Studie: Ende des Jahres weltweit drei Millionen Carsharing-Nutzer

Studie: Ende des Jahres weltweit drei Millionen Carsharing-Nutzer

von Jürgen Rees

Nachhaltigkeit: Carsharing-Angebote von Daimler und BMW stehen in der Kritik - zu Unrecht, sagt eine Studie.

Wie nachhaltig ist Carsharing? - bisher dachten viele, die Antwort falle einfach. Eben weil man ein Auto mit anderen teilt, ist es sehr nachhaltig. Eine aktuelle Studie, die WiWo Green exklusiv vorliegt, bestätigt das im Grunde - aber nicht in der Weise, wie man vermuten würde. Aber der Reihe nach.

Bis zu einem Drittel der Nutzer von Carsharing-Angeboten wollen die Anzahl der Fahrzeuge in ihrem Haushalt reduzieren. Verzichten wollen vor allem die Nutzer sogenannter stationsbasierter Anbieter wie Flinkster, Stattmobil oder Cambio.

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Mit gut 20 Prozent etwas geringer, ist die Bereitschaft auf das eigene Auto zu verzichten bei den Nutzern sogenannter Free-Floating-Anbieter wie Car2Go (Daimler) und Drive Now (BMW). Diese Nutzer stellen ihr Mietauto irgendwo innerhalb des Verleihgebietes ab und müssen es nicht an eine Vermietstation zurückbringen. Die Anbieter sind praktisch ausschließlich in größeren Städten zu finden. Rund 14 Prozent der Carsharing-Nutzer haben bereits ein Auto im Haushalt abgeschafft.

Das sind Ergebnisse aus einer Befragung von 1200 Carsharing-Kunden in Deutschland durch das Automotive Institute for Management (AIM) an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden.

Kritik von UmweltschützernDie Studie platzt mitten in Debatte über die Nachhaltigkeit des Free-floating-Angebots von Car2Go und Drive Now. Kritiker behaupten, dass das Konzept letztlich darauf abziele, dem öffentlichen Nahverkehr und Taxen Kunden abzujagen.

Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe polterte in der Stuttgarter Zeitung: „Die nicht stationsgebundenen Carsharing-Konzepte der beiden großen Automobilhersteller sind ein Frontalangriff auf den öffentlichen Personennahverkehr und ökologischer Blödsinn.“ Sie vergrößerten die Umweltprobleme in den Städten und die Parkplatznot.

Hintergrund der Kritik dürfte auch der Erfolg der Automobilhersteller mit ihren Angeboten sein: Anfang des Jahres zählten die nicht stationsbasierten Konzepte von Daimler und BMW 183 000 registrierte Nutzer. Ob und wie viel Geld sie allerdings verdienen ist unklar. Das herkömmliche stationsbasierte Carsharing nutzten 270 000 Kunden. Die Wachstumsraten bei Mercedes und BMW sind groß.

Die Autoren der Studie gehen wiederum davon aus, dass die Freefloating-Angebote dem Carsharing zum Durchbruch verhelfen. „Der Carsharing-Markt ist von überdurchschnittlichen Wachstum geprägt“, sagt Studienleiter Tobias Schäfers. Die Anmeldezahlen in Deutschland sind hoch, deshalb erwarten die Autoren bis Ende 2013 einen starken Nutzeranstieg. Weltweit rechnet die Studie mit einem Zuwachs von heute 1,8 Millionen Carsharing-Nutzern auf rund drei Millionen. Derzeit gibt es in Deutschland rund 145 Carsharing-Anbieter in 343 Städten.

Die Befragung ergab auch, dass sich die Nutzungsdauer der beiden Carsharingformen deutlich unterscheidet: Fahrzeuge von stationsbasierten Anbietern werden zu 70 Prozent zwischen zwei und vier Stunden genutzt. Free-Floating-Angebote wie Car2Go oder Drive Now werden zu 90 Prozent für weniger als eine Stunde gebucht.

Wenn tatsächlich 14 Prozent der Nutzer ein Auto im Haushalt abgeschafft haben und bis zu einem Drittel planen, ein weiteres Fahrzeug abzuschaffen, wäre das sicher ein ökologischer Fortaschritt. Doch wirklich Klarheit schafft vermutlich erst die Studie zur Ökobilanz von Free-floating-Angeboten, die im Herbst folgen soll.

Korrektur 20. Juni, 13:30 Uhr: In einer früheren Version des Textes befand sich ein Fehler. Dort war die Rede von bis zu drei Millionen Carsharing-Nutzern bis Ende des Jahres in Deutschland. Die Zahl bezog sich aber auf die Nutzer weltweit. Wie viele Menschen Carsharing in Deutschland Ende des Jahres nutzen könnten, darüber macht die Studie keine Aussage. Auch die Überschrift des Artikels wurde entsprechend angepasst. Vielen Dank für die Hinweise der Leser!

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