiblen Solarzellen. Er soll bei der Katastrophenhilfe zum Einsatz kommen.

Für über 30 Millionen Euro hat das Auktionshaus Sotheby's im Jahr 2013 in New York den teuersten Teppich der Welt versteigert. Er stammt aus der Kerman Provinz in Persien, wo er im 17. Jahrhundert geknüpft wurde. Jetzt hängt er vermutlich beim anonymen Bieter an der Wand herum. Hätte er sein Geld in einen RollArray von Renovagen gesteckt, er hätte noch rund 29,9 Millionen Euro übrig und den praktischeren Teppich bekommen.

Der RollArray besteht nämlich nicht aus Wolle sondern aus einer Reihe flexibler Solarpanels, die man wie einen Teppich ausrollen kann. Nun sind rollbare Solarmatten keine ganz große Neuheit, bisher gab es sie allerdings hauptsächlich im kleineren Stil. Eine aktuelle Version des RollArray dagegen ist 50 Meter lang und zwei Meter breit - damit schafft er eine Leistung von 18 Kilowatt.

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Zukünftige Ausführungen könnten ohne weiteres zehnmal so groß sein und eine Leistung von 100 bis 200 Kilowatt haben. Die Effizienz sei dabei ähnlich hoch wie bei klassischen Solarsystemen für Hausdächer, die Einsatzmöglichkeiten natürlich deutlich flexibler.

Der Solar-Teppich ist in einer Stahlbox aufgerollt, die man als Anhänger an seinem Auto befestigen oder an einen Helikopter hängen kann. In dem Stahlgehäuse stecken zudem Lithiumbatterien mit einer Speicherkapazität von 53 Kilowattstunden. Die Panels sind sogenannte CIGS-Solarzellen, die auf dem Werkstoff Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid basieren. Eine unterstützende Beschichtung sorgt dafür, dass die Matte beim Ausrollen keine Schäden abbekommt. Ob die Fläche, wo man das RollArray ausbreitet, eben ist oder nicht, ist egal. Bei starkem Wind kann man es am Boden befestigen.

Für die Katastrophenhilfe und das Militär

Das Ausrollen dauert nur wenige Minuten und braucht nicht mehr als zwei Leute. Entweder man befestigt das Ende der Rolle an der Kupplung eines Autos oder man zieht sie per Hand aus. Die Verkabelung ist in den Teppich eingearbeitet und schon angeschlossen, sodass man nach dem Ausbreiten manuell nichts mehr verbinden muss. Eine motorisierte Spule hilft beim Einrollen.

Der RollArray Erfinder John Hingley sieht zwei Hauptanwendungsbereiche für den Teppich: Die Katastrophenhilfe und das Militär. Für ersteres nennt er als Beispiel die Philippinen. 2013 hat ein schwerer Taifun den Inselstaat getroffen und die Stadt Tacloban City vom Netz abgeschnitten. Krankenhäuser hatten zwar Dieselgeneratoren, aber kein Diesel, um diese anzutreiben. Der Teppich hätte hier geholfen, glaubt Hingley. "Wenn wir ihn direkt nach der Katastrophe dort hätten hinbringen können, hätte er die komplette Krankenhaus-Ausstattung mit Strom versorgen können."

Beim Militär könnte man den Solar-Teppich in abgelegenen Basen nutzen, in die Treibstoff normalerweise eingeflogen werden muss. Diese Treibstoffkonvois zu schützen koste Leben und Geld, so Hingley. Mit dem RollArray könne man das vermeiden. Andere Anwendungsgebiete sind Bergwerkanlagen und Events wie beispielsweise Festivals.

Start in vier MonatenDie Idee für das RollArray kam Hingley, als er in den Bergen von Nepal unterwegs war. In seinem Rucksack hatte er ein kleines, ausrollbares Solarpanel dabei, mit dem er sein Handy und seinen Laptop laden konnte. Das, so dachte er sich, müsse man doch auch in groß machen können. Drei Jahre nach seiner Rückkehr aus Nepal hat er das RollArray entwickelt.

Speziell dafür hat er 2012 das Unternehmen Renovagen gegründet. Bisher hat Renovagen Bestellungen für drei Prototypen des Solar-Teppichs bekommen. Diese Versionen kosten zwischen 65.000 und 140.000 Euro. Der Preis werde allerdings fallen, glaubt Hingley, sobald das Unternehmen größer ist und die Preise für Solar- und Batteriekomponenten fallen. In vier Monaten soll das RollArray seine Zulassung bekommen, sodass es an den Markt gehen kann. Dann hofft Renovagen den Teppich vor allem in Ländern wie den USA, Kanada, Chile und dem Mittleren Osten zu verkaufen.

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