Studie: Globale Energiewende spart 52.000.000.000.000 Euro bis 2050

Studie: Globale Energiewende spart 52.000.000.000.000 Euro bis 2050

von Benjamin Reuter

Eine Studie der Internationalen Energieagentur hat Kosten und Nutzen einer globalen Energiewende verglichen.

In Deutschland streiten Politik und Experten, Energiewende-Gegner und ihre Befürworter derzeit um Centbeträge. Betrug die EEG-Umlage, mit der Verbraucher und Teile der Wirtschaft die Energiewende finanzieren, im Jahr 2013 noch 5,277 Cent pro Kilowattstunde, waren es 2014 6,24 Cent für die Stromeinheit.

Seitdem der Anstieg im Herbst vergangenen Jahres bekannt gegeben wurde, ringen Medien, Politiker und Unternehmen um die Deutungshoheit des knapp einen Cents: Droht Deutschland als Wirtschaftsnation nun der Untergang oder handelt es sich bei der Energiewende-Umlage um eine lohnende Investition?

Anzeige

Investitionen von 1,2 Billionen Dollar pro Jahr nötigBei all dem alltäglichen Klein-Klein beim Thema Energiewende lohnt sich ab und an ein Blick auf die größeren Entwicklungen in etwas fernerer Zukunft. Genau das hat die Internationale Energieagentur (IEA) jetzt wieder in einem mit dem Titel "Energy Technology Perspectives" (Kurzfassung hier als PDF) überschriebenen, sehr lesenswerten Report getan (die Daten gibt es ausfürlich auch in einer Langfassung des Reports, hier als PDF).

Das vielleicht wichtigste Ergebnis des Reports: Die Umstellung des Energiesystems auf erneuerbare Energien (Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme und teilweise Biomasse) und strengere Effizienzvorgaben beim Energieverbrauch von Gebäuden und Fahrzeugen lohnen sich.

Das zeigen zwei Zahlen sehr eindrücklich. Um den Ausstoß an klimaschädlichem CO2 durch mehr Energieeffizienz und Erneuerbare um rund 70 Prozent bis 2050 zu senken, müsste die Weltgemeinschaft bis dahin 44 Billionen Dollar investieren (rund 32 Billionen Euro). Das Geld fließt einerseits in die Entwicklung und die Förderung spritsparender Autos, sowie von gänzlich sauberen Antrieben (Batterie- und Wasserstofffahrzeuge). Außerdem müsste sich die Energieeffizienz von Gebäuden stark steigern. Ein Teil der Investitionen kommt aber auch dem Ausbau der Erneuerbaren Energien zugute.

Den Ausgaben stünden aber enorme Einsparungspotenziale gegenüber, haben die IEA-Experten errechnet. Denn bis 2050 würden durch diese Maßnahmen 115 Billionen Dollar an Brennstoffkosten für Kohle, Öl und Erdgas eingespart. Am Ende stehen also knapp 71 Billionen Dollar (rund 52 Billionen Euro) auf der Guthaben-Seite.

Um die Zahlen einzuordnen: Die Staaten der Erde müssten künftig pro Jahr also rund 1,2 Billionen Dollar in den Umbau der Energieversorgung und der Mobilität investieren. Das Sozialprodukt der Weltgemeinschaft lag, laut IEA, 2012 bei 83 Billionen Dollar.

***

Nachtrag vom 21.5 zu den Berechnungen der IEA:

Grundlage für die Berechnungen sind Maßnahmen, die den CO2-Ausstoß weltweit soweit reduzieren, dass sich die Erderwärmung mit großer Wahrscheinlichkeit auf zwei Grad begrenzen lässt (die IEA bezeichnet das als 2DS-Szenario). Wie sich der Energieverbrauch in diesem Szenario entwickelt, lässt sich in der interaktiven Grafik unter diesem Link gut nachverfolgen.

Neben zahlreichen Daten ist in die Berechnungsmodelle der IEA auch die Entwicklung der Preise für die einzelnen Energieträger eingeflossen. Für fossile Energieträger sind das zum Beispiel: der Ölpreis sinkt bis 2050 auf 92 Dollar pro Barrel, gleichzeitig halbiert sich der Kohlepreis, die Preise für Erdgas sinken insgesamt leicht (Grund für die sinkenden Preise ist die geringere Nachfrage im 2DS-Szenario).

Gleichzeitig sinken auch die Kosten für die klimafreundliche Energieversorgung. Die Kosten je Einheit installierter Leistung sinken bei Solaranlagen zum Beispiel bis 2050 um zwei Drittel. Die Kilowattstunde würde dann in sonnenreichen Gegenden nur rund fünf US-Dollarcent pro Kilowattstunde kosten (ein Wert, der heute schon fast erreicht wird). Auch die Installationskosten für Atomkraft (um ca. zehn Prozent), Offshore-Windkraft (ca. 30 Prozent) und Onshore-Wind (ca. zehn Prozent) sinken.

Wichtig ist außerdem zu wissen: Die IEA betrachtet, welche Investitionen ohnehin in die Mobilitäts- und Energieinfrastruktur getätigt werden müssen und addiert dann die zusätzlichen Kosten und Gewinne durch klimafreundliche Technologien. Mehr noch als die saubere Energiererzeugung tragen die Effizienzgewinne zu den 52 Billionen Euro Einsparungen bei (ca. 38 Prozent). So darf beispielsweise der Verkehr im Jahr 2050 trotz 9,5 Milliarden Menschen auf der Welt und einem jährlichen Wirtschaftswachstum von drei Prozent nicht mehr Energie verbrauchen als im Jahr 2011.

Die einzelnen Zahlen sind in der Vollversion des Report Energy Technology Perspectives (368 Seiten) zu finden, der bei der IEA unter diesem Link bestellt werden kann. Er ist die ausführliche Version der beiden im Text verlinkten Artikel.

// !function(d,s,id){var js,fjs=d.getElementsByTagName(s)[0];if(!d.getElementById(id)){js=d.createElement(s);js.id=id;js.src="//platform.twitter.com/widgets.js";fjs.parentNode.insertBefore(js,fjs);}}(document,"script","twitter-wjs");//

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%