Studie: Vernetzte Autos bescheren der Industrie Milliardenumsätze

Studie: Vernetzte Autos bescheren der Industrie Milliardenumsätze

von Tobias Finger

87 Milliarden US-Dollar Umsatz bringen smarte Fahrzeuge bis 2030. Selbst fahren werden die Robo-Autos aber bis dahin nicht.

"Selbstfahrende" Autos sind in den kommenden 16 Jahren die Investitionsmöglichkeit schlechthin – jedenfalls wenn man einer neuen Studie der Analysten von Lux Research glauben mag. Demnach werden autonome Fahrzeuge und die darin verbauten Fahr-Assistenzsysteme den Herstellern bis 2030 geschätzte Einnahmen von 87 Milliarden US-Dollar (rund 64 Milliarden Euro) bringen.

Zum Vergleich: Im Jahr 2013 setzten deutsche Automobilbauer rund 360 Milliarden Euro mit ihren Fahrzeugen um.

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Besonders erfolgreich werden Lux Research zufolge Softwarehersteller sein, die 2030 mit 25 Milliarden US-Dollar Umsatz im Fahrzeugbereich rechnen können. Welche Software die Automobilkonzere nutzen, wird am Ende über ihre Stellung am Markt entscheiden.

Jeder möchte am Gewinn teilhabenAber nicht nur Softwareanbieter wie Google werden profitieren. Auch Hardwarehersteller wie zum beispielsweise Kameraspezialisten können auf satte Gewinne hoffen (schon jetzt verzichtet der VW XL1 auf Seitenspiegel und setzt auf Kameras).

„Die Wertschöpfungskette der autonomen Fahrzeuge etabliert sich bereits und sie schließt viele Unternehmen mit ein, die neu in der Industrie sind“, sagt Cosmin Laslau, Analyst bei Lux Research und Hauptautor des aktuellen Berichts.

„Sensorspezialisten wie Velodyne Lidar entwickeln Produkte mit beispielloser Auflösung, Software- und Big-Data-Unternehmen wie IBM und Google gehen Partnerschaften mit Automobilunternehmen ein und sogar Karten- und Konnektivitätsexperten wie Nokia und Cisco werfen ihren Hut in den Ring“, erklärt Laslau.

Besonders interessant dürfte für alle beteiligten Firmen der chinesische Markt werden. Mit 24 Milliarden US-Dollar wird dort künftig der größte Anteil der insgesamt 87 Milliarden US-Dollar Marktvolumen generiert.

Bis 2030 kein Knight-Rider auf den StraßenCosmin Laslau und sein Team teilen die autonomen Automobile in verschiedene Level ein. Auf Level 1 befinden sich herkömmliche Fahrzeuge. Fahrzeuge mit Level 2 sind mit bescheidenen Extras wie Spurhaltungs- oder -wechselassistent, abstandsgesteuerten Bremsen oder Abstandsregeltempomat ausgestattet. Das wird auf Level 3 noch durch neue, hochauflösende und vom Auto selbst generierte Karten ergänzt, wie sie von Google und Mercedes Benz bereits getestet werden. Level 4 beschreibt die vollkommene Autonomie eines Fahrzeugs.

Entgegen den Vorhersagen anderer Analysten wirft das Lux Research-Team einen eher pessimistischen Blick auf die Marktreife und Rasanz der Entwicklung von selbstfahrenden Autos.

Im realistischen Szenario werden im Jahr 2030 92 Prozent aller „selbstfahrenden“ Autos auf Level 2 sein, die restlichen 8 Prozent machen Level 3-Fahrzeuge aus. Demzufolge wird kein einziges wirklich autonomes Automobil (Level 4) bis dahin den Markt geentert haben. Im optimistischsten Planspiel, das rasante technische Entwicklungen voraussetzt, rechnen die Forscher mit rund 250.000 Level 4-Fahrzeugen, die 2030 abgesetzt werden könnten.

Auch wenn 2030 das eigene Auto noch nicht den Chauffeur ersetzt, so zeigen die Erkenntnisse von Lux Research doch recht deutlich, dass sich die Technologie auf einem guten Weg mit einer schnellen Entwicklung befindet. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Preise für Fahrzeuge mit zunehmender Autonomie steigen werden – weil viele Unternehmen für ihre Technikspielereien zusätzliche Gewinne einheimsen wollen – oder ob der Konkurrenzdruck die Kosten auf einem bezahlbaren Niveau stabilisiert.

Und noch etwas zeigt der Bericht: Vielleicht ist statt "selbstfahrender" oder "autonomer" Fahrzeuge – ein Begriff, der derzeit überall in den Medien und Reports auftaucht – die bescheidenere Bezeichnung  "vernetzte Autos" angebracht?

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