Studie: Weltweite Energiewende kommt langsam in Fahrt

Studie: Weltweite Energiewende kommt langsam in Fahrt

von Matthias Streit

Wind- und Solarkraft gewinnen massiv an Einfluss, die Kernkraft gerät ins Abseits. Dies sagt eine neue Studie der IEA.

Die Tage der Atommeiler in Deutschland sind gezählt und die erneuerbaren Energien sind auf dem Vormarsch. So in etwa lässt sich die Entwicklung hierzulande kurz zusammen. In Deutschland tragen erneuerbare Energien zur Stromerzeugung inzwischen schon rund 23 Prozent bei.

Insgesamt besitzen grüne Energieformen in den 34 OECD-Ländern laut der aktuellen Studie „Energy Balances of OECD Countries“ der Internationalen Energieagentur (IEA) einen Anteil von knapp 20 Prozent am Strommix.

Anzeige

Ergo: Nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit, scheint es mit der Energiewende voranzugehen.

Vor allem in den letzten Jahren ist die Produktion von Primärenergie aus erneuerbaren Ressourcen rasant gestiegen. Allein 2012 erzeugten Photovoltaik-Anlagen in der OECD 55 Prozent mehr Strom als noch im Vorjahr, bei der Windkraft waren es 13,2 Prozent Zuwachs.

Trendumkehr in SichtDiese Entwicklung bestätigt sich auch, wenn man nicht nur die Stromversorgung ansieht, sondern die gesamte Energieproduktion.

Seit 1971 hat sich hier der Anteil erneuerbarer Energien nahezu verdoppelt - von 4,8 auf neun Prozent. Damit liegen sie aber noch immer knapp hinter der Kernenergie. Nur mit dem Unterschied, dass diese ihren Anteil im gleichen Zeitraum verzehnfacht hat. Grund dafür war der Ölpreisschock 1973, der zu einem Boom bei Atom- und Kohlekraft führte.

Doch nun scheint sich der Trend langsam umzukehren. Nach dem Reaktorunglück in Fukushima haben Atomkraftwerke international stark an Bedeutung verloren. Seit dem Vorfall im März 2011 ist der Anteil der Kernkraft weltweit um 14,7 Prozent gesunken. In Japan ist er um 89 Prozent zurückgegangen und damit fast komplett eingebrochen.

Bezogen auf die letzten 40 Jahre verzeichnet allerdings auch die Wasserkraft Verluste. In der OECD wurde 1971 noch fast ein Viertel aller Elektrizität aus Hydrokraftwerken gewonnen. Bis 2012 sank der Anteil auf nur noch knapp 13 Prozent.

Grund genug für die IEA von einem "dramatischen" Bedeutungsverlust zu sprechen.

Ursachen sieht die IEA unter anderem in den begrenzenten geografischen Möglichkeiten, neue Wasserkraftwerke zu bauen. Die ertragreichsten Standorte seien schon in den siebziger Jahren größtenteils besetzt worden.

Die wenigen neuen Projekte erhöhen zwar die absoluten Zahlen der Stromerzeugung aus Wasserkraft, reichen aber längst nicht aus, um mit dem zunehmenden Energiehunger auf der Welt Schritt zu halten. Der Anteil von Wasserkraft in Deutschland lag 2012 bei gerade einmal 5,6 Prozent.

Öl verliert stark bei der Elektrizität, dominiert weiter TransportTatsächlich sind es den Ergebnissen der IEA zufolge aber immer noch die alten Bekannten, die den Löwenanteil der Energie liefern. Ganze zwei Drittel der Primärenergie stammen aus den fossilen Brennstoffen Öl, Gas und Kohle. Einen Wandel konstatiert die Studie jedoch in der Verwendung der Rohstoffe.

Die OECD-Länder verzichten etwa in der Elektrizitätserzeugung weitgehend auf Öl. Gerade einmal einen Anteil von 3,4 Prozent verzeichnet es in diesem Sektor, im Vergleich zu mehr als einem Fünftel 1971. Diesen Rückgang haben vor allem Gas (25,9 Prozent) und die Kernkraft (18,1 Prozent) ausgeglichen.

Auch im Gesamtbild schrumpfte der Stellenwert das Öls als Primärenergiequelle. Stellte es einst noch die Hälfte der Energie, ist es heute nur wenig mehr als ein Drittel.

Dies als klares Zeichen einer rapiden Energiewende zu interpretieren, wäre jedoch falsch. Denn an der Menge des geförderten Öls hat sich in den letzten Jahren nicht viel geändert. Laut einer Studie von BP hat sich die Ölproduktion in den OECD Ländern 2012 wieder auf 903 Millionen Tonnen erhöht. Dies ist ein Anstieg um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Punkten kann der Rohstoff insbesondere im Transportsektor. Dort dominiert das Öl den Markt weiterhin mit fast 94 Prozent. Die Zahl belegt aber nicht nur die Herrschaft auf dem Markt, sondern auch den Mangel an ökologischen Alternativen.

Zwar gibt es mittlerweile Hybrid- und Elektroautos, doch sind diese aktuell noch meilenweit von einem Durchbruch entfernt. Auf drei Millionen Pkw-Neuzulassungen kamen in Deutschland 2012 lediglich 24.000 Fahrzeuge mit alternativem Antrieb. Vom Frachtverkehr ganz zu schweigen. Hier hat die Energiewende noch einiges an Boden gut zu machen.

Ob erneuerbare Ressourcen in den nächsten vierzig Jahren deutlich Boden gut machen können, bleibt in jedem Fall fraglich. Schon vor gut zwei Wochen verbreitete eine Prognose des US-Energieministeriums Pessimismus für die Zukunft der grünen Energien. Darin hieß es unter anderem, dass der weltweite Energieverbrauch selbst 2040 noch zu 80 Prozent aus fossilen Brennstoffen gedeckt wird. Eins ist damit sicher: Den Klimawandel hält die Menscheit so nicht auf.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%