Sparmaßnahme: Schwabe heizt sein Haus mit Wärme aus dem Abwasserkanal

Sparmaßnahme: Schwabe heizt sein Haus mit Wärme aus dem Abwasserkanal

von Wolfgang Kempkens

Seine steigende Heizrechnung brachte Siegfried Müller auf eine Idee: Warum nicht mit Wärme aus dem Abwasserkanal heizen?

Es gibt viele Möglichkeiten, sein Haus zu heizen: Mit Gas oder Öl, mit Erdwärme oder sogar Solarkraft. Abwasserkanäle haben für diesen Zweck aber die wenigsten auf der Rechnung. Dabei liegt die Temperatur in den Rohren zwischen vier und 13 Grad Celsius. Meist sind es mehr.

Heißes Duschwasser läuft hinein, warmes Wasser aus der Badewanne und kochendes aus Töpfen - dazu noch die Abwässer aus Wasch- und Spülmaschinen.

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Diese Wärme ungenutzt zu lassen, ist eine ziemliche Verschwendung. Das jedenfalls dachte sich Siegfried Müller aus dem Dörfchen Steinhausen an der Rottum in Oberschwaben vor acht Jahren. Er wollte die Wärme verwenden, um sein 300-Quadratmeter-Haus zu beheizen. Innerhalb von wenigen  Tagen bekam er die Genehmigung, das Abwasserrohr anzubohren und die warme Luft oberhalb der Brühe abzusaugen.

Weil die Temperatur der Luft aus dem Kanal aber nicht für ein warmes Haus reicht, hievt Müller die Temperatur mit einer handelsüblichen Wärmepumpe auf ein höheres Niveau. An Heizkosten fällt nur noch der Strom an, den die Pumpe schluckt. Für die Kilowattstunde Wärmeenergie zahlt Müller etwa sechs Cent. Das ist günstiger als Heizen mit Erdgas.

Unangenehme Gerüche gebe es nicht, sagt Müller, der Geräte für Bau und Logistik vertreibt (hier ein ausführliches Interview mit ihm). Im Keller, wo seine Anlage steht, rieche es allenfalls mal nach Seife.

Müller könnte auch mit einer Wärmepumpe heizen, die Wärme aus der Erde nutzt. Diese brauchen jedoch sehr viel mehr Strom, weil die verfügbaren Temperaturen bei allenfalls zehn Grad liegen.

Abwasserheizung Vorbild für andere Haushalte?Müller ist überzeugt, dass sein System massentauglich ist. Allerdings wäre die Zahl der Nutzer für ein einzelnes Abwasserrohr beschränkt.

Dass die Idee trotzdem Potenzial für mehr hat, glauben auch Unternehmer wie Mark Biesalski,Geschäftsführer der Uhrig Kanaltechnik, einem Unternehmen aus Geisingen, nordwestlich des Bodensees. Das Unternehmen hat sich auf die Wärmegewinnung aus Abwasser spezialisiert.

„Mit dieser Technik könnte theoretisch jedes dritte Gebäude in Deutschland mit Heizenergie versorgt werden“, sagt Biesalski.

Uhrig hat bisher zahlreichen, auch größeren Gebäuden auf diese Weise eine neue, umweltverträgliche Form der Beheizung installiert: „Der Élysée-Palast in Paris wird mit Abwasserenergie beheizt, ebenso Teile des Neubaus des Bundesumweltministeriums“, erklärt Biesalski. Ebenso sei diese Form der Energiegewinnung in Wohngebieten in Hamburg und München zu finden.

Im Mini-Maßstab wie bei Siegfried Müller haben es bisher allerdings noch wenige versucht.

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