Studie: Elektroautos sind umweltfreundlicher – wenn der Strommix stimmt

Studie: Elektroautos sind umweltfreundlicher – wenn der Strommix stimmt

Der Bau von Elektroautos ist wenig umweltfreundlich - der Betrieb aber schon, vor allem mit Ökostrom.

James Cameron hat einen, auch Morgan Freeman und Will Smith sind in einem unterwegs, und in Jay-Z's Garage steht er auch schon: Viele Promis schmücken sich mit dem Besitz eines schicken Tesla Model S und stellen so ihr großes Herz für die Umwelt zur Schau. Ob Elektroautos aber wirklich das Klima schonen, ist umstritten. (Auch wir haben uns die Frage an dieser Stelle schon einmal gestellt.)

Eine Studie der Union of Concerned Scientists, einem Zusammenschluss amerikanischer Wissenschaftler und Ingenieure, kommt nun zu dem Ergebnis, dass sich Tesla und Co durchaus positiv aufs Klima auswirken – immer noch mit der Einschränkung, dass dazu auch der Strommix stimmen muss.

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Dafür haben die Autoren der Studie die beiden gängigsten E-Modelle auf dem amerikanischen Markt, den Nissan LEAF und das Model S von Tesla, mit Verbrennungs-Autos derselben Klassen verglichen. Dabei stellten sie zwar fest, was viele Kritiker am Elektrohype bemängeln: Die Elektroautos verursachen bei der Herstellung mehr Kohlendioxid als ihre fossilen Pendants.

Diesen Mehrausstoß machen sie durch den wesentlich umweltfreundlicheren Betrieb während einer typischen Lebenszeit von 15 Jahren aber wieder wett – und zwar deutlich. Sowohl der Nissan LEAF als auch der Tesla S ersparen der Atmosphäre beim derzeitigen amerikanischen Strommix insgesamt rund 50 Prozent Kohlendioxid im Vergleich zu fossil angetriebenen Autos. Zwischen sechs und 16 Monaten dauere es, bis sie den Rückstand eingeholt hätten.

Akkus ziehen die Öko-Bilanz runter

Der etwas größere Klima-Fußabdruck bei der Produktion der Elektroautos ist laut der Studie vor allem auf die Herstellung der Akkus zurückzuführen. Während sich die sonstigen Bauteile, also etwa Karosserie und Interieur, bei beiden Antriebsarten ähnelten, fielen vor allem Gewinnung, Transport und Verarbeitung der in den Akkus verbauten Metalle wie Lithium, Kobalt und Nickel ins Gewicht.

So bläst eine Fabrik bei der Fertigung eines Nissan LEAF etwa eine Tonne mehr CO2, bei einem Tesla S, dessen Akku fast doppelt so schwer ist, sogar sechs Tonnen mehr CO2 in die Luft, als bei den entsprechenden Verbrennern. Die Macher der Studie gehen davon aus, dass sich diese Werte mit effizienteren Batterien, grünerem Strom und dem Recycling gebrauchter Batterien künftig weiter verbessern werden.

Sobald sie vom Band gerollt sind, holen die E-Mobile rasant auf: Anders als bei herkömmlichen Autos, die auf den Straßen etwa die neunfache Menge im Vergleich zur Herstellung ausstoßen, kommt bei Elektroautos Stand heute nur noch die doppelte Menge Kohlendioxid durch den Stromverbrauch hinzu.

Wind- und Wasser machen Elektroautos grünerUm den Benzin mit Strom in Bezug auf die Umweltverträglichkeit vergleichen zu können, haben die Autoren die Strecke berechnet, die ein Elektro-Auto fahren kann, bis es durch den Stromverbrauch so viel CO2 in die Luft geblasen hat, wie beim Verbrennen einer Gallone Benzin frei wird. Je umweltfreundlicher der Strom produziert wird, desto weiter kommt also das Elektroauto bei gleichem Ausstoß.

Überträgt man diese Überlegung in europäische Maßeinheiten, würde ein mit reinem Solarstrom geladenes E-Mobil nur noch 0,68 Liter Benzinäquivalente pro hundert Kilometer ausstoßen. Mit reinem Windstrom wären es nur noch 0,1 Liter und mit Wasserkraft sogar nur 0,05 Liter. Ein durchschnittlicher Wagen mit Verbrennungs-Motor, wie er heute in den USA zugelassen wird, verbraucht immerhin etwa 8,3 Liter pro hundert Kilometer.

Das saubere Fahren hakt derzeit also vor allem am Strom-Mix. Erst rund 13 Prozent des amerikanischen Stromes kamen im vergangenen Jahr aus Erneuerbaren, in Deutschland immerhin über 25 Prozent. So dürfte die Elektro-Bilanz hier zwar schon etwas besser ausfallen. Wer aber sofort mit reinem Gewissen fahren und das Potenzial moderner Elektroautos ganz ausschöpfen möchte, muss zu einem Ökostrom-Tarif wechseln oder den selbst produzierten Solarstrom verfahren. Woher Jay-Z, Will Smith und Co ihren Strom beziehen, ist allerdings nicht bekannt.

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