Strom fürs E-Auto: Startup Ebee installiert Ladesäulen an Straßenlaternen

Strom fürs E-Auto: Startup Ebee installiert Ladesäulen an Straßenlaternen

von Felix Ehrenfried

Ladestationen für Elektroautos sind Mangelware. Ein Berliner Startup will das ändern, indem es Straßenlaternen anzapft.

Elektroautos haben viele Vorteile, eine große Reichweite gehört jedoch (noch) nicht dazu. So ist bei den meisten Stromern nach spätestens 150 Kilometern Schluss und eine Ladestation muss her. Die findet sich in Deutschland bisher jedoch noch relativ selten. Gerade auf dem Land und in kleineren Städten haben Stromerfahrer daher häufig Pech, wenn sie keine öffentliche Ladesäule finden.

Das Berliner Startup Ebee hat für diesen Engpass ein einfaches, wie geniales Konzept entwickelt. E-Autos sollen künftig einfach über das Stromnetz von Straßenlaternen beladen werden. Möglich machen soll das ein speziell entwickelter Ladekasten, der einfach an den Pfahl der Laterne angebracht wird und durch deren Stromnetz Energie bezieht.

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Die Berliner Gründer tüfteln schon seit einiger Zeit an ihrem Konzept des Laternenpfahl-Ladens, jetzt haben sie in Berlin-Friedenau die ersten zwei Ladepunkte in Betrieb genommen, wie der Griin-Blog berichtet. Damit wollen die Ebee-Entwickler einen "technischen Machbarkeitsbeweis gegenüber dem Senat und möglichen Betreibern" erbringen, wie Robert Weyrauch von Ebee erklärt.

Denn eigentlich will Ebee seine Ladepunkte an interessierte Städte verkaufen, selbst betreiben wolle man die Technik nicht, heißt es aus dem Unternehmen.

In Berlin solle nun gezeigt werden, dass die Technik wirklich funktioniert - künftig werden weitere Ladepunkte hinzukommen. Wo Ebee diese installiert und wie viele es werden, will das Startup allerdings nicht verraten. An den aktuellen Ladepunkten können Nutzer über die Intercharge-Plattform entweder per Karte oder App bezahlen. Allerdings seien die Ladepunkte auch problemlos in andere Bezahlsysteme zu integrieren.

Allein in Berlin mehr als100.000 mögliche LadepunkteWeyrauch glaubt an ein großes Potential der Technik. Allein in Berlin stehen mehr als 100.000 geeignete Straßenlaternen, in ganz Deutschland sollten es mehrere Millionen sein, schätzt er.

Er nennt zwei Voraussetzungen, um Straßenlaterne mit der Ladefunktion zu versehen: Der elektrische Anschluss müsse ausreichend sein "oder mit überschaubaren Maßnahmen ausreichend ausgelegt werden können und die Laternen direkt neben einem Parkplatz stehen".

Jedoch räumt er ein, dass die Ladepunkte aufgrund der technischen Voraussetzungen auch gewisse Einschränkungen haben. So sei der Energiestrom, der durch den Laternenpfahl fließe verhältnismäßig gering, ähnlich dem Stromanschluss im Haus. Daher lässt sich an den Laternenpfosten nicht einfach ein Supercharger wie der von Tesla errichten, der innerhalb weniger Minuten leere Akkus mit Strom vollpumpt.

Vielmehr sei die Technik geeignet, um Autos im städtischen Umfeld "während der Arbeit oder über Nacht zu Hause wieder voll aufzuladen", erklärt Weyrauch.

Stromerfahrer ohne Garage im Visier von EbeeSo ziele die Ebee-Ladestation vor allem auf Leute, die in Städten wohnen und E-Auto fahren, aber keine Garage haben, um den Stromer über Nacht vollzuladen. Da könnte ein Parkplatz vor der Wohnung mit umgerüsteter Laterne die optimale Ladestation bieten.

Städte könnten Kaufinteressenten von E-Autos auch mit einer entsprechenden Umrüstung locken, sagt Weyrauch: "Eine Stadt oder ein Betreiber könnte dem Käufer eines Elektroautos nach Unterschrift des Kaufvertrags einen Laternenladepunkt vor die Tür setzen."

Wie viele Ebee-Ladepunkte in Deutschland ökonomisch sinnvoll installiert werden könnten, kann man bei Ebee schwer abschätzen, das müssten Städte und Betreiberfirmen entscheiden.

Damit bietet das deutsche Startup Ebee eine interessante und unkomplizierte Lösung für den Mangel an Stromer-Ladestationen in Deutschland. Jedoch muss sich jetzt in Berlin zeigen, ob die Technik angenommen wird und ob auch die Städte, die die Ladepunkte schlussendlich installieren lassen, überzeugt sind.

Ein Problem dabei könnte die Vergabe der Parkplätze vor den Lade-Laternen sein. Gerade zur Feierabendzeit ist in Innenstädten der Kampf um freie Parkplätze besonders erbittert. Wie sich da ein freier Parkplatz für den leeren Stromer garantieren lässt, bleibt zunächst offen.

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Wie Ebees Konkurent Ubitricity versucht den Markt für Laternenladestationen zu erobern, können Sie hier nachlesen.

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