Statt Offshore-Windparks: Verbraucherzentralen fordern dezentrale Energieversorgung

Statt Offshore-Windparks: Verbraucherzentralen fordern dezentrale Energieversorgung

von Wolfgang Kempkens

Die Verbraucherzentralen fordern mit Verweis auf die EEG-Umlage eine dezentrale Energieversorgung.

Zum Jahreswechsel wird die EEG-Umlage, die garantierte Einspeisevergütungen für Erneuerbare finanziert, wieder steigen. Zwar moderat, aber doch auf ein Rekordniveau. Für den Dachverband aller Verbraucherzentralen in Deutschland (VZBV) ist der Offshore-Ausbau dabei der Haupt-Preistreiber.

Die Windparks in Nord- und Ostsee seien der Grund dafür, dass die EEG-Umlage zum Jahreswechsel auf das Allzeit-Hoch von 6,354 Cent pro Kilowattstunde steigen wird. Da gleichzeitig in vielen Regionen das Netzentgelt angehoben wird, steigen die Jahreszusatzkosten für Durchschnittsfamilien auf fast 20 Euro.

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„Wenn es die Bundesregierung mit der Strompreisbremse wirklich ernst meint, muss sie sich von zu kostspieligen Hochseeabenteuern verabschieden und den Ausbau erneuerbarer Energien an Land verstärken“, sagt Klaus Müller, Vorstand des VZBV. Das sei erheblich billiger. Außerdem entfielen die teuren und umstrittenen Stromautobahnen, die den Süden Deutschlands mit Windstrom aus Nord- und Ostsee versorgen sollen.

Müller fordert eine dezentrale Stromerzeugung auf der Basis von erneuerbaren Energien. Windstrom ist tatsächlich eine zentralistische Form der Energieerzeugung. An die Stelle von großen Kohle- und Kernkraftwerken treten die Sammelstellen an Land, in denen der Hochspannungs-Gleichstrom in Drehstrom umgewandelt wird. Derzeit sind in Nord- und Ostsee Windenergieanlagen  mit ein er Gesamtleistung von fast 3000 Megawatt in Betrieb. Das ist mehr als die Leistung von zwei Kernkraftwerken.

Wie bei diesen muss der Windstrom über das Hochspannungsnetz zu den Verbrauchern transportiert werden. Windparks und Solarkraftwerke an Land erzeugen den Strom dagegen in der Nähe der Verbraucher, sodass ein Gutteil des Transports wegfällt.

"Das falsche Pferd"

„Es kann gut sein, dass die Bundesregierung mit der Offshore-Windenergie auf das falsche Pferd setzt und sich die Anlagen auf See schon bald als massive Fehlinvestitionen herausstellen“, so Müller. Dabei geht es um gigantische Leistungen. Gut 800 Megawatt kommen in naher Zukunft hinzu, weil die entsprechenden Parks bereits im Bau sind. Geplant sind weitere 7500 Megawatt.

Auch wenn Müller möglicherweise Recht hat: Der Bau von Windparks an Land ist ebenfalls nicht unumstritten, trifft immer häufiger auf massive Widerstände. Mindestens 2000 der leistungsfähigsten Windgeneratoren, deren Rotorspitzen eine Höhe von mehr als 200 Metern erreichen, müssten bundesweit errichtet werden, um den Ausfall von 7500 Megawatt zu kompensieren. Denn der Wind weht an Land weitaus schwächer als auf dem Meer.

Vor allem landschaftlich reizvolle Gegenden wehren sich gegen die weitere „Verspargelung“. Und im Norden sind die besten Regionen in Küstennähe bereits total ausgelastet. Die Diskussion um zentrale oder dezentrale Energieversorgung dürfte noch einige Zeit lang geführt werden.



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