Studie: 2035 werden 100 Millionen selbstfahrende Autos verkauft

Studie: 2035 werden 100 Millionen selbstfahrende Autos verkauft

von Matthias Streit

Knight Rider für alle: Autonome Autos werden künftig den Verkehr dominieren. Die Umwelt freut's.

K.I.T.T. wird Wirklichkeit. David Hasselhoffs intelligenter, sprechender schwarzer Pontiac aus der Serie Knight Rider war der Held der 80er Jahre. Er war einzigartig. Das wird sich in absehbarer Zeit aber ändern. Denn ab 2035 könnten jährlich knapp 100 Millionen autonome Autos verkauft werden. Sie fahren ganz von alleine - der Mensch am Steuer wird überflüssig.

Zu dieser Prognose kommt eine neue Studie der Marktforscher von Navigant Research. Zum Vergleich: Weltweit wurden 2012 gerade einmal 60 Millionen Autos produziert. In zwanzig Jahren sollen es 130 Millionen sein. Autonome Autos hätten dann mit einem Anteil von rund 75 Prozent die absolute Mehrheit auf dem globalen PKW-Markt. Heute gibt es nicht mehr als einige wenige Prototypen.

Anzeige

„Es kann schon sein, dass 2035 so viele fahrerlose Autos verkauft werden“, sagt Raúl Rojas, Professor für intelligente System und Robotik an der Freien Universität (FU) Berlin. „Allerdings bezweifle ich, dass deren Anteil an der Gesamtzahl aller PKW tatsächlich so hoch sein wird.“

Denn bis zur Massentauglichkeit müssen die selbstständigen Autos noch einige Hindernisse umkurven. Das Schwierigste: die Gesetzgebung. Bislang lässt kein Land der Welt völlig autonomes Fahren zu. Mindestens ein Mensch muss immer an Bord sein, um im Notfall einzugreifen. Das zu ändern, ist auch laut Navigant Research das dringendste Problem bei der Weiterentwicklung.

Wer haftet, wenn der Autopilot versagt?Das zweite Hindernis sind die Kosten für die Kunden. Hersteller verbauen moderne Technik immer erst in teuren Autos, bevor sie sie allmählich auf günstigere Modelle übertragen. Ob das bis 2035 schon passiert, ist fraglich.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach der Versicherung. Wer haftet, wenn zwei robotisch betriebene Fahrzeuge aufeinander knallen?

Ungeachtet der vielen ungeklärten Aspekte, setzt sich die Auto-Industrie hohe Ziele. Schon 2020 will etwa Nissan sein erstes autonomes Auto auf den Markt bringen. Andere Hersteller wie Daimler, Audi und VW entwickeln ebenfalls unter Hochdruck eigene Modelle. Das wohl populärste Beispiel ist Googles Quereinstieg in die Auto-Robotik.

Schon heute gibt es serienmäßig automatische Einparkhilfen, Warnsysteme für ungewollten Spurwechsel oder die Stau-Automatik bei Mercedes. In sieben Jahren, meint Rojas, wird der Autopilot für die Autobahn dann ausgereift sein.

Grün ans Ziel - nur nicht im eigenen AutoDie Intelligenz des PKW hat großes Potenzial: Sie macht den Straßenverkehr nicht nur sicherer, sondern auch noch umweltfreundlicher.

Sicherer, weil die Autos über Standortinformationen miteinander kommunizieren können. „An Kreuzungen wird es praktisch keine Unfälle mehr geben, weil jedes Auto ganz genau weiß, ob der Weg gerade frei ist oder nicht“, sagt Rojas. Zudem erkennen sensible Sensoren, wie etwa beim Elektrofahrzeug Navia, schon heute, ob sich Fußgänger oder Hindernisse in ihrem Weg befinden.

Umweltfreundlicher wird der Verkehr, weil autonome Autos den privaten PKW überflüssig machen. So könnten die Autos wie Taxis unterwegs sein, Menschen abholen und spontane Fahrgemeinschaften bilden. Ähnlich dem öffentlichen Nahverkehr ist es denkbar, die Dienste in einem Monatsabo zu kombinieren. Die Frage ist dann nur: Wenn niemand mehr Privat ein Auto besitzt, warum sollten dann immer noch so viele von ihnen verkauft werden?

Die ersten autonomen Fahrzeuge sind übrigens längst auch schon auf deutschen Straßen unterwegs. So zum Beispiel in Berlin, wo drei vom TÜV zugelassene Autos der „Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz“ von der FU-Berlin seit 2011 schon knapp 30.000 Kilometer zurücklegten. Im Rahmen des Projektes "Stadtpilot" hatte die Technische Universität Braunschweig bereits ein Jahr zuvor weltweit das erste autonomisierte Auto in den Stadtverkehr gebracht.

Und wie das aussieht, wenn niemand mehr fährt, zeigt dieses Video:

Folgen Sie Matthias Streit auf Twitter: @MatthStr

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%