Stromspeicher: Weltweit größtes Off-Grid-Batteriesystem entsteht in Ruanda

Stromspeicher: Weltweit größtes Off-Grid-Batteriesystem entsteht in Ruanda

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Noch nicht Ruanda, sondern Deutschland, aber so sehen die fertigen Speicher-Container aus. (Foto: Tesvolt)

von Angela Schmid

Zwei deutsche Unternehmen versorgen ein Landwirtschaftsprojekt in Ruanda mit einem autarken Solarstrom-System.

In vielen Regionen gibt es keine zuverlässige Stromversorgung - in Ruanda beispielsweise fällt der Strom drei-, viermal täglich aus. Gerne auch mal für eine halbe Stunde. Eine private Stiftung will das ändern. Zwar ist ihr Name nicht bekannt, wohl aber die Unternehmen, die das Problem lösen sollen.

Zwei deutsche Unternehmen sollen ein Inselnetz aufbauen, das nicht ans Stromnetz gekoppelt ist. Damit können dann Wasserpumpen eines Landwirtschaftsprojektes weiter betrieben werden. Das soll die Lebensbedingungen von rund 2.000 Bauern verbessern, die heute in Armut leben.

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Der Strom wird von einem 3,3 Megawatt (MW)-Solarkraftwerk erzeugt und in einem Lithium-Speichersystem mit einer Gesamtkapazität von 2,68 Megawattstunden (MWh) gespeichert, der bei Netzausfall sofort die Leistung aller Wasserpumpen von insgesamt bis zu drei MW liefern muss.

"In der Nacht kann der Speicher bei voller Last zirka 45 Minuten Notstrom bereitstellen - länger dauert ein Stromausfall nicht - tagsüber bildet er das Inselnetz und federt Spitzenlasten der Wasserpumpen bei zu wenig Sonnenschein ab", erklärt Simon Schandert, Technischer Geschäftsführer von Tesvolt, der den Speicher dafür erstellte.

Leistungsfähiger Speicher nötig

"Nur ein sehr leistungsfähiger Off-Grid-Speicher kann bei Netzausfall mehrmals am Tag den benötigten Notstrom liefern", betont Schandert. Der Wittenberger Batteriehersteller hat dafür einen Speicher entwickelt, der Batteriezellen mit prismatischer Form verwendet. Die besondere Bauform und die chemische Zusammensetzung der Zellen ermöglichen die hohe Entladegeschwindigkeit, die notwendig ist, um den hohen Strombedarf der Wasserpumpen decken zu können.

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Hier werden die Batterien für Ruanda gefertigt. (Foto: Tesvolt)

Für die gleichzeitig hohe Lebensdauer der Speicher sorgt eine intelligente Steuerung jeder einzelnen Zelle. Den laufenden Betrieb überwacht das Batteriemanagementsystem von Tesvolt zellgenau. Eine schadhafte Zelle wird bereits erkannt, bevor sie komplett ausfällt. Ist eine Zelle defekt, muss lediglich die betroffene Zelle ausgetauscht werden und nicht wie bei konventionellen Speichersystemen der kompletten Akkublock. Eine wichtige Voraussetzung, da das System nicht nur günstig, sondern die technische Lösung für die örtlichen Farmer so einfach wie möglich zu bedienen und zu warten sein sollte.

Insgesamt 134 Lithium-Speicher liefert Tesvolt fertig montiert. "Die größte Herausforderung war, ein dezentrales Speichernetz aufzubauen, das die 44 Pumpen unabhängig voneinander mit Strom versorgt", erklärt Schandert. Der Vorteil des dezentralen Systems ist: Fällt ein Speicher aus, laufen die anderen weiter. "Ein komplexer Zentralspeicher kam also nicht in Frage, denn würde er ausfallen, könnte eine landwirtschaftliche Fläche von mehr als 1.200 Hektar nicht weiter bewässert werden, was zu Ernteausfällen führen könnte", erklärt der Projektleiter.

In einem Land wie Ruanda mit Sonnengarantie ist der regenerativ erzeugte Strom nach Berechnungen von Tesvolt nur halb so teuer wie der eines Notstrom-Dieselaggregats. Schandert: "Außerdem werden in dem Projekt dank PV und Batteriespeicher mehr als 3.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart."

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