Stromspeicher: Diese vier Projekte weisen den Weg in die Zukunft

Stromspeicher: Diese vier Projekte weisen den Weg in die Zukunft

von Wolfgang Kempkens

Vier Projekte zeigen, dass Stromspeicher marktreif sind. Damit startet ein neues Kapitel der grünen Stromversorgung.

Auch wenn andere Staaten weit weniger Probleme mit überschüssigem Wind- und Solarstrom als Deutschland haben: In Sachen Speicherbau denken manche der dortigen Stromversorger weit voraus. Der britische Netzbetreiber UK Power Networks beispielsweise lässt gerade die größte Batterie Europas bauen, um Strom zwischenzuspeichern.

Sie wird eine Leistung von sechs Megawatt haben und zehn Megawattstunden Strom speichern können. Was nicht sonderlich viel ist. So viel Strom  produziert eine Großwindmühle in einer Stunde. Zur Überbrückung von kurzzeitigem Strommangel, der die Qualität des Netzes beeinträchtigt und auf Grund schwankender Frequenzen elektronische Geräte sogar zerstören kann, ist die Batterie dennoch in der Lage.

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UK Power Networks investiert umgerechnet rund 15 Millionen Euro in den Speicher, spart umgekehrt aber fast sieben Millionen Euro in andere Systeme zur Stabilisierung des Netzes, etwa die zeitweise Drosselung der Produktion fossiler Kraftwerke. Realisiert wird der Speicher von S&C Electric Europe, Samsung SDI und dem Berliner Unternehmen Younicos.

Halb so groß wie der britische Speicher ist ein Batteriepark, den Younicos und Samsung für den Stromversorger Wemag in Mecklenburg-Vorpommern errichtet.

SchwerinInsgesamt 25000 Lithium-Ionen-Batterien werden in der Landeshauptstadt Schwerin zusammengeschlossen. „Jedes Megawatt an installierter Batterieleistung ersetzt das Zehnfache an sonst für die stabile Stromversorgung benötigter konventioneller Kraftwerksleistung”, sagt Younicos-Gründer Clemens Triebel. Auch das spart wiederum Geld.

Wie lange genau die Speicher allerdings brauchen, bis sich die Investition gelohnt hat, geben die Unternehmen noch nicht bekannt. Fakt ist aber: Je mehr Grünstromanlagen am Netz hängen, desto rentabler werden die Speicher. Im September nächsten Jahres soll der Wemag Speicher in Betrieb gehen. Rein rechnerisch liefern die Wind- und Solarkraftwerke im Bereich der Wemag, die derzeit eine Kapazität von 800 Megawatt haben, 2014 rund 100 Prozent des Stroms, den die Wemag-Kunden verbrauchen.

New YorkEin paar Nummern größer ist ein Speicher, der in Stephentown im US-Bundesstaat New York läuft. Stolze 20 Megawatt kann er aufnehmen, allerdings nicht in Batterien, sondern in 200 Schwungrädern. Smart Energy Matrix nennt Matthew Lazarewicz, Cheftechniker des US-Unternehmens Beacon Power, das sich mittlerweile von der Insolvenz erholt hat, die unmittelbar nach Fertigstellung der Speicheranlage Ende 2011 hereinbrach (siehe Aufmacher-Grafik).

Jetzt plant das Unternehmen, einen gleich großen Speicher in Hazle im Bundesstaat Pennsylvania zu errichten. Umgerechnet rund 37 Millionen Euro soll die Anlage kosten.

Das Schwungrad der Smart Energy Matrix dreht sich reibungsfrei in einer senkrecht stehenden luftleeren Hülle, die etwa zwei Meter hoch ist. Es wird auf bis zu 16000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt. Die Oberfläche des Rades erreicht dann doppelte Schallgeschwindigkeit. Am Unteren Ende der Achse befindet sich der Elektromotor, der das Schwungrad antreibt, wenn überschüssiger Strom vorhanden ist.

Bei Strommangel wird der Motor in den Generator-Modus umgeschaltet. Der Schwung treibt ihn dann an und erzeugt Strom. Schwungradspeicher reagieren genauso schnell auf Stromschwankungen wie Batterien, sollen aber preiswerter sein, weil sie eine längere Lebensdauer haben.

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