Sonnenenergie: Sinkende Kosten treiben weltweiten Solarboom an

Sonnenenergie: Sinkende Kosten treiben weltweiten Solarboom an

von Benjamin Reuter

Bisher ist es die politische Förderung, die für den Ausbau bei der Sonnenenergie sorgt. Doch das ändert sich demnächst.

Wer nach euphorischen Vorhersagen zur Entwicklung der Solarenergie sucht, findet sie derzeit nicht unbedingt bei Organisationen wie dem Bundesverband Solarwirtschaft oder Eurosolar, sondern in der US-Investmentabteilung der Deutschen Bank. Dort sitzt mit dem Analysten Vishal Shah einer der besten Kenner der weltweiten Solarindustrie – und Shah ist überzeugt, dass der Solarenergie eine überaus sonnige Zukunft bevorsteht.

Warum das so ist, haben Shah und seine Mitarbeiter jetzt in einem Report aufgeschrieben (alle Details bei den Bloggern von Reneweconomy). Über den Preissturz bei Solarstrom und seine Gründe haben auch wir bei WiWo Green schon an verschiedener Stelle berichtet (unter anderem hier, hier und hier).

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Im Report der Deutschen Bank sind aber noch einige weitere Gründe aufgeführt, die für einen Schub bei der Solarenergie sorgen. Das sind die wichtigsten:

- Derzeit hat die Solarenergie nur einen Anteil von einem Prozent am weltweiten Elektrizitätsmarkt, der pro Jahr zwei Billionen Dollar umsetzt. Der Anteil soll bis 2030 auf zehn Prozent anwachsen. 2050 wird der Marktanteil bei 30 Prozent liegen.

- Warum das so ist? Innerhalb der nächsten drei Jahre wird die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen zum wichtigsten Treiber für den Ausbau der Energiequelle, derzeit sind es noch staatliche Förderinstrumente wie zum Beispiel festgesetzte Einspeisetarife für den Solarstrom.

- Dazu tragen vor allem die Kostensenkungen beim Solarstrom bei. In acht von zehn Ländern weltweit wird Sonnenenergie schon bald günstiger sein als Strom aus dem öffentlichen Netz. Lokale Erzeugung von Sonnenstrom und sein Verbrauch lohnen sich deshalb immer mehr. Hinzu kommt ein Preisverfall bei Stromspeichern, der es attraktiver macht, Solarstrom selbst zu nutzen.

- Für weitere Kostenreduktion sorgen vor allem Senkungen bei den weichen Kosten, also zum Beispiel Kredite für die Anlagen und bei den Ausgaben für die Installation.

- In vielen Märkten ziehen große Solaranlagen bei den Kosten mit herkömmlichen Kraftwerken gleich. So können Solarfelder heute schon bei den Strompreisen teilweise mit neuen Kohle- oder Gaskraftwerken mithalten.

- Die Zentren des Solarbooms sieht die Deutsche Bank in den kommenden Jahren vor allem in China, Indien, dem Mittleren Osten, Südamerika und Südafrika. Dort wo die Sonneneinstrahlung besonders hoch ist, amortisieren sich die Anlagen besonders schnell. So entsteht demnächst in Dubai ein Soalrfeld, das Strom für vier bis fünf Eurocent pro Kilowattstunde liefert.

Veränderter MarktInteressant vor dem Hintergrund der Analyse der Deutschen Bank ist, dass in Deutschland - dem Mutterland des Solarbooms - derzeit Ernüchterung herrscht, was den Zubau von neuen Solaranlagen angeht. Der liegt deutlich unter den Werten, die die Bundesregierung vorgesehen hat. Die Solarverbände machen dafür vor allem die sinkende Einspeisevergütung verantwortlich.

Das stimmt aber nur teilweise, denn Solaranlagen lohnen sich auch mit sinkenden Vergütungen noch. Allerdings sind die Renditen im Vergleich mit den einstmals üppigen Einspeisetarifen deutlich gesunken – einen wirklichen Vorteil haben heute vor allem Verbraucher, die den Sonnenstrom selbst nutzen.

Da das aber meist aufwendiger ist, als sich einfach eine Anlage auf's Dach schrauben zu lassen und in das Stromnetz einzuspeisen, sinken die Installationszahlen. Außerdem scheinen viele Verbraucher (auch aus dem Gewerbebereich) verunsichert, ob sich eine Solaranlage überhaupt noch lohnt.

Wenn die Kunden begreifen, dass dies noch immer der Fall ist - nur eben anders als früher - werden die Zubauzahlen auch in Deutschland wieder steigen.

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