Steigende Strompreise: Das müssen Sie wissen

Steigende Strompreise: Das müssen Sie wissen

von Benjamin Reuter

2014 sollen die Strompreise wieder kräftig steigen. Wir haben die wichtigsten Ursachen und Folgen der Kostenexplosion zusammengetragen.

Bald ist Bundestagswahl, die Strompreise steigen weiter und keine der Parteien scheint derzeit wirklich eine Lösung für das Problem zu haben. Schon vor Monaten sorgte Bundesumweltminister Peter Altmaier mit seiner "Strompreisbremse" für Debatten - passiert ist seitdem nichts. Kein Wunder, dass nach der Ankündigung der Deutschen Energie-Agentur (dena), die EEG-Umlage könne 2014 auf bis zu 6,3 Cent pro Kilowattstunde steigen, die Diskussion um die Kosten der Energiewende neu losgebrochen ist.

Wir haben die wichtigsten Standpunkte zu den Ursachen und Folgen der steigenden Preise aus den vergangenen Tagen zusammengefasst:

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1. Befreiung von den NetzentgeltenJeder Energieverbraucher zahlt für die Nutzung der Stromnetze in Deutschland eine Gebühr - eigentlich. Denn für manche Unternehmen gilt das nicht. Ihnen wird aus Gründen des Standortwettbewerbes das sogenannte Netznutzungsentgelt erlassen. Den Ausfall müssen wiederum alle anderen Stromkunden über die "§19-Umlage" begleichen. 2014 könnte diese Umlage von rund 800 Millionen auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen, sagt eine Studie im Auftrag der Grünen, weil die Anzahl der befreiten Unternehmen wächst. Profiteure der Befreiung sind vor allem Industrieunternehmen. Aber auch der Discounter Aldi gehören dazu, die Hotelkette Mövenpick, die Bundesbank, die Bundesanstalt für Arbeit und das ZDF.

2. Befreiung von der EEG-UmlageAber nicht nur von den Netzentgelten sind manche Unternehmen befreit. Viele müssen auch keine EEG-Umlage bezahlen. Nur logisch ist es deshalb, dass der Strompreis sinken könnte, wenn für die Industrie weniger Ausnahmen gälten. Greenpeace führt dazu in einer aktuellen Studie an: Die Zahl der Unternehmen, die von der EEG-Umlage befreit sind, sei 2012 stark gestiegen und liege aktuell bei knapp 1700. Ihr Stromverbrauch mache 20 Prozent des deutschen Gesamtverbrauchs aus. Damit werde der Energiewende eine Finanzierung in Höhe von vier Milliarden Euro entzogen. Würden die Kosten gerechter verteilt, könnte dies die Bürger um 1,6 Cent pro Kilowattstunde entlasten. 2013 liegen die Gesamtkosten der Energiewende bei rund 20 Milliarden Euro.

3. Gesunkene BörsenpreiseDas Öko-Institut sieht einen der Hauptgründe für die steigenden Strompreise in den sinkenden Börsenpreisen für Elektrizität. Die Erklärung des Institutes: "Die EEG-Umlage deckt die Differenz ab zwischen dem an der Börse erzielten Strompreis und den festgeschriebenen (höheren) Vergütungssätzen für Strom aus erneuerbaren Energien. Ist diese Differenz groß, weil der Börsenpreis sinkt, muss die EEG-Umlage einen größeren Betrag bis zum Erreichen abdecken – sie steigt." Sprich: Wäre der Börsenpreis höher, würde die EEG-Umlage sinken. Das sei zum Beispiel durch eine Verteuerung der CO2-Zertifikate für Kohlestrom zu erreichen, sagen die Öko-Institut-Experten. Das könne die EEG-Umlage um mehr als 20 Prozent reduzieren.

4. Steigende Preise haben soziale Folgen"Die Energiewende wird zu einem sozialen Problem", titelte Spiegel Online am Wochenende. Und auch wir bei WiWo Green berichteten über das "Armutsproblem" der Energiewende. Der Grund: Die staatlichen Zuschüsse für Strom an Arbeitslose und andere Sozialhilfeempfänger sind viel zu niedrig angesetzt und halten nicht mit den Preissteigerungen Schritt.

5. Wird alles noch teurer?Nach Schätzungen des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung in Berlin müssen zwischen 2014 und 2020 jährlich zwischen 31 Milliarden und 38 Milliarden Euro in den Bereichen erneuerbare Energien, Netze, Systemintegration und energetische Gebäudesanierung investiert werden. Derzeit fließen rund 20 Milliarden Euro in die Maßnahmen zur Energiewende. Die Hoffnung: Nach hohen Anfangsinvestitionen sinken die Preise später wieder.

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