Studien zur E-Mobilität: Laden über Nacht kann umweltschädlich sein

Studien zur E-Mobilität: Laden über Nacht kann umweltschädlich sein

von Peter Vollmer

E-Autos in der Nacht zu laden kann sinnvoll sein - wenn der Strom von Erneuerbaren kommt.

Eigentlich eine kluge Idee: Nachts, wenn weniger Strom gebraucht wird, kann man sein Elektrofahrzeug laden. Das stabilisiert beispielsweise die Netze, weil so tagsüber weniger und nachts mehr Strom verbraucht wird – die Nachfrage verteilt sich besser. Verbraucher könnten deshalb sogar von günstigeren Tarifen profitieren.

Allerdings hat nun ein US-Forscherteam herausgefunden, dass das Laden in der Nacht alles andere als umweltfreundlich ist. Zumindest in den USA. "Wir haben uns angeschaut, wie Kraftwerke auf das Laden elektrischer Fahrzeuge reagieren würden", erklärt Professor Jeremy Michalek. Der Ingenieur forscht an der Carnegie Mellon University im US-amerikanischen Pittsburgh.

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Er habe mit seinem Team die Kraftwerksemissionen nachmodelliert und die resultierende Luftverschmutzung und ihre Folgen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt angeschaut: "Dabei haben wir herausgefunden, dass das nächtliche Laden die Stromerzeugungskosten um ein Viertel oder sogar ein Drittel reduzieren kann", rechnet er vor. "Das liegt daran, dass man zu billigen Kohlekraftwerken wechselt." Doch das wiederum hat negative Folgen: Die zusätzlichen Emissionen, die dadurch entstehen, würden 50 Prozent höhere Kosten für Gesundheit und Umwelt verursachen.

Im Journal "Environmental Science & Technology" schaute er sich mit Kollegen die Ladebedingungen in den gesamten USA an. Tatsächlich lässt sich das Ergebnis kaum verallgemeinern: "Je weiter Kohlestrom zurückgedrängt und je sauberer das Netz wird, desto stärker werden diese Emissionen abgemildert", sagt Michalek. Haben die Ergebnisse also für das deutsche Stromnetz keine Bedeutung? Doch, und zwar gleich mehrere.

So zeigt die Untersuchung, wie sinnvoll der Einspeisevorrang für die Erneuerbaren aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht sein kann. Besonders klimafreundlicher Windstrom, der nachts ohnehin anfällt, lässt sich so sinnvoll nutzen. Für Michalek sieht die Sache so ganz anders aus: "Die Vorteile nächtlichen Ladens für das Stromnetz sind ja an sich gute Gründe, das Laden dorthin zu verschieben."

Ein Gigawatt pro Million E-FahrzeugeDas energiewirtschaftliche Institut der Uni Köln hatte sich bereits 2010 in einem Papier mit der E-Mobilität beschäftigt und die Vorteile später Ladezeiten angeschaut. Die Forscher hatten prognostiziert, dass - je nachdem, wann der Wind weht - zwischen zwei und vier Uhr nachts der Strom am günstigsten ist und dort am meisten geladen werden könnte. Pro einer Million Fahrzeuge rechneten sie mit einer zusätzlichen Netzlast von etwas über einem Gigawatt.

2012 untersuchten Forscher des FZ Jülich das Netz und stellten fest, dass vor allem das Niederspannungsnetz eine massenhafte Ladung am Tag gar nicht aushalten würde. Würde man das Netz nicht zusätzlich ausbauen wollen, sei das Laden in der Nacht unumgänglich. "Die bessere Auslastung der Groß-Kraftwerke nachts erhöht deren Effizienz und senkt dadurch die Gesamt-Emissionen", ergänzt der WWF in einer Kurzstudie.

Das zeigt: Mit dem richtigen Strommix ist das Laden in der Nacht sinnvoller. Die Elektromobilität verkompliziert den Ausbau der Energiewende nicht weiter, sondern könnte sie günstiger machen.

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