Strompreisreform: Windbranche kritisiert Ausschreibungen statt EEG

Strompreisreform: Windbranche kritisiert Ausschreibungen statt EEG

von Angela Schmid

Ab 2017 wird der Strompreis von Erneuerbaren über Ausschreibungen geregelt. Für kleine Anbieter ein Problem.

Die Windbranche bereitet sich auf das Ausschreibungsmodell vor: Ab 2017 soll der Preis für Strom aus Erneuerbaren Energien nicht mehr per Gesetz geregelt, sondern durch Ausschreibungen ermittelt werden. Nicht alle sind davon begeistert.

Vor allem kleinere Planer sind damit aus dem Rennen. Die geforderte Hinterlegung von 30.000 Euro pro Megawatt bedeutet für weniger kapitalintensive Unternehmen das Aus. Auch Bürgerwindparks werden damit vermutlich ausgebootet.

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„Wenn die Bundesregierung keine Ausnahmeregelung für kleinere Windparks und Bürgerwindinitiativen zulässt, kann sich der Onshore-Markt deutlich in Richtung großer Investoren verschieben“, prognostiziert Björn Nullmeyer, Vorstand der Bremer Landesbank, die deutschlandweit führend bei der Finanzierung von Onshore-Projekten sind.

Nullmeyer befürchtet, dass vor allem der Mittelstand auf der Strecke bleibt - dabei trägt dieser bislang die Energiewende. Denn geht es bei der Errichtung eines Windparks lediglich um den günstigsten Anbieter, werden aus Sicht des Bankers vor allem große Versorgungsunternehmen zum Zuge kommen.

Mittelfristig könne dies durch eine Veränderung der Akteursstruktur auch erhebliche Auswirkung auf das Neugeschäftspotenzial der Bremer Landesbank als Mittelstandsfinanzierer haben, macht Nullmeyer deutlich. Im Klartext wäre dies das Ende einer ganzen Branche.

Hermann Albers, Präsident des Bundesverband WindEnergie (BWE) fordert daher, dass Windparks mit bis zu sechs Anlagen und einer Leistung von bis zu sechs Megawatt weiterhin über den EEG-Einspeisetarif vergütet werden. Ohne Ausschreibungen. Das EU-Recht lasse eine solche Ausnahme zu.

Der mit dieser Maßnahme von der Regierungskoalition angestrebte höhere Wettbewerb und eine Senkung der Vergütungssätze hätten sich in anderen Ländern nicht bestätigt, betont Bankkaufmann Nullmeyer: „Unser Appell ist, bei Onshore-Windkraft nicht den gleichen Fehler wie bei Photovoltaik und Biomasse zu machen und Investitionsanreize nahezu vollständig abzuschaffen.“ Er befürchtet, dass sonst die Energiewende in Deutschland massiv ausgebremst werde, da sich gerade die Akteursvielfalt als ein maßgeblicher Treiber und Akzeptanzfaktor herausgestellt habe.

Der Heimatmarkt entscheidetAuch der BWE zeigt wenig Begeisterung für das neue Modell. „Wir glauben nach wie vor, dass ein Ausschreibungssystem nicht den optimalen Rahmen bietet, um Akteursvielfalt und Kosteneffizienz zu erreichen“, so Albers. Die Bundesregierung sollte gerade jetzt, wo Deutschland einen starken Mittelstand und eine exportstarke Industrie benötige um alle Herausforderungen zu stemmen, die Kraft der Branche nicht zu sehr strapazieren. „Unser Land braucht eine robuste Wirtschaft. Um leistungsfähig zu sein, brauchen wir als Basis für den im Export zu realisierenden volkswirtschaftlichen Gewinn einen Heimatmarkt der funktioniert."

Der Heimatmarkt sei entscheidend, sagt Albers: "Die Windbranche – die 70 Prozent im Ausland erwirtschaftet, mit durchschnittlich 7,5 ct/kWh für Preisstabilität beim Strom sorgt und heute mehr als 140.000 Menschen einen sicheren und fair bezahlten Arbeitsplatz bietet, will ihren Beitrag leisten“, macht Albers deutlich. „Die Bundesregierung steht mit dem von ihr favorisierten Systemwechsel am Scheideweg: Es kann Gelingen – wenn der Rahmen stimmt. Es kann genauso gut scheitern, wenn Stellschrauben überdreht werden.“

Auch Andreas Nauen zeigt sich noch zurückhaltend. „Die internationale Erfahrung zeigt, dass intransparente Prozesse, zu geringe Ausschreibungsvolumina oder zu hohe Anforderungen wie local content, die Teilnahme oder spätere Realisierung für Projekte erschweren“, so der CEO von Windenergieanlagenhersteller Senvion. Nauen fordert, mit „Bedacht und im Austausch mit der Branche“ das Ausschreibungssystem zu gestalten.

Chance für große AnbieterNicht alle sehen darin einen Nachteil: Da einige Wettbewerber aus dem Markt gedrängt werden, bietet es für größere Unternehmen wie Energiekontor auch eine Chance für zusätzliche Aufträge. Unter anderem geht die Entwicklungs- und Betreibergesellschaft dafür Kooperationen mit größeren Stadtwerken oder Stadtwerkeverbünden ein. „Wir erschließen uns dadurch neue Märkte und Standorte“, so Dr. Stefan Eckhoff, Head of Investor Relations. Auch mit kleineren Entwicklern wollen die Bremer gemeinsam ins Rennen gehen.

Ganz so einfach wird es aber auch für Energiekontor nicht. „Wir stellen uns auf Effizienzmaßnahmen ein und checken die gesamte Wertschöpfungskette durch“, so Eckhoff. Eine Optimierung in der Finanzierung sei eine weitere Maßnahme. Und er macht auch deutlich, dass der Margendruck weitergegeben werde. „Die Konkurrenz um Flächen wird bleiben. Der Wettbewerb um Preise und Stromgestehungskosten kommt hinzu“, so der Manager. Wie sich das entwickelt, weiß noch keiner so genau. Positiv bewertet Eckhoff, dass Genehmigungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz vorliegen müssen - „das bedeutet, dass nur seriöse Anbieter in die Ausschreibung reingehen“. Auch das Hinterlegen einer Sicherheit begrüßt er. „Das erhöht die Ernsthaftigkeit der Anbieter.“

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