Stromspeicher: Wird Puerto Rico Vorbild für die deutsche Energiewende?

Stromspeicher: Wird Puerto Rico Vorbild für die deutsche Energiewende?

von Wolfgang Kempkens

Puerto Rico will die Energiewende im Schnelldurchgang - und schreibt deshalb Stromspeicher für Solaranlagen vor.

An wolkigen Tagen fallen häufig Schatten auf große Solarkraftwerke und kleine Anlagen auf den Dächern. Abrupt sinkt dann die Stromproduktion, und ebenso abrupt fährt sie wieder hoch, wenn die Wolke weitergezogen sind. Ähnlich wirken sich Böen auf Windkraftwerke aus, oder regionale Veränderungen des Windangebots.

Das Stromnetz muss die Schwankungen auffangen, vor allem mit Hilfe von Kraftwerken, die fossile Energieträger wie Erdgas verbrennen. Hinzu kommen Pumpspeischerkraftwerke oder Biogasanlagen.

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Ausgerechnet Puerto Rico, ein Land, das noch zur Dritten Welt gezählt wird, hat jetzt Mindeststandards festgesetzt, die die Schwankungen der Stromproduktion zumindest teilweise ausgleichen - und wird damit vielleicht zum Vorbild nicht zuletzt für Deutschland.

Jedes neue Solarmodul in dem Land wird mit einem Speicher ausgestattet, der zwei Aufgaben erfüllen muss: Zum einen muss er eine so große Kapazität haben, dass er eine Minute lang 45 Prozent des Stroms produzieren kann, den die Anlage bei Volllast schafft. Damit sollen kurzzeitige Ausfälle, etwa durch Wolken, ausgeglichen werden.

Außerdem müssen die Speicher so dimensioniert sein, dass sie zehn Minuten lang 30 Prozent der Produktion der zugehörigen Anlage ersetzen können. Das hilft, die dort bei 60 Hertz liegende Frequenz des Wechselstroms zu stabilisieren – in Europa sind 50 Hertz üblich. Die Kosten für die Installation von Fotovoltaikanlagen steigen dadurch um etwa 15 Prozent.

Puerto Rico will Energiewende im SchnellgangDie Regierung in dem mittelamerikanischen Land plant, den derzeitigen Anteil der erneuerbaren Energien von heute einem Prozent noch in diesem Jahr auf sechs Prozent zu steigern. Dazu ist ein Zubau von 600 Megawatt nötig. Zum Vergleich: In Deutschland liegen die Zuwachsraten für erneuerbare Energien pro Jahr zwischen einem und zwei Prozent.

Ein Jahr lang haben die Projektierer auf die Rahmenbedingungen gewartet, ebenso wie Speicheranbieter wie Saft, der französische Energieriese, der schon in Puerto Rico vor Ort ist. Auch die Netzbetreiber reiben sich die Hände, weil ihnen auf mittlere Sicht eine Sorge genommen wird.

In Mittelamerika, dessen Stromnetze ebenso wie die fast aller Staaten der Welt von zentralen Großkraftwerken gespeist werden, gilt die Vereinbarung zwischen den Projektierern von Erneuerbare-Energie-Anlagen, Speicheranbietern und Behörden als Modell. Vor allem Inselnetze wie das von Puerto Rico können davon profitieren, weil dort der Aufwand besonders groß ist, der zum Füllen von Stromlücken betrieben werden muss.

Zu den Unternehmen, die in Puerto Rico auf Basis der neuen Regelungen tätig werden wollen, gehört Xtreme Power aus Texas. Dessen Ingenieure bieten bereits Komplettsysteme aus Solaranlagen und Speichern an, die die Vorgaben erfüllen. Auch AES Energy Storage, einer der größten amerikanischen Speicheranbieter, schielt auf den mittelamerikanischen Markt.

Am Ende könnten die Speicher Geld sparenEbenso der schwedisch-schweizerische Konzern ABB und der französische Netz-Spezialist Schneider Electric. Saft-Manager Jim McDowall kann sich bereits über den ersten Auftrag freuen. Er beinhaltet die Nachrüstung eines bestehenden Solarkraftwerks mit einem Stromspeicher. Aber auch Windkraftanlagen gibt es schon mit integriertem Speicher, zum Beispiel von General Electric.

Für Deutschland wären die 15 Prozent Aufpreis für Grünstromanlagen angesichts der Debatte über steigende Strompreise auf den ersten Blick keine gute Nachricht. Denn die Kilowattstunde von Solarparks auf Freiflächen würde dann nicht mehr rund 9 Cent pro Kilowattstunde kosten, sondern über 10 Cent.

Allerdings: Auch der Strom, der zum Ausgleich der fallenden Leistung bei Solaranlagen durch Gas- oder Pumpspeicherkraftwerke bereitgestellt wird ist sehr teuer - im Extremfall kann er mehr als einen Euro pro Kilowattstunde kosten. Am Ende könnten die Verbraucher durch eine Vorgabe wir in Puerto Rico vielleicht sogar Geld sparen.

Dass aber nicht jede Solaranlage mit einem Speicher ausgerüstet werden muss, um die Stromversorgung zu sichern, zeigt der norddeutsche Stromversorger Wemag: Er plant derzeit für mehr als eine Million Euro den Bau einer Großbatterie, die Stromschwankungen ausgleicht.

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