Statt Atom, Kohle und Öl: Die USA setzen auf Erdgas und Erneuerbare

Statt Atom, Kohle und Öl: Die USA setzen auf Erdgas und Erneuerbare

von Benjamin Reuter

In den USA ist derzeit wahrscheinlich die umfassendste Energiewende der Welt im Gang – im Stromsektor und auf der Straße.

Wenn ein Meinungsforschungsinstitut die Deutschen befragen würde, wer die größten Klimaschmutzfinken weltweit sind, dann wären wohl die USA ganz vorne mit dabei, neben China.

Wer an die Umweltbilanz der USA denkt, dem kommen ersteinmal dicke Autos, Klimaanlagen sogar in Hundehütten und der aktuelle Ölboom in den Sinn. Allerdings beginnen sich die Dinge in den USA gerade zu ändern.

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Weitgehend unbemerkt ist das Land zu einer Art Vorreiter für den Klimaschutz geworden. Im Energiesektor ist der CO2-Ausstoß zwischen 2005 und 2012 um zwölf Prozent gefallen. Bis 2030 sollen es 30 Prozent werden.

Der Grund ist vor allem der Boom der Förderung von Erdgas aus Schiefergestein, das derzeit konkurrenzlos günstig ist und das die Energieversorger statt Kohle in den Kraftwerken verbrennen. Aber auch die erneuerbaren Energien legen stark zu. Dagegegen ist in diesem Jahr noch kein einziges neues Kohlekraftwerk ans Netz gegangen, wie diese aktuelle Auswertung der US-Energieagentur (EIA) zeigt:

Und der Trend könnte auch in den kommenden Jahrzehnten weitergehen, wie die EIA glaubt:

Da Erdgas nach Meinung der meisten Experten (über die Ausnahme berichteten wir hier) sehr viel weniger CO2 als Kohle bei der Gewinnung und Verbrennung freisetzt, könnte der Energiemix der USA auch künftig klimafreundlicher werden – vorausgesetzt Erdgas bleibt wegen des Schiefergasbooms in den USA im Vergleich zur Kohle billig.

Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass laut Schätzungen rund ein Viertel der US-Kraftwerkskapazität im Kohlebereich in den kommenden Jahren vom Netz gehen könnte. Der Grund ist auch hier der Erdgasboom, aber auch strengere Vorschriften beim Ausstoß von Klimagasen und Schadstoffen, die US-Präsident Barack Obama plant.

Aber nicht nur im Energiesektor, sondern auch beim Verkehr erleben die USA gerade einen massiven Umbau. Auf den Highways werden in den kommenden Jahren immer mehr Trucks mit Flüssiggas unterwegs sein. Schon jetzt betreibt der Logistikkonzern UPS 1000 seiner 16.000 braunen Lieferwagen mit dem auf Minus 160 Grad gekühlten Treibstoff. Mehr sollen folgen.

Vor einigen Tagen kündigte auch die Brauerei Anheuser-Busch (u.a. Budweiser) an, 66 seiner Trucks auf Erdgas umzustellen. Die Spedition, die für den Brauer arbeitet, betreibt mittlerweile 1000 ihrer Fahrzeuge mit komprimiertem Erdgas. Trucks in den USA verbrennen pro Tag rund zwei Millionen Barrel Treibstoff in ihren Tanks und sind damit für rund zehn Prozent des Ölverbrauchs im Land verantwortlich.

Aber nicht nur das Erdgas verdrängt das Öl von der Straße. Auch Elektro- und Hybridautos gewinnen in den USA rapide an Zuspruch. Im September schon könnten 250.000 Autos mit Steckdosenanschluss in den USA unterwegs sein. Zwar ist ihr Anteil an der Gesamtfahrzeugflotte noch gering, aber die Verkaufszahlen steigen seit Jahren stark an, wie diese Grafik des Blogs Insideevs.com zeigt:

Nachtrag: Der Klimaretter-Blog bringt unter diesem Link eine aktuelle und lesenswerte Analyse zu den Chancen von Barack Obamas Plan, strengere Emissionsregeln für Kraftwerke einzuführen. 



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