Strom und Gas: Welche Fallen beim Anbieterwechsel lauern

Strom und Gas: Welche Fallen beim Anbieterwechsel lauern

von Wolfgang Kempkens

Um Energiekosten zu senken, empfehlen Experten und der Bundesumweltminister den Anbieterwechsel. Unser Kollege hat es ausprobiert – und ist ernüchtert.

Peter Altmaier kennt die Lösung. Einfach den Stromanbieter wechseln, empfiehlt der Bundesumweltminister als Rezept gegen die Teuerung durch die Energiewende. Eine gute Idee, finde ich und mache den ersten Versuch bei Stromio.

Das Düsseldorfer Unternehmen, das gerade eine Pressekampagne gestartet hat, um auf seine vermeintlich günstigen Tarife aufmerksam zu machen, verspricht eine 12-monatige Preisgarantie. Zu zahlen sind 24 Cent pro Kilowattstunde und 15,07 Euro pro Monat Grundgebühr.

Anzeige

Mein heimischer Anbieter Enwor in Herzogenrath bei Aachen kassiert ab Januar tatsächlich mehr: 24,84 Cent, aber eine Grundgebühr von nur 6,99 Euro pro Monat. Fazit: Stromio-Strom kostet bei meinem Verbrauch rund 64 Euro pro Jahr mehr als mein heimischer Anbieter. Trotzdem würde ich bei einem Wechsel im ersten Jahr knapp 200 Euro sparen. Der Trick: Stromio gewährt Neukunden 25 Prozent Rabatt.

Jetzt zum Thema Wärme. Ich könnte auch meinen Gasanbieter wechseln. Ich versuche es bei GrünGas, einer Stromio-Marke. 637 Euro kann ich angeblich sparen, wenn ich meinem Anbieter EWV in Herzogenrath den Rücken kehre.

Doch GrünGas ist 0,18 Cent pro Kilowattstunde teurer als das Gas, das ich im nächsten Jahr beziehe. Dazu liegt die Monatsgebühr um vier Euro höher. Das addiert sich auf 1481 Euro pro Jahr, 69 Euro mehr als bei EWV. Trotzdem würde ich im ersten Jahr dank Neukundenrabatt gut 300 Euro sparen. Im nächsten Jahr würde es teurer.

Preisvorteil nach fünf Jahren futschDas erste Fazit: Die meist großzügigen Rabatte gewähren die Anbieter, um neue Kunden zu gewinnen –  eine Binsenweisweit – und setzen darauf, dass sie bei der Stange bleiben, wenn es im darauf folgenden Jahr teurer wird. Wenn man Bonus und spätere Mehrkosten miteinander verrechnet, ist der Preisvorteil nach spätestens fünf Jahren futsch. Vorausgesetzt, es gibt keine außergewöhnliche Preiserhöhung.

In manchen Regionen sind die Preise allerdings so hoch, dass sich ein Wechsel des Anbieters selbst dann lohnt, wenn man den Bonus herausrechnet. Auf der Internet-Seite von Verivox werden tausende Angebote unter anderem von Strom- und Gasanbietern verglichen.

Wechselwillige sollten sich die mögliche Ersparnis ohne Berücksichtigung des Bonus` angeben lassen, um zumindest ein Gespür dafür zu bekommen, wie es langfristig weitergehen könnte. Wer einen Anbieter ins Auge gefasst hat sollte die Preisgestaltung zusätzlich auf dessen Homepage überprüfen. Wobei der dort meist angebotene Preisrechner nicht immer korrekt arbeitet. GrünGas etwa verspricht – Verivox übrigens auch – eine Jahresersparnis von 647 Euro, in Wirklichkeit sind es nur rund 300.

Hände weg von StrompaketenEinige Anbieter werben mit noch größeren Einsparungen. Doch da ist auch noch größere Vorsicht geboten. Einige fordern eine Vorauszahlung für sechs oder zwölf Monate – wie einst das in die Pleite geschlidderte Unternehmen Teldafax –, andere bieten Strom und Gas gewissermaßen paketweise an: Man kauft eine bestimmte Jahresmenge und zahlt für jede Kilowattstunde, die zusätzlich verbraucht wird, einen extrem hohen Preis. Wer weniger verbraucht, bekommt nichts zurück.

Am besten fahren die, die jedes Jahr wechseln und einen Bonus kassieren. Wenn allerdings etwas schief geht, haben Anbieter-Hopper ein Problem. Kontakte mit den Versorgern lassen sich nicht leicht aufnehmen. In der Regel landet man bei einem Anruf in einer schier endlosen Warteschleife, aus der man im schlimmsten Fall mit der Bitte, es später noch einmal zu versuchen, entfernt wird – immer wieder. So wird am Ende aus einem Stromanbieterwechsel eine Geduldsprobe.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%