Start-up Propella: So günstig gab es E-Bikes noch nie

Start-up Propella: So günstig gab es E-Bikes noch nie

von Felix Ehrenfried

Ein E-Bike für unter 1000 Euro? Ein amerikanisches Startup macht es möglich. In Deutschland dürfte das Bike es aber eher schwer haben.

E-Bikes erfreuen sich hierzulande einer wachsenden Beliebtheit. Ob für die Fahrt zur Arbeit oder den Ausritt ins Gelände: ein unterstützender Motor beim Pedalieren wird schon lange nicht mehr als Zeichen von Schwäche interpretiert, vielmehr sehen selbst junge Leute die Vorteile einer Trittunterstützung aus der Batteriezelle. So kommt man nicht verschwitzt im Büro an oder kann beim Mountainbiken auch längere und härtere Anstiege meistern, ohne anschließend eine Pause einlegen zu müssen.

Der Elektromotor am Drahtesel hat neben vielen Vorteilen allerdings auch seinen Preis. Viele Experten raten, von E-Bikes unter der 2000-Euro-Marke lieber die Finger zu lassen, die hochwertige Technik und Ausstattung habe eben ihren Preis. Ein US-amerikanisches Startup sagt teuren Elektrobikes jetzt allerdings den Kampf an: rund 1000 Dollar (rund 890 Euro) soll das E-Bike vom Propella kosten, gleichzeitig sehr leicht und einfach zu bedienen sein.

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Mit dem Projekt will Gründer Behyad Ben Tarassoli das elektrische Fahrvergnügen bezahlbar für viele machen. Sein Bike wiegt weniger als 36 Pfund (rund 16 Kilogramm) und zählt damit zu den leichteren Gefährten. Der Akku hat eine Kapazität von 0,2 kWh (bei 6,6 Amperestunden) und soll den Fahrer bis zu 45 Kilometer weit unterstützen. Die Maximalgeschwindigkeit liegt dabei bei rund 30 Stundenkilometern.

Eine Mischung aus E-Bike und PedelecGesteuert wird der integrierte, 250 Watt starke Hinterradmotor über einen kleinen Hebel, der am Lenker befestigt ist. Hier kann der Fahrer einstellen, wie stark das Fahrrad, beispielsweise an der Ampel aus dem Stand beschleunigt. Auf einem integrierten Display kann der Propella-Pilot gleichzeitig aus fünf Stufen auswählen, die den Grad der Unterstützung beim Pedalieren angeben. So ist das Propella-Bike eine Kombination aus klassischem Pedelec, das nur beim Pedalieren Energie aus den Batterien hinzuschießt und einem E-Bike, das auch ohne Zutun des Fahrers beschleunigt.

Designtechnisch hat sich das Team von Propella an aktuellen Edel-Drahteseln orientiert. Ganz reduziert und mit lediglich einem Gang, im Fachjargon Singlespeed kommt das Propella-Bike daher. Wer doch ein paar Gänge mehr möchte, kann für einen Aufpreis eine 6-Gang Shimano Schaltung ordern. Der Akku steckt, ähnlich einer Trinkflasche, auf dem abfallenden Oberrohr. Einmal leer, soll er sich mittels USB in weniger als 2,5 Stunden laden lassen. Übrigens: die verbauten Akkus sollen baugleich zu denen sein, die Tesla in seinem aktuellen Model S verbaut.

Um das Projekt zu realisieren, haben Tarassoli und sein Team jetzt eine Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter ins Leben gerufen. 40.000 US-Dollar (rund 36.000 Euro) wollen die Gründer einsammeln, dafür bekommen frühe Unterstützer das Bike bereits ab 600 US-Dollar (rund 500 Euro), was deutlich unter dem späteren Ladenpreis liegen soll. Erhältlich sein wird das Bike dann in drei Rahmengrößen und zahlreichen Farbkombinationen.

So günstig ein E-Bike: Geht das?Ein schickes E-Bike für unter 1000 Euro? Klingt verlockend, jedoch sollte man sich beim Kauf bewusst sein, dass auch ein innovatives Startup seine Komponenten zu Marktpreisen einkaufen muss. So darf man nicht erwarten, für den relativ günstigen Preis ein edles Fahrrad mit den besten Komponenten namhafter Hersteller zu bekommen.

Da Batterietechnik und Antrieb vermutlich einen Großteil der Kosten des Propella-Bikes ausmachen, dürften die restlichen Komponenten eher aus dem günstigen Preissegment stammen. Das sieht man beispielsweise an den Bremsen: Während Experten hierzulande immer zu hydraulischen Scheibenbremsen raten um die zusätzliche Kraft eines Elektromotors auch abbremsen zu können, verbauen Tarrassoli und sein Team klassische Felgenbremsen, ähnlich denen die oft an Rennrädern gefunden werden. Ob hier nicht am falschen Ende gespart wird, ist fraglich.

Vertrieb in Deutschland fraglichAktuell plant das Team von Propella keine Auslieferung nach Deutschland. Das dürfte auch mit einigen Problemen verbunden sein. So würde das Propella-Bike mit seiner Höchstgeschwindigkeit in Deutschland unter die Zulassungspflicht fallen und auch die erwähnten Einsparungen in den Sicherheitskomponenten machen eine Straßenzulassung fraglich.

Jedoch: wenn Propella mit seinem E-Bike Erfolg hat, dürften sich auch andere, etablierte Hersteller Gedanken über eine Erweiterung des günstigen Sortiments machen. Dann könnten vielleicht auch bald deutsche Kunden ein ordentliches E-Bike für unter 1000 Euro kaufen können. 

Hier noch ein Video des Propella-Bikes:

 

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