Strombank: Schweizer bauen neuartige Batterie in Einer-Milliarde-Dollar-Fabrik

Strombank: Schweizer bauen neuartige Batterie in Einer-Milliarde-Dollar-Fabrik

von Wolfgang Kempkens

Das Startup Alevo hat Akkus mit einer zehnmal höheren Lebensdauer als herkömmliche Batterien entwickelt.

Der CEO der Schweizer Alevo Group, Jostein Eikeland, hat sich zum Ziel gesetzt, die Stromverschwendung zu beenden:  "Wenn wir etwas von den Energiemassen, die heute durch das Missmanagement der Stromnetze verloren gehen, dort einsetzen, wo sie benötigt werden, gewinnen alle." Und tatsächlich, allein im vergangenen Jahr wurden in Schleswig-Holstein 239 Gigawattstunden Strom aus Windparks wegen Überlastung aus dem Netz ausgesperrt – die Energie hatte immerhin einen Wert von 25 Millionen Euro.

Eikeland will dafür Akkus einsetzen, die er mit seinem 2009 gegründeten Unternehmen Alevo in einer riesigen Halle in North Carolina, in der Philip Morris einst Zigaretten drehen ließ, fertigt. Die könnten, wie er sagt, "Game-Changer" werden. Die Schweizer wollen die Zellen bauen, sie zu Batterien zusammenstellen und in Container, sogenannte "Gridbanks", stapeln.

Anzeige

Diese Speicher sollen in die ganze Welt verschifft werden, Überschuss-Strom aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben, um Spannung und Frequenz des öffentlichen Netzes zu stabilisieren. Jeder der Container kann eine Megawattstunde Strom speichern – so viel wie rund 2500 deutsche Durchschnittsfamilien in 60 Minuten verbrauchen. Die Kapazität liegt bei zwei Megawatt pro Container. In der Batterie-Fabrik sollen 2.500 bis 6.000 Arbeitsplätze entstehen.

Die Gridbank, so das Schweizer Unternehmen, kann Strommangel sekundenschnell beheben. Oft reicht eine Einspeisung von wenigen Minuten, um das Netz zu stabilisieren. Anschließend werden die Batterien wieder aufgeladen, um für die nächste Lücke gerüstet zu sein. Ein ganz ähnliches Projekt hat der norddeutsche Stromversorger Wemag zusammen mit dem Berliner Startup Younicos kürzlich in Schwerin gestartet.

Der Akku schafft bis zu zehn mal mehr LadezyklenEine Milliarde Dollar will Alevo in die Fabrik in den USA stecken. Ein Teil des Geldes stammt von China-ZK International Energy Investment, einem chinesischen Investor, der sich auf die Finanzierung von Energieprojekten spezialisiert hat. Ab Juli nächsten Jahres sollen pro Monat 40 Gridbanks produziert werden.

Ein Blick in das Innere des Akkus erklärt, weshalb sich Eikeland von der Technologie Großes erwartet. Denn Alevo hat wahrscheinlich die erste Batterie entwickelt, in der anorganisches Material auf Schwefelbasis steckt. Die Elektroden, also die Anschlüsse zum Be- und Entladen der Batterie, bestehen aus Graphit beziehungsweise Lithium-Eisenphosphat.

Diese Kombination, die Forscher vor allem an den Alevo-Standorten Karlsruhe und Dormagen entwickelt haben, sorgt für eine ungewöhnliche Robustheit: Laut Unternehmensangaben hält der Akku locker 40.000 Ladezyklen durch, das sind fünf- bis zehnmal mehr als andere Lithium-Batterien. Außerdem sollen sie unempfindlich gegenüber Tiefentladung und Überladung sein. Durch den Einsatz der anorganischen Elektrolyte ist die Alevo-Batterie nicht entflammbar und kann nicht explodieren.

Konkurrent TeslaDie Gridbanks sollen überall dort stehen, wo Strom in Abhängigkeit von Wetter und Tageszeiten produziert wird, etwa an Windparks oder Solarkraftwerken. Als Vorbild sieht Eikeland das Internet, dessen Funktion durch unzählige Server sichergestellt wird. Genauso soll das Netz der Zukunft aussehen, wobei die Gridbanks den Servern entsprechen.

Ob Eikelands Plan aufgeht, ist noch nicht sicher. In den USA gibt es eine Reihe von Speicherherstellern, die vergleichsweise günstige asiatische Zellen einsetzen, so auch Tesla. Der Elektroautohersteller plant aber jetzt eine Fabrik, die pro Jahr Batterien mit einer Kapazität von 50.000 Megawatt herbestellen soll. Die Akkus sollen dann sogar die asiatischen Speicher im Preis unterbieten.

Die Tesla-Fabrik ist damit 50 Mal größer, als die Alevo-Produktionsstätte. Zudem hält sich Alevo noch bedeckt, was die Preise für seine Akku-Container angeht. Ein Kunde aus China soll schon einen Container bestellt haben. Insgesamt seien bereits 100 Batterien geordert, sagt Eikeland.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%