Strom: Power-to-heat und Windkraft sollen für stabile Netze sorgen

Strom: Power-to-heat und Windkraft sollen für stabile Netze sorgen

von Wolfgang Kempkens

An windigen Tagen steht mehr Strom als nötig zur Verfügung. "Power-to-Heat"-Anlagen können ihn in Wärme umwandeln.

Der vergangene Dienstag war ein windiger Tag. So windig, dass die Windkraft zeitweise eine Leistung von fast 15.000 Megawatt ins Stromnetz einspeisen konnte – grob ein Viertel des Bedarfs.

Wenn dann auch noch die Sonne scheint und die Fotovoltaik ebenfalls einspeist oder die konventionellen Kraftwerke ihre Leistung nicht schnell genug anpassen können, suchen die Netzbetreiber oft händeringend Abnehmer.

Anzeige

Notfalls verschenken sie den Strom sogar, und manchmal legen sie noch was drauf. Denn Strom, der ins Netz geht, muss auch wieder abgenommen werden, sonst verändert sich die Netzfrequenz. Speicher, die das auffangen könnten, gibt es in Deutschland noch zu wenige, seien es Großbatterien, Pumpspeicherkraftwerke oder Power-to-Gas-Anlagen. Doch künftig gibt es weitere Abnehmer.

Denn auch Unternehmen, die sehr viel Wärme benötigen, können den Strom abnehmen - etwa Produzenten von Fernwärme. Wenn zu viel Strom in die Netze drängt, stellen sie sich als Abnehmer zur Verfügung, sodass sie den Verbrauch an Erdgas, Heizöl oder Kohle reduzieren können. Stattdessen nutzen sie etwa einen Elektrodenkessel, der wie ein großer Tauchsieder funktioniert, um Dampf oder heißes Wasser zu erzeugen.

Die erste Anlage dieser Art, die das Münchner Unternehmen Enerstorage anbietet, betreibt Energy from Waste am Standort Premnitz in Brandenburg. Das Unternehmen verbrennt sonst Abfälle, um Energie zu gewinnen. Rund 250.000 Tonnen pro Jahr. Daraus entsteht Fernwärme zum Heizen und Prozessdampf. Dieser versorgt ein benachbartes Industriegebiet und ein Kraftwerk mit Energie, das wiederum pro Jahr 20.000 Megawattstunden Strom erzeugt.

Die sogenannte Regelenergie wird gut bezahltDie Power-to-Heat-Anlage (PtH oder P2H) arbeitet nur, wenn Überschussstrom verwertet werden muss – sonst wäre sie auch nicht rentabel. Sie hat eine Leistung von 20 Megawatt, während etwa Batterien nur in Einzelfällen auf mehr als fünf Megawatt kommen. Dafür können Batterien auch einspringen, wenn zu wenig Strom ins Netz eingespeist wird.

In der Regel sind Anlagen, die Regelenergie abnehmen, 20 Minuten in Betrieb, oft aber mehrmals pro Tag. Regelenergie ist in diesem Fall eine Reservemöglichkeit, besagten Überschussstrom abzunehmen. Weil die Netzbetreiber die Bereitschaft, diesen Überschussstrom gewissermaßen auf Zuruf abzunehmen, besonders gut bezahlen und der Strom zudem noch umsonst zur Verfügung gestellt wird, machen die Bereitsteller von Regelenergie ein gutes Geschäft.

„Nimmt ein Unternehmen beispielsweise mit seiner PtH-Anlage mindestens zehn Megawatt ab, kann es derzeit mindestens 100.000 Euro pro Jahr am Sekundärregelleistungsmarkt erwirtschaften“, sagt Tobias Assmann, Mitgründer und Geschäftsführer von Enerstorage. Sekundärregelleistung muss binnen weniger Minuten zur Verfügung stehen, um die Netzfrequenz zu stabilisieren. Assmann glaubt, dass sich Wärmeproduzenten dieses Geschäft nicht entgehen lassen wollen.

Der Gründer schätzt, mit Enerstorage künftig mindestens eine Anlage pro Quartal realisieren zu können. Vier sind bereits fertig beziehungsweise im Bau. Seit 2012 konzipiert, finanziert und vermarktet sein Unternehmen PtH-Anlagen an Industriestandorten mit einem Wärmebedarf von mindestens zehn Megawatt.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%