Subventionen: Hunderte Milliarden Dollar für fossile Energien

Subventionen: Hunderte Milliarden Dollar für fossile Energien

von Ralph Diermann

Subventionen für Erneuerbare sind umstritten. Dabei zeigen Studien: Deutlich mehr Geld fließt in Kohle, Öl und Gas.

Im laufenden Jahr werden Solaranlagen mit einer Kapazität von zusammen rund 57 Gigawatt neu installiert – ein Plus von dreißig Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für Kritiker kein Grund zum Jubeln: Der Zubau sei nur durch milliardenschwere Subventionen möglich, lautet ihr Vorwurf. Die Solarindustrie hängt „am staatlichen Fördertropf wie Heroinsüchtige an der Nadel“, schreibt das Handelsblatt. Das mindere den Innovationsdruck auf die Hersteller.

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Wer so argumentiert, ignoriert, dass Energie in jeder Form hoch subventioniert wird – zu jeder Zeit, in jedem Land. Betrachtet man die absoluten Zahlen, profitieren die fossilen Energien sogar viel stärker von staatlichen Förderungen als die Solar-, Wind- und Bioenergie: Der Verbrauch von Kohle, Öl und Gas wurde 2013 weltweit mit 548 Milliarden US-Dollar subventioniert, hat die Internationale Energie-Agentur (IEA) errechnet. In die erneuerbaren Energien fließt weniger als ein Viertel dieses Betrags, so die IEA.

Der Internationale Währungsfond (IWF) bezifferte die jährlichen Subventionen für fossile Energien kürzlich gar auf 5,3 Billionen US-Dollar.

Der Grund für die deutlich höhere Summe: Der IWF berücksichtigt auch die Schäden, die durch den Energiekonsum entstehen. Dazu zählen unter anderem die Folgen der Klimaerwärmung und die Luftverschmutzung.

EEG verblasst im Vergleich zur KohlesubventionIn Deutschland belaufen sich die Subventionen laut IWF derzeit auf 55,6 Milliarden US-Dollar. Der Löwenanteil entfällt dabei mit 40,8 Milliarden US-Dollar auf die Kohle. Zum Vergleich: Die erneuerbaren Energien werden hierzulande 2015 über das EEG mit umgerechnet etwa 23,2 Milliarden US-Dollar gefördert – gerade einmal gut die Hälfte dessen, was in die Kohle fließt.

Besonders stark werden Braunkohlekraftwerke subventioniert, hat das Umweltbundesamt ausgerechnet. So lägen die Kosten pro erzeugte Kilowattstunde Strom um 10,6 Cent höher, wenn die Umweltbelastung eingepreist würde. Bei Steinkohlekraftwerken sind es 8,9 Cent. Bei der Photovoltaik fallen 1,2 Cent Umweltkosten an, bei Windrädern 0,3 Cent.

Die Zahlen des Umweltbundesamtes stammen von 2010. In der Zwischenzeit dürfte die Differenz zwischen fossilen und erneuerbaren Energien noch größer geworden sein, da für die Fertigung von Solaranlagen und Windrädern heute weniger Energie und Ressourcen benötigt werden als noch vor einigen Jahren.

Preissturz bei den erneuerbaren EnergienBezogen auf die erzeugte Energiemenge liegen die Subventionen für erneuerbare Energien natürlich deutlich über denen für Kohle, Gas und Öl. Gerade einmal zehn Prozent des globalen Energiebedarfs werden derzeit durch Biomasse, Sonne, Wind und Wasser gedeckt. Doch das Geld scheint gut investiert zu sein: Die Anschub-Finanzierung hat dazu geführt, dass die Kosten für die Ökostrom-Erzeugung in den letzten Jahren massiv gesunken sind.

In den USA und Dubai zum Beispiel erzeugen große Solarparks bald günstiger Strom als Kohlekraftwerke – und das, obwohl die Umweltschäden durch die fossilen Energien noch gar nicht berücksichtigt sind.

Laut einer vom Thinktank Agora Energiewende in Auftrag gegebenen Studie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) wird die Photovoltaik in Mittel- und Südeuropa spätestens 2025 die günstigste Energiequelle sein. Solche Spielräume in der Preisbildung haben fossile Energien nicht - trotz der deutlich höheren Subventionen.

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