Sorgenfrei tanken: Unternehmen will CO2 in Benzin umwandeln

Sorgenfrei tanken: Unternehmen will CO2 in Benzin umwandeln

von Wolfgang Kempkens

Die Technik des Startups Climeworks soll CO2 aus der Luft saugen und zu Kraftstoff machen. Partner Audi ist begeistert.

Jan Wurzbacher und Christoph Gebald haben eine Vision. Sie wollen Diesel, Benzin und Kerosin mit Solarenergie und Kohlendioxid (CO2) herstellen. Das soll auch dann noch funktionieren, wenn es keine fossilen Kraftwerke mehr gibt - heute die größten Emittenten des Klimagases CO2.

So würde CO2, der Klimakiller Nummer eins, zum Fundament für die Treibstoffe der Zukunft.

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Filter zieht CO2 aus der LuftDafür haben die Gründer des Unternehmens Climeworks, einem Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, eine Art Sauger  entwickelt, mit dem sie CO2 aus der Luft auffangen. Er besteht aus einem grauen Kasten und einem Filter, der CO2 an sich bindet, so wie ein Schwamm Wasser aufsaugt. Die übrigen Bestandteile der Luft passieren das Material einfach, ohne beeinträchtigt zu werden. Woraus das Material des Filters besteht, verraten die Climeworks-Chefs nicht.

Wenn der CO2-Schwamm voll ist, wird er gewissermaßen ausgequetscht. Dazu muss er auf 90 bis 100 Grad Celsius erwärmt werden. Das soll in Zukunft die Sonne übernehmen. Um den für die Stromgewinnung nötigen Wasserstoff (H2) zu produzieren, haben die beiden Entwickler Solar- und Windkraftwerke im Visier.

Wie bei anderen Power-to-Gas-Verfahren wird aus CO2 und H2 mit Hilfe eines Katalysators und Wärme, die ebenfalls die Sonne liefern soll, Synthesegas, also ein Gemisch aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Daraus soll beispielsweise mit dem seit mehr als 100 Jahren bekannten Fischer-Tropsch-Verfahren Treibstoff gewonnen werden.

Müllverbrennungsanlagenkönnten Wärme liefernIhren CO2-Staubsauger haben die Climeworker und ihre Mitarbeiter nach mehrjähriger Arbeit fertig. Der Prototyp produziert pro Tag rund vier Kilogramm hochreines CO2. Wirtschaftlich ist das noch nicht, geben die Entwickler zu, vor allem weil das Erwärmen des „Schwamms“ viel Energie verbraucht.

Weil die Schweiz nicht gerade von der Sonne verwöhnt wird, suchen die Climeworker nach anderen Wärmequellen. Sie denken etwa daran, Müllverbrennungsanlagen anzuzapfen, von denen einige Abfallwärme auf dem benötigten Temperaturniveau emittieren.

Ehe die Treibstoffproduktion funktioniert, werden noch Jahre vergehen. Bis dahin wollen sie ihre CO2-Produktionsanlagen, die künftig modular aufgebaut werden, anderweitig nutzen, etwa zur Anreicherung der Luft in Treibhäusern mit CO2. Denn das verbessert das Pflanzenwachstum um bis zu 30 Prozent.

Derzeit stammt das Kohlendioxid aus natürlichen Quellen, vereinzelt auch aus Luftzerlegungsanlagen, die sehr viel Energie verbrauchen, weil die Luft auf sechs Bar verdichtet werden muss. Das entspricht etwa dem Doppelten an Druck in einem Autoreifen. Zudem muss sie auf fast 200 Grad unter Null abgekühlt werden - wirtschaftlich eine große Herausforderung.

Audi nimmt den CO2-Filter in BetriebDie Produktion von CO2 für Treibhäuser ist energetisch vorteilhaft, rechnen Wurzbacher und Gebald vor. Pro Tonne verbraucht die Anlage rund 2.000 Kilowattstunden Wärmeenergie. Wenn diese Menge, wie heute üblich, durch Verbrennen von Erdgas produziert wird, sind rund 5.500 Kilowattstunden nötig.

Würde ihr Sauger in Massen hergestellt, könnte er so billig werden, dass sich die Produktion nicht nur aus energetischen Gründen lohnt, sondern auch wirtschaftlich ist, glauben sie.

Der Autobauer Audi hat das Potenzial von Climeworks bereits erkannt. Im niedersächsischen Werlte soll 2015 das weltweit erste Industriemodul ihres CO2-Filters in einer Anlage zur Produktion von synthetischem Treibstoff in Betrieb gehen.

Audi betrachte die Climeworks-Technologie sogar "als den wahrscheinlich wichtigsten Baustein im Rahmen seiner Synthetische-Treibstoffe-Strategie mit einem geschlossenen CO2-Kreislauf", sagte Hagen Seifert vom Automobilkonzern kürzlich am Rande einer Veranstaltung.

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