Studie zu Emissionen: Deutsche Klimaziele unerreichbar - wegen Braunkohle

Studie zu Emissionen: Deutsche Klimaziele unerreichbar - wegen Braunkohle

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Frimmersdorf, eines der älteren Braunkohlekraftwerke, dürfte von Ausstiegsplänen als eines der ersten betroffen sein - in den 20ern wird der Meiler ohnehin vom Netz gehen.

von Wolfgang Kempkens

Kohle oder Klimaziele - eine britische Studie zeigt, dass sich beide ausschließen. Ein Kompromiss wären höhere Preise für CO2-Emissionen.

Deutschland wird seine selbst gesteckten Klimaziele verpassen. Zumindest bei der Stromerzeugung werden 2030 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) zu viel ausgestoßen werden. Diese ernüchternde Prognose wagt das Energiemarktforschungsinstitut Aurora Energy Research aus dem britischen Oxford.

In einer Studie schlagen die Forscher deshalb Wege vor, wie das Ziel doch noch zu erreichen ist. Am besten und billigsten sei ein vorzeitiger Ausstieg aus der Kohleverstromung, empfehlen sie. Zunächst sollten Braunkohlekraftwerke stillgelegt werden. "Vergleichsweise effiziente" Steinkohlekraftwerke sollen vorerst von der Stilllegung ausgenommen werden.

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Die Verluste für die Betreiber der Braunkohlekraftwerke beziffern die Forscher für den Zeitraum 2017 bis 2030 auf 1,3 Milliarden Euro. Die lägen so niedrig, weil Kohlekraftwerke derzeit kaum Gewinne einfahren. Braunkohle trug 2015 mit knapp 24 Prozent zur Stromerzeugung bei. In diesem Jahr wird es ähnlich aussehen.

Allerdings träfe eine solche Maßnahme die Stromerzeuger unterschiedlich. RWE, ohnehin auf Sparkurs mit dem Plan, 1600 Mitarbeiter zu entlassen, wäre am härtesten betroffen. Alle Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier gehören dem Essener Konzern. Dort wird auch immer noch Kohle gefördert. Zuletzt mussten die Kommunen, die an RWE beteiligt sind, auf Dividenden verzichten - kaum vorstellbar scheint es da, dass die Politik den Konzern mit einem vorzeitigen Braunkohleausstieg weiter in die Enge treibt.

Ökonomen fordern Klimaschutz über CO2-Preise

Eine bessere Möglichkeit sehen die Forscher darin, den Preis für eine Tonne CO2 regional anzuheben. Dann lägen die Vermeidungskosten pro Tonne CO2 bei 21 Euro, bei einem teilweisen Ausstieg aus der Kohle bei 24 Euro. "Aus ökonomischer Sicht wäre ein europaweiter CO2-Preis die bevorzugte Variante zum Erreichen der Klimaziele", sagt Andreas Löschel, Professor für Energie- und Ressourcenökonomik an der Universität Münster und Mitglied des deutschen Beirats von Aurora.

"Allerdings müsste er über den derzeitigen europäischen Emissionshandel hinausgehen, weil dieser auf die weniger ehrgeizigen europäischen Einsparungsziele ausgerichtet ist. Zudem müsste der ambitioniertere Mindestpreis auf gesamteuropäischer Ebene vereinbart werden, sonst verschiebt sich ein erheblicher Teil der Emissionen in nicht teilnehmende Nachbarländer."

Auch ein Kohleausstieg birgt Risiken, obwohl er, wie die Forscher glauben, leichter durchzusetzen wäre als ein hoher Preis für Emissionsrechte – derzeit liegt dieser bei mageren 4,80 Euro. Deutschland, das 2030 im Aurora-Szenario bei gleich bleibendem Energiemix 24 Milliarden Kilowattstunden exportiert, müsste bei einem teilweisen Ausstieg aus der Kohle dann 17 Milliarden Kilowattstunden importieren, teilweise zumindest aus Ländern mit niedrigerem Umweltstandard.

"Das mindert den Klimaschutzeffekt der Maßnahme um rund 40 Prozent, wodurch sich die Kosten pro wirklich vermiedener Tonne von 24 Euro auf 39 Euro erhöhen", sagt Manuel Köhler, einer der Studienautoren und Leiter von Aurora Energy Research in Deutschland. Am teuersten sei die Erreichung der 2030-Ziele durch den Bau von zusätzlichen Erdgaskraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung, die zwar zusätzlich zu Emissionseinsparungen im Wärmesektor führen, aber hohe Investitionen in Kraftwerke und Fernwärme-Infrastruktur erfordern würden, sagen die Autoren der Studie. Die Vermeidungskosten lägen bei 83 Euro pro Tonne CO2. Einen Königsweg sehen sie nicht, es sei denn, Europa kann sich zu einem gemeinsamen Handeln in puncto Klimaschutz entscheiden.

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