Sportmesse Ispo: Gore verdammt die Chemie aus Regenjacken

Sportmesse Ispo: Gore verdammt die Chemie aus Regenjacken

, aktualisiert 06. Februar 2017, 09:00 Uhr
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Das US-Familienunternehmen stellt Jacken und Schuhe nicht selbst her, liefert aber die Stoffe, die Marken wie Mammut, North Face oder Adidas verwenden.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Der Druck von Greenpeace hat Wirkung gezeigt: Der US-Konzern Gore will in den nächsten sechs Jahren umweltfreundliche Allwetterausrüstung entwickeln. Das könnte Signalwirkung für die gesamte Outdoor-Branche haben.

Grüne Wiesen im strahlenden Sonnenschein, tiefblaue Seen vor schneebedeckten Bergen – so sehen die Landschaften aus, in denen die Outdoor-Branche ihre Reklamefotos schießt. Doch der Eindruck der heilen Outdoor-Welt ist in den Augen der Kritiker falsch. Die Allwetterausrüstung der Anbieter ist aus ihrer Sicht alles andere als grün. Seit Jahren wirft Greenpeace den Marken vor, zu viele umweltschädliche Chemikalien in der Kleidung einzusetzen.

Der öffentlichkeitswirksame Protest von Greenpeace zahlt sich jetzt aus: Gore hat sich verpflichtet, bis Ende 2023 auf Schadstoffe in Outdoor-Kleidung komplett zu verzichten. Das verkündete das US-Unternehmen an diesem Montag. Greenpeace wird über die Details der Übereinkunft mit Gore auf der Ispo berichten, der weltgrößten Sportmesse in München.

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Die Aktivisten feiern die Selbstverpflichtung von Gore als großen Erfolg: „Dieses Signal wird zu einem Wandel im Chemikalieneinsatz der gesamten Outdoor-Industrie führen“. Konkret geht es um per- und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFC. Die Stoffe werden bisher eingesetzt, damit Jacken und Schuhe dauerhaft Schmutz und Wasser abweisen.

Für die Menschen in Produktionsländern wie China oder Indonesien ist PFC laut Greenpeace jedoch eine Gefahr, weil die Chemikalien über das Abwasser in die Umwelt gelangen können. Dazu kommt: Selbst wenn die Käufer nicht unmittelbar krank werden, so seien die Stoffe auch ihrer Gesundheit nicht dienlich.

Nachhaltige Unternehmen in der Outdoorbranche

  • Zur Umfrage

    Jedes Jahr untersuchen die Marktforscher von Facit Research zusammen mit der Werbeagentur Serviceplan und der WirtschaftsWoche, wie die Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit bei den Verbrauchern abschneiden. Dazu haben die Experten dieses Mal 9800 Personen online zu 105 Marken befragt. Die Ergebnisse werden im Sustainability Image Score (SIS) angegeben.

  • Platz 7

    SIS 2016Unternehmen
    69,2NorthFace

  • Platz 6

    SIS 2016Unternehmen
    70,7Jack Wolfskin

  • Platz 5

    SIS 2016Unternehmen
    71,2Mammut

  • Platz 4

    SIS 2016Unternehmen
    72,4Salewa

  • Platz 3

    SIS 2016Unternehmen
    73,5Vaude

  • Platz 2

    SIS 2016Unternehmen
    73,7Schöffel

  • Platz 1

    SIS 2016Unternehmen
    75,2Patagonia

In monatelangen Verhandlungen haben sich Gore und Greenpeace darauf verständigt, welche PFCs ökologisch bedenklich sind. Für sie will das Familienunternehmen nun Ersatzstoffe suchen. „Wir haben noch längst nicht alle Lösungen an der Hand“, sagte Bernhard Kiehl, Leiter des Nachhaltigkeitsprogramms von Gore Fabrics, dem Handelsblatt. Gore Fabrics ist die Textilsparte der Firma. Es sei ein durchaus ehrgeiziges Ziel, in den Imprägnierungen und bei den Membranen ohne die PFCs auszukommen.

Anfang vergangenen Jahres hatte Greenpeace eine ganze Reihe von Jacken, Hosen, Schuhen und Schlafsäcken verschiedener Marken auf PFC untersucht. Das Ergebnis: Nur in vier von 40 Artikeln wurde kein PFC festgestellt. Das sorgte weltweit für Schlagzeilen. Daraufhin hatte Gore sein Produktportfolio schon um einige Imprägnierungen erweitert, die zwar nach wie vor wasserabweisend sind, aber eben ohne PFC auskommen.


Gore spielt eine entscheidende Rolle für den Umweltschutz

Doch diese Jacken sind weder fürs Hochgebirge geeignet, noch für den täglichen Einsatz auf dem Weg ins Büro. Die Kleider sind eher empfindlich und zudem noch teuer. Nun will die Firma verstärkt nach Lösungen für alle Anwendungsbereiche forschen. „Wir setzen uns selbst massiv unter Druck“, betonte Gore-Manager Kiehl.

Gore stellt Jacken und Schuhe nicht selbst her, liefert aber die Stoffe, die Marken wie Mammut, North Face oder Adidas verwenden. Daher spielt der Konzern eine entscheidende Rolle, wenn es um Umweltschutz in der Branche geht.

Outdoormode Was Salewa besser als Jack Wolfskin macht

Die Outdoorbranche klagt nach vielen Jahren mit zweistelligen Umsatzzuwächsen über maue Geschäfte. Dabei lohnt ein genauerer Blick: Tatsächlich entwickeln sich einzelne Marken prächtig – weil sie langfristig denken.

Outdoorbranche: Einzelne Marken wie Salewa entwickeln sich prächtig. Quelle: Fritz Beck für WirtschaftsWoche

Es hat seinen Grund, dass Gore und die Sportmarken bisher trotz aller Kritik an der Chemie festgehalten haben. Die Labels setzen die PFC-Imprägnierung in Produkten ein, die im hochalpinen Bereich oder auf Expeditionen zum Einsatz kommen und für die die schützenden Eigenschaften unabdingbar sind. Bislang gibt es keine sauberen Stoffe, die genauso atmungsaktiv sind wie die bestehenden Materialien und mit denen die Kunden selbst im Schneesturm hoch oben auf den Gipfeln trocken bleiben.

Das will Gore nun ändern. „Greenpeace begrüßt diesen Schritt als echte Weichenstellung für die Outdoor-Industrie“, unterstrich Chiara Campione, die Leiterin der sogenannten Detox-Kampagne der Organisation. Die Outdoor-Marken nutzen Gore-Tex zwar nur in einem begrenzten Teil ihrer Kollektionen, weil das Material vergleichsweise teuer ist. Aber die Umweltschützer hoffen, dass alle anderen, meist günstigeren, Stoffanbieter mit der Zeit nachziehen.

Bis es so weit ist, hat Greenpeace einen Rat für alle Konsumenten: Es muss nicht immer die Hightech-Jacke sein, wenn der Weg nur mit dem Hund durch den Park führt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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