Stadt-Stromer aus Wolfsburg: Der VW e-up! im Test

Stadt-Stromer aus Wolfsburg: Der VW e-up! im Test

von Christian Sauer

VW hat sich Zeit gelassen mit Elektroautos. Mit dem e-up! können Kunden jetzt einen reinen E-Kleinwagen der Wolfsburger kaufen.

Christian Sauer arbeitet für griin.de, das Blog zur nachhaltigen Mobilität, und schreibt regelmäßig für WiWo Green. Hier ist sein Fahrbericht des VW e-up!, der seit Jahresbeginn beim Händler steht.

Sechs Jahre bleibt Deutschland noch Zeit, um die politische Wunschmarke zu erreichen: Eine Million Elektroautos sollen nach Wunsch der Bundesregierung bis 2020 auf den Straßen rollen. Inzwischen wirkt das Ziel beinahe unerreichbar. Erst Anfang des Jahres schloss Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt Kaufprämien aus.

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Dafür sollen andere Privilegien wie etwa die Benutzung von Busspuren weitere Anreize schaffen. Ein wichtiger Baustein wird der Ausbau des Schnell-Ladenetzes sein, wie es Tesla vormacht. Doch selbst wenn zum Model S demnächst noch günstigere Modelle kommen, werden deren Verkaufszahlen wohl relativ überschaubar bleiben. Nach dem Smart Electric Drive werden Modellen wie dem BMW i3, sowie der hierzulande noch nicht erhältlichen Mercedes B-Klasse Electric Drive bessere Chancen prognostiziert.

Allein: Bislang sind alle deutschen Stromer etwas für Besserverdienende – und die ausländische Konkurrenz hat einen Vorsprung. Renault Zoe, Nissan Leaf & Co. tragen einen großen Anteil an den rund 7.000 Fahrzeugen mit reinem Elektro- oder Plug-In-Antrieb, die 2013 laut Kraftfahrt-Bundesamt zugelassen wurden – von allen neuen PKW waren das aber noch weniger als 0,25 Prozent.

Kaum Unterschiede zum Verbrenner

Die deutschen Autobauer arbeiten deshalb fieberhaft daran, ihre E-Mobile massentauglich zu machen. Branchenprimus Volkswagen will das vor allem mit dem angekündigten e-Golf und seinem kleinen Bruder, dem seit Ende 2013 erhältlichen e-up!, erreichen.

Akzeptanzprobleme sollte der Kleinwagen zumindest mit seinem Design nicht haben, schließlich zählt der up! mit den eng verwandten Skoda Citigo und Seat Mii zu den meistverkauften Modellen seines Segments. Optisch unterscheiden den elektrischen up! nur wenige Details von den Versionen mit Verbrennungsmotor.

An der Front gehören das bogenförmige LED-Tagfahrlicht und das blau umrandete Logo dazu. Aerodynamisch gestaltete 15-Zoll-Leichtmetallfelgen kennzeichnen den e-up! ebenso wie die Reflektoren am Heck. Getreu dem VW-Claim „Think Blue“ fallen im Innenraum des nur als Viertürer erhältlichen e-up! die blauen Nähte am Lederlenkrad, an der Handbremse und am Schalthebel auf. Ansonsten präsentiert sich das Cockpit kaum verändert und unspektakulär.

Ein Wagen für die GroßstadtTypisch Stromer: Mehr als einen Vorwärts- und Rückwärtsgang braucht der Wagen nicht. Dafür erreicht er das maximale Drehmoment von bemerkenswerten 210 Newtonmetern (Nm) sofort – zum Vergleich: Der Polo GTI erreicht maximal 250 Nm. Auch die Leistung kann sich sehen lassen. Mit 82 PS sticht der Stromer die stärkste Verbrenner-Motorisierung des up! mit 75 PS locker aus.

Gegenüber dem Benziner liegt die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h mit 12,4 Sekunden zwar nur etwas besser, subjektiv fühlt es sich aber vor allem auf den ersten Metern deutlich schneller an. 130 km/h Höchstgeschwindigkeit reichen selbst auf der Autobahn zum sicheren Mitschwimmen im Verkehr.

Doch dort dürfte man den e-up! eher selten erblicken. Nach Konzernangaben reicht der Akku im Sommer für 120 bis 165 Kilometer und 80 bis 120 Kilometer im Winter. Ähnlich wie bei BMW können Kunden für längere Touren auch konventionell angetriebene Autos zu Sonderkonditionen mieten.

Mit 40 Kilowatt Gleichstrom und dem aufpreispflichtigen Combined Charging System (CCS) soll die Lithium-Ionen-Batterie nach gerade einmal 30 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen sein. Die volle Ladung an einer Haushaltssteckdose dauert hingegen bis zu zehn Stunden. Eine extra Ladebox für die Wand von Bosch soll die Wartezeit daheim auf sechs Stunden verkürzen.

Das Navigations- und Infotainmentsystem, das nahezu unverändert auch im XL1 zum Einsatz kommt, zeigt auf die Reichweite abgestimmte Routenoptionen und den Energiefluss zwischen dem Elektromotor an der Vorderachse und den Batterien im Heck. Darauf lässt sich auch gut verfolgen, ob beim Gas-Wegnehmen oder Bremsen Energie zurückgewonnen oder ob der Motor entkoppelt wird und man möglichst weit ohne Antrieb segelt.

Die Stärke der Rekuperation lässt sich über den Schalthebel einstellen: Wer möchte, kann so größtenteils auf die eigentliche Bremse verzichten und mit vorrausschauender Fahrweise gleich mehrfach sparen.

Schweres GerätEinen offensichtlichen Nachteil hat der Wagen gegenüber der Konkurrenz: Er wurde nicht als Elektromobil konzipiert und muss ohne besonders leichte Rahmen-Konstruktion aus Kohlefaser auskommen. Trotz der 230 Kilogramm schweren Batterien fällt das Leergewicht mit 1214 Kilo zwar moderat aus, doch ist der e-up! damit deutlich schwerer als er sein müsste.

Die Leichtlaufreifen scheinen den Fahrkomfort und das Fahrverhalten nicht spürbar zu verschlechtern – so macht der Kleine auf der Straße richtig Spaß. Mit seinen 3,54 Metern Länge und 1,64 Metern Breite flitzt er wieselflink um Kurven und ist dennoch ein vollwertiger Viersitzer. Die wichtigsten Sicherheits-Features hat der e-up! serienmäßig an Bord und die Aufpreisliste sieht recht übersichtlich aus.

Dennoch kostet er mindestens üppige 26.900 Euro. Darin sind allerdings die Batterien enthalten und nicht mit einer monatlichen Miete extra berechnet. So relativieren sich die teils günstigeren Anschaffungskosten der Konkurrenten. Zehn Jahre oder 160.000 km garantieren die Wolfsburger für die Akkus.

Fazit: Volkswagen hat mit dem e-up! ein insgesamt gelungenes Elektroauto auf die Räder gestellt, das die Verbreitung von elektrifizierten Antrieben in Deutschland vorantreiben könnte. Erfreulich finden wir auch, dass mit dem ebenfalls rein elektrisch angetriebenen e-Golf und dem Plug-In-Hybrid Golf GTE bereits weitere VW-Modelle in den Startlöchern stehen.

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