Sonnenenergie für Haiti: Batterie-Container ermöglicht sichere Versorgung

Sonnenenergie für Haiti: Batterie-Container ermöglicht sichere Versorgung

von Nora Marie Zaremba

Dank eines Batterie-Containers bezieht ein Krankenhaus in Haiti durchgehend Strom - und stellt den Diesel-Generator ab.

Haiti gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. 80 Prozent der knapp zehn Millionen Einwohner leben unter der Armutsgrenze. Nach dem verheerenden Erdbeben 2010 und dem Hurrikan 2013 sind weite Teile des Karibikstaates immer noch zerstört und ohne Strom.

Wenn doch Strom vorhanden ist, stammt er fast ausschließlich aus Schweröl-Kraftwerken und Diesel-Generatoren. Die hängen von teuren Erdölimporten ab und können daher keine sichere Versorgung garantieren.

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Für das Albert-Schweitzer-Hospital im Ort Deschapelles, nördlich der Hauptstadt Porte-au-Prince gelegen, war das eine fatale Situation. So führten Stromunterbrechungen nicht selten zu technischen Defekten der Geräte und gefährdeten Menschenleben. Die Kosten für Diesel beliefen sich jährlich auf umgerechnet knapp 400.000 Euro. Zudem verursachten die Generatoren 800 Tonnen CO2 im Jahr – etwa so viel wie 200 Transatlantik-Flüge. Doch damit ist Schluss. Das Krankenhaus wurde vor rund einem Jahr mit einer Solaranlage ausgestattet. Diese bringt derzeit rund 200.000 Kilowattstunden (KWh) Strom im Jahr.

Intelligente Batterie sichert VersorgungVerlässlich mit sauberem Strom versorgt wird die Einrichtung aber erst, weil nun eine Batterie aus Deutschland überschüssige Sonnenenergie speichert. Diese wird immer dann ins Netz abgegeben, wenn es zu Versorgungslücken kommt. Die Batterie stimmt zudem Angebot und Nachfrage intelligent aufeinander ab. Kommt es zum Netzausfall, fährt die Batterie die Versorgung eigenständig hoch.

Entwickelt wurde die Batterie vom Berliner Start-up Qinous – der Name bedeutet so viel wie intelligente Energie. Die beiden Gründer Steffen Heinrich und Busso von Bismarck waren vorher bei Younicos tätig, ebenfalls ein Berliner Batteriehersteller, doch spezialisiert auf größere Lösungen. Heinrich und Busso aber teilten die Vision, kleinere Speicher zu entwickeln, die dann PV- oder Windprojekte in netzfernen Regionen unterstützen sollten. Mit der Gründung von Qinous vor rund zwei Jahren nahmen sie das Vorhaben selbst in die Hand. Ergänzt wird das Team durch George Hanna, der vorher in der Solarabteilung von Bosch tätig war.

Den Kontakt zwischen Qinous und dem PV-Projekt in Deschapelles stellte der Verein Ingenieure ohne Grenzen her. Entwicklungshilfe zu leisten war für Qinous dabei aber nicht das entscheidende Motiv. „Wir wollen eine saubere und von fossilen Brennstoffen unabhängige Energieversorgung auf der ganzen Welt vorantreiben“, sagt Steffen Heinrich, Technischer Geschäftsführer bei Qinous.

So hat das Unternehmen nicht nur Kunden in Afrika und Südostasien, sondern auch in Deutschland. Im sonnenreichen Haiti ist das Potential für saubere Energie allerdings deutlich höher. Sogar während der Regenzeit scheint die Sonne rund 9 Stunden am Tag.

In einem Schiffscontainer wurde die drei Meter hohe und zwei Meter lange Batterie-Box nach Haiti verfrachtet. Nun steht sie sichtbar gut neben dem Hospital. Vor der Inbetriebnahme wurde das Personal des Krankenhauses entsprechend geschult. „Das System ist leicht bedienbar“, verspricht Heinrich.

Diesel-Generatoren nur für den NotfallEin spezielles Monitoring-System analysiert kontinuierlich die Leistung der Anlage und soll so eine reibungslose Versorgung sichern. Sollte es dennoch zu Problemen kommen, hilft das Qinous-Team weiter. Zuerst von Deutschland aus. Sonst auch vor Ort. Durch das PV-Batterie-Projekt können nun die Diesel-Generatoren am Tag abgeschaltet und so etwa die Hälfte an fossilen Brennstoffen eingespart werden. Bereits im kommenden Jahr werden eine größere PV-Anlage und weitere Batterien installiert. Die Diesel-Generatoren sollen dann höchstens als letzte Absicherung bestehen bleiben.

Rund 200.000 Euro kostete die Batterie für die PV-Anlage an der Albert-Schweitzer-Schule. Noch können die Kosten von Projekt zu Projekt variieren, da die Komponenten jeder einzelnen Batterie noch verhältnismäßig teuer sind. „Da wir kontinuierlich die Technologie weiter entwickeln und mehr Batterien produzieren wollen, werden auch die Kosten für die Batterie sinken“, sagt Heinrich. Das Ziel von Qinous ist es ist, standardisierte Batterie-Container zu Einheitspreisen verkaufen.

Eine weitere Qinous-Batterie sichert demnächst auch die Stromversorgung eines Kinderkrankenhauses und eines Sozialcampus im haitianischen Ort Tabbarre ab. Beide Gebäude werden durch eine 500 kW-PV-Anlage, die vom Kinderhilfswerk nph-deutschland gesponsert wurde. Das PV-Batterie-System soll dann zu Ausbildungs- und Demonstrationszwecken für Solarenergie genutzt werden.

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