Studie: Biotreibstoffe sind klimaschädlicher als Benzin

Studie: Biotreibstoffe sind klimaschädlicher als Benzin

von Birk Grüling

Biotreibstoffe stehen in der Kritik, weil sie der Produktion von Nahrungsmitteln Konkurrenz machen. Jetzt kommt ein weiterer Vorwurf hinzu.

Pflanzliche Biokraftstoffe aus Mais oder Soja galten lange als grüne Alternative zum Benzin. Zwar ist schon fast genauso lange klar, dass sie eine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion darstellen (Stichwort Tank gegen Teller). Aber ihre Befürworter argumentierten, dass sie umweltfreundlicher als Benzin oder Diesel seien – zwar nicht so sauber wie die Elektromobilität, aber immerhin.

Zwar sorgten schon früher Studien für erheblich Zweifel an dieser Behauptung. Eine aktuelle US-Studie könnte nun aber tatsächlich der letzte Sargnagel für den Biosprit aus Nahrungsmittelpflanzen sein.

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Demnach könnte aus Mais gewonnener Biotreibstoff auf kurze Sicht sogar für bis zu sieben Prozent mehr Treibhausgas-Emissionen sorgen als herkömmliches Benzin. Das berichtet ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Adams Liska von der Universität Nebraska im Fachjournal „Nature Climate Change“.

Die Erklärung für das auf den ersten Blick erstaunliche Ergebnis: Der in Biokraftstoffen enthaltene sogenannte Restkohlenstoff wird bei der Kraftstoffproduktion sehr schnell zu schädlichem Kohlendioxid. Wenn Bauern die Pflanzenreste auf den Äckern unterpflügen, dauert dieser Vorgang sehr viel länger.

Kritik lässt nicht lange auf sich wartenDiese Belastung fließt bisher nicht in die Klimabilanz der Biotreibstoffe ein, kritisieren die Forscher. Für ihre Studie haben sie den aus Mais-Rückständen stammenden CO2-Ausstoß des US-Corn-Belt mit Hilfe eines Computermodells simuliert. Dieses Gebiet erstreckt sich von Iowa über Indiana und Illinois bis Ohio, hier wird die Hälfte des US-Mais angebaut.

Unumstritten sind die Aussagen der Studie nicht. Von Vertretern der Biokraftstoff-Branche wurden die Ergebnisse schnell als „extremes Szenario“ oder sogar sinnlos kritisiert. Selbst die US-Umweltschutzbehörde EPA, mit 500.000 Dollar der wichtigste Geldgeber der Studie, ging auf Distanz.

Die Studie enthalte keine nützlichen Informationen, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Gleichzeitig wird auf ältere Studien verwiesen, denen zufolge Bioethanol bis zu 60 Prozent weniger Treibhausgase verursache als Benzin – jedenfalls bei einer klimaschonenden Herstellung.

Von diesem Ziel scheint man trotz intensiver Forschung aber in der Realität aber noch weit entfernt zu sein, wie auch andere Studien zeigen. Die Kritik scheint deshalb eher ein Rückzugsgefecht für eine sterbende Branche zu sein.

Klimafreundlichkeit schon länger fraglichNeu sind die Bedenken bezüglich der klimafreundlichkeit bei Biosprit nicht. Schon 2009 wies das Londoner Institut für europäische Umweltpolitik darauf hin, dass Bioethanol schädlich fürs Klima sein kann. Die Begründung damals: Durch den steigenden Bedarf müssen weltweit riesige Flächen in zusätzliches Ackerland umgewandelt werden.

Die Forscher gingen dabei von einer weltweiten Biosprit-Quote von 9,5 Prozent bis 2020 aus, hergestellt aus Palmöl, Mais oder Weizen. Diese Quote orientiert sich an erklärten Zielen der EU-Staaten. Laut der Studie müssen dafür bis zu 69.000 Quadratkilometer Naturlandschaft kultiviert werden - das entspricht der doppelten Fläche von Belgien. Die Folge wäre eine Freisetzung von 56 Millionen Tonnen CO2 - das entspricht dem Wert, den eine Millionen sehr sparsame Autos auf der Strecke von 560.000 Kilometern ausstoßen würden.

Außerdem droht ein Anstieg der bodennahen Ozonwerte, wie eine Studie der University of Lancaster 2013 zeigte. Die Forscher simulierten dabei in einem Computermodell die Auswirkung des gestiegenen Bedarfs an Biosprit auf die europäische Umwelt.

Auch ihre Ergebnisse sind beunruhigend. Pro Jahr sterben etwa 22.000 Menschen durch hohe Ozonbelastung. Diese Zahl würde sich durch die neuen Werte noch einmal um 1.000 erhöhen, warnen die Wissenschaftler. Außerdem könnte der Ertrag von wichtigen Nahrungspflanzen wie Weizen um bis zu drei Prozent sinken.

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