Strom für 6 Millionen Kilometer: Elektroauto-Pionier Tesla feiert Rekord

Strom für 6 Millionen Kilometer: Elektroauto-Pionier Tesla feiert Rekord

von Jan Willmroth

Tesla ist Vorreiter bei der Infrastruktur für Elektroautos. Die Ladesäulen werden fleißig genutzt, wie sich jetzt zeigt.

Auch wer klein anfängt, kann Großes verkünden. Der US-Autohersteller Tesla ist ein Meister darin. Elf Jahre ist das Unternehmen alt, wurde anfangs belächelt und war allenfalls bekannt für seine exotischen, experimentellen Elektro-Sportwagen.

Seit einigen Jahren ist das anders: Der Chef und Gründer Elon Musk ist zum Superstar avanciert, mit seinem Elektroauto Model S hat er den elektrischen Antrieb salonfähig gemacht. Seitdem vergeht kaum ein Monat, ohne dass Tesla einen neuen Rekord verkündet.

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So war es auch im Juni. Mit seinem Netzwerk aus inzwischen 100 Superchargern in den USA – Stromtankstellen, an denen Model-S-Fahrer ihre Batterien kostenlos aufladen können – hat Tesla erstmals mehr als eine Gigawattstunde Strom ausgeliefert. Die Strommenge reicht laut Tesla für eine Strecke von knapp sechs Millionen Kilometer (3,7 Millionen Meilen) und hat damit rund 635.000 Liter herkömmliche Treibstoffe ersetzt.

Das klingt nach beeindruckenden Zahlen, Tesla nennt es in seinem Firmen-Blog einen „Meilenstein“. Das Supercharger-Netzwerk ermöglicht mittlerweile E-Auto-Trips quer durch die USA. Ende 2015 soll jeder US-Amerikaner im Radius von 100 Kilometern eine der Stromtankstellen erreichen können. Auch in Europa baut Tesla seine Ladesäulen aus. Insofern arbeitet das Unternehmen intensiv daran, das E-Auto nicht nur salonfähig, sondern auch alltagstauglich zu machen.

Musk hofft auf industrieweite StandardsDer Blick hinter den "Meilenstein" verrät aber, wie weit der Weg noch ist, bis die Stromer im Alltag ankommen. Denn sechs Millionen Kilometer pro Monat sind selbst in einem Land wie Deutschland, in dem die meisten Wege der Autofahrer eher kurz sind, nicht viel. Im Jahr 2012 haben deutsche PKW-Fahrer mehr als 610 Milliarden Kilometer zurückgelegt, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ausgewertet hat. Das durchschnittliche Auto fuhr gute 14.000 Kilometer.

Grob gerechnet, reichte der Strom aus den US-Tankstellen also lediglich für die monatliche Strecke von mehr als 5.000 deutschen Durchschnitts-PKW.

Das ist nicht viel, aber immerhin ein Anfang. Und die gute Nachricht ist: Es braucht nicht viele Ladestationen, um Elektroautos für die Langstrecke fit zu machen. Die Karte unten zeigt, wie das europäische Supercharger-Netzwerk im kommenden Jahr aussehen soll – Tesla-Fahrer können sich also auf Trips quer durch Westeuropa freuen:

Bislang beschränkt sich diese Freude auf Besitzer eines Model S. Bei der Markteinführung in Großbritannien im Juni zeigte sich Elon Musk aber erneut offen, auch anderen Herstellern Zugang zu seinen Tankstellen zu ermöglichen. Dazu passt sein Plan, die Tesla-Patente freizugeben. Musks Unternehmen hat beim Ausbau von Stromtankstellen die Nase vorn – und mit den Ankündigungen dürfte die Hoffnung verbunden sein, industrieweite Standards zu setzen.

Ob das gelingt, oder nicht: Ohne flächendeckende Infrastruktur, mit der Fahrer ihre E-Autos in kurzer Zeit laden können, werden die Stromer in einer Marktnische verharren.

Korrektur: Die Strommenge von 1 GWh reicht nicht für 4,8 Millionen Kilometer, wie in einer vorigen version des Textes geschrieben, sondern für sechs Millionen Kilometer.

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