Städte bei Nacht: Ostdeutschland leuchtet heller als der Westen

Städte bei Nacht: Ostdeutschland leuchtet heller als der Westen

von Tobias Finger

Nachtaufnahmen zeigen: Städte in den neuen Bundesländern emittieren mehr Licht. Die Bilder können helfen, Energie zu sparen.

Erstmals können Forscher Quellen von Lichtemissionen - in Form des in Richtung Weltraum abgestrahlten sichtbaren Lichts - lokalisieren. Sie können etwa die Helligkeit unterschiedlicher Städte miteinander vergleichen und Rückschlüsse daraus ziehen. Dabei haben sie spannende Beobachtungen gemacht.

So emittieren US-Städte deutlich mehr Licht pro Einwohner als vergleichbar große Städte in Deutschland. Erstaunlich ist ebenfalls: Während die Lichtemission pro Einwohner in amerikanischen Städten mit der Bevölkerungsdichte zunimmt, gilt für Deutschland genau das Gegenteil.

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Und auch innerhalb Deutschlands zeigen sich Unterschiede. Städte in den neuen Bundesländern strahlen mehr Licht ab als Städte im ehemaligen Westdeutschland.

Was genau die Ursache dafür ist, ließe sich noch nicht mit Gewissheit bestimmen, sagt Christopher Kyba vom GeoForschungszentrum (GFZ). "Die geringere Einwohnerzahl ostdeutscher Städte spielt offenbar nur eine kleine Rolle, wichtiger sind Art der Lichtquelle und Bebauung."

Wertvoll für den UmweltschutzDabei spielt die Anzahl der Bäume in den Städten eine Rolle oder architektonische Unterschiede, wie die Breite der Straßen. Das jeweilige Beleuchtungsaufkommen verhält sich äußerst dynamisch, wie eine aktuelle Studie zeigt, die im Journal Remote Sensing veröffentlicht wurde. Sowohl innerhalb einer Nacht, als auch über einen längeren Zeitraum gibt es zahlreiche Schwankungen. Letztere werden auch von umweltfreundlicherer, weil energieeffizienter LED-Straßenbeleuchtung ausgelöst.

Den Studienautoren zu Folge können die Daten für die Energie- und Umweltpolitik äußerst wertvoll sein. Sie stammen von Fotos aus der Internationalen Raumstation ISS und vom Strahlungsmesser eines Wettersatelliten, der das sichtbare Licht bei Tag und Nacht (Visible Infrared Imaging Radiometer Suite Day-Night Band VIIRS DNB) mit einer Auflösung von etwa 750 Metern erfasst.

Was verraten die Nachtbilder sonst noch?Sie können aufzeigen, in welchen Regionen Licht verschwendet wird und Energiesparmaßnahmen verbessern. So können sie helfen, öffentlichen Ausgaben zu reduzieren, denn „Beleuchtung ist für 19 Prozent des gesamten Konsums elektrischer Energie verantwortlich“, so die Studienautoren. „Trotz Fortschritten in der Lichteffizienz beträgt der individuelle Lichtverbrauch nach wie vor etwa 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“.

Doch auch in anderen Bereichen können die Bilder wertvoll sein. Straßen-Nahaufnahmen könnten auch der Epidemiologie helfen, meinen die Wissenschaftler. Sie könnten der Forschung Aufschluss darüber geben, ob die Menge des Lichts in bestimmten Stadtteilen mit dem Auftreten von Krankheiten, wie beispielsweise Brustkrebs, korreliert.

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Der Artikel zur Studie ist hier abrufbar.

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