Studie: Die entscheidenden Trends in der Autoindustrie

Studie: Die entscheidenden Trends in der Autoindustrie

von Felix Ehrenfried

Wo stehen Elektroautos in 20 Jahren, welche Trends müssen die Autobauer beachten? DIe Antworten liefern zwei aktuelle Studien.

Vor einigen Tagen trafen sich die Spitzen der Autoindustrie, Forscher und Politiker zum Elektromobilitätsgipfel in Berlin. Es wurde zwar viel geredet und nocheinmal bekräftigt, bis 2020 eine Millionen E-Autos auf die Straßen bringen zu wollen, aber konkret beschlossen in Bezug auf Infrastruktur und Kaufprämien wurde ersteinmal nichts. Wo es in Zukunft mit der Elektromobilität hingehen wird, versuchen dagegen zwei aktuelle Studien des Fraunhofer-Institutes für System- und Innovationsforschung (ISI) aufzuzeigen.

Die erste Studie ist mit "Zukunft der Automobilindustrie" (hier als PDF abrufbar) betitelt und behandelt die globalen Entwicklungen in der Automobilindustrie mit Fokus auf Deutschland.

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Die Automobilhersteller, schreiben die Forscher, seien eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft, würden doch hier ein Drittel aller Ausgaben für Forschung und Entwicklung getätigt und rund 351 Milliarden Euro (2011) jährlich umgesetzt. Doch die Branche befindet sich im Wandel und steht vor großen Herausforderungen, vor allem durch die zunehmende Verknappung fossiler Energieträger. Daher erkennen die Forscher für die Zukunft mehrere Trends. Der wohl überraschendste:

Während Geländewagen und SUVS wie der BMW x5 oder Porsche Cayenne derzeit noch hoch im Kurs stehen, dürfte sich das in Zukunft ändern. Die Entwicklung geht hin zu kleineren Karossen „Trotz der Positionierung als Premiumhersteller sollte die deutsche Automobilindustrie zukünftig ihr Produktportfolio auch um neue Klein(st)fahrzeugkonzepte ergänzen“, heißt es in der Studie. Gute Beispiele, wie sich Premium und klein- und mittelgroße Wagen kombinieren lassen, seien der BMW Mini oder der VW Golf.

Neue Antriebskonzepte, Materialien und GeschäftsmodelleNeben diesem Trend werden Autohersteller künftig auch noch stärker auf Carsharing setzen, als ohnehin schon (Daimler zum Beispiel ist mit Car2Go am Start, BMW mit DriveNow) und auch E-Bikes rücken verstärkt ins Angebot der Automarken.

Daneben sieht die Studie auch noch zwei Trends, die weniger überraschend sind: Die Hersteller müssen künftig stärker in neue Antriebskonzepte, wie Hybrid-oder Wasserstoffantriebe, investieren. Außerdem gewinnen zunehmend leichtere Materialien zum Beispiel für Karosserien Bedeutung, da diese erheblich zu Energieeinsparungen beitragen können.

So lägen in der Entwicklung effizienter Fahrzeuge und alternativer Antriebe die größten Herausforderungen in den nächsten zwei Jahrzehnten. Das Problem dabei: Die deutschen Autobauer liegen in Sachen effiziente Verbrennungsmotoren zwar weltweit an der Spitze, geht es aber um Elektro-oder Hybridantriebe sind sie mehr Nachahmer als Innovator. Hier muss nachgebessert und insbesondere die Entwicklung neuer leistungsfähiger Akkus in Deutschland vorangetrieben werden.

Das ist interessant, hat Deutschland hier bisher nur recht wenig Kompetenz und gibt die Produktion und Entwicklung häufig an Batterieexperten im Ausland, vor allem im asiatischen Raum, ab. Dennoch sind leistungsfähige Akkublocks made in Germany kein Wunschtraum: „Technologisch dürfte die deutsche Automobilindustrie in Zusammenarbeit mit der sehr gut positionierten deutschen Materialforschung dazu in der Lage sein.“

Was die Elektromobilität in der Gesellschaft bewirktDie zweite Studie trägt den Titel "Konzepte der Elektromobilität und deren Bedeutung für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt" (hier als PDF). Die Forscher führen hier fort, was sie auch schon in der ersten Studie ansprechen: "Der Batteriezelle kommt eine Schlüsselrolle bei der technologischen Entwicklung zu", schreiben sie. Einmal aufgrund ihres hohen Anteils an den Fahrzeugkosten und zum anderen, weil die Reichweite der Stromer durch die jeweilige Batterietechnologie und deren Energiedichte entscheidend bestimmt wird.

Doch auch wenn es große Fortschritte in der Batterietechnik geben sollte: Ersteinmal werden wohl hybride Antriebslösungen mit einer Mischung aus Elektro- und Verbrennungsmotor dominieren, schreiben die Forscher. Mit ihnen könnten Befürchtungen der Nutzer hinsichtlich eingeschränkter Reichweite entkräftet und der Einsatzbereich heutiger Pkw nahezu vollständig abgedeckt werden.

Das aktuelle Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Millionen Elektroautos auf den Straßen zu haben, halten sie trotz der positiven Einschätzungen der Hybride für problematisch: "Unter den aktuellen Rahmenbedingungen und ohne deutliche Kauf- oder andere Anreize, scheint dieses Ziel nur schwer erreichbar zu sein." Andere Länder fördern den Verkauf von E-Autos finanziell oder durch andere Privilegien. In Norwegen darf man als Besitzer eines Stromers beispielsweise die Busspur mitbenutzen, wer in Kalifornien einen Wagen der E-Autoschmiede Tesla kauft, kann auf bis zu 10 000 US Dollar (ca. 7 500 Euro) staatliche Unterstützung zählen.

Verbesserungspotenzial in Sachen UmweltfreundlichkeitWenn es den Herstellern gelingt, E-Autos in Zukunft weiter zu etablieren, könnte das immerhin gut für die heimische Wirtschaft sein. Die Beschäftigung durch die Entwicklung und Herstellung von Stromern könnte bis 2030 in Deutschland um 0,6 Prozent und das Wirtschaftswachstum um 0,8 Prozent steigen, so die Berechnungen der Forscher.

Und wer wird in Zukunft E-Autos fahren? "Unter den privaten Käufern erscheinen Zielgruppen aussichtsreich, die sich durch Technikaffinität, Interesse an einem besonderen Fahrzeug und nicht zuletzt an umweltschonendem Fahren auszeichnen." Diese würden vor allem in kleineren Städten oder auf dem Land leben. Stadtbewohner, von anderen Experten als Hauptzielgruppe für Elektroautos gesehen, haben nach Einschätzung der ISI-Fachleute nur wenig Interesse an den Stromern. Sie würden eher auf Sharingangebote oder öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen.

Mit ihrer Studie zeigen die Forscher, wie komplex das Thema E-Mobilität ist. Die Preise liegen hoch, die ökologischen Vorteile sind derzeit noch nicht klar und auch ob sich alternative Antriebe durchsetzen, ist schwer zu bewerten. Dennoch schauen die Experten des Fraunhofer-Institus positiv in die Zukunft: "Auf lange Sicht bietet die Elektromobilität bedeutsame ökologische Vorteile wie auch wirtschaftliche Chancen."

 

 

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