Tesla Model S in Flammen: Wie sicher ist Elektromobilität wirklich?

Tesla Model S in Flammen: Wie sicher ist Elektromobilität wirklich?

von Thiemo Bräutigam

Ein Tesla brennt, die Aktie fällt und die ganze Welt fragt sich: Wie sicher ist Elektromobilität?

„Tausend brennende Autos mit konventionellem Antrieb, darüber redet kein Mensch; über ein brennendes Elektroauto die ganze Welt.“ So bezeichnen die Autoren des Branchendienstes für Elektromobilität Electrive die Hysterie um den Tesla Model S, der am Dienstag im US-Bundesstaat Washington brannte. Vom „verdammt teuren Unfall“ bis zu „Teslas Hölle“ reichen die Pressestimmen der Online-Medien von New York Times bis Motor-Talk.

Was ist passiert? Am vergangenen Dienstag, ist der Fahrer eines 70.000 US-Dollar teuren Tesla Model S, auf der Washington Route 167 in der Nähe von Seattle unterwegs und überfährt nach eigenen Angaben einen metallischen Gegenstand, möglicherweise Bauschutt. Kurz darauf zeigt das computergesteuerte Warnsystem des Wagens einen Defekt an einem der Batteriemodule an.

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Denn durchschlägt tatsächlich ein metallischer Gegenstand den im Unterbau des Wagens montierten Batteriecontainer, bemerkt das Sicherheitssystem den Kapazitätsunterschied sofort, reagiert mit einer Warnung und trennt die Batterien vom Motor.

Das bestätigt auch der Fahrer, der sagt das Fahrzeug habe ihn zum Halten und Aussteigen gebeten. Was dann passiert, entwickelt sich zum PR-Desaster für den Autohersteller. Denn ein Amateurfilmer nimmt auf, wie die Feuerwehr anrückt, um das brennende E-Auto zu löschen.

Das auf YouTube veröffentlichte Video wird zum Klick-Hit. Und am Ende stuft ein Börsenanalyst die Aktie von Tesla herab. Der Börsenkurs fällt dramatisch. Teilweise 13 Prozent verliert die Aktie des kalifornischen Autoherstellers. Ein Börsenwert von drei Milliarden Dollar, umgerechnet 2,2 Milliarden Euro, ist vernichtet.

Aber wieso brennt der Tesla überhaupt? Trotz des immer wieder ausgegebenen Mantras: Die Technik sei absolut sicher und vollkommen harmlos?

Das Feuer entzündet sich, wie im Video zu sehen, im vorderen Bereich des Wagens, wo die Akkus in einer Metallbox untergebracht sind. Diese Box ist komplett geschlossen, ein sogenanntes Containment, das die Akkus nach Außen und Innen schützen soll. Elektroautohersteller haben der Entwicklung dieser Containments viel Aufmerksamkeit geschenkt. Tesla hält sogar mehrere Patente – auch für die Feuerfestigkeit.

Brand im ContainmentDas Containment verhindert im konkreten Fall zwar nicht den Brand selbst, wie es sich die Entwickler wünschen, aber zumindest die Ausbreitung der Flammen. Der Fahrgastraum und der hintere Teil des Autos bleiben unbeschadet. Und den Brand unter der Fronthaube bekommen die Wehrleute offenbar auch schnell in den Griff.

Problematisch aber ist der Sicherheitscontainer der Batterie. Denn dort lodern die Flammen offenbar wieder auf, als die Feuerwehr einen möglichen Schwelbrand der Leitungen oder des Innenraums prüft. Der Grund scheint der abgeschottete Batteriecontainer zu sein. Erst nachdem die Feuerwehrleute die Box mit Kreissäge und Bohrer öffnen, und mit einer Spezialchemikalie fluten, bekommen sie die Flammen in den Griff.

Genau das aber, soll – glaubt man Propagandisten der E-Mobilität und der Konstrukteuren der Batterie-Container – eigentlich gar nicht erforderlich sein. Schon deshalb weil die Akkus dort hermetisch versiegelt sind, damit sich niemand an den hohen Batteriespannungen darin verletzen kann.

Dass ein solcher Eingriff im Falle des brennenden Tesla erforderlich war, ist das eigentliche Problem für den E-Mobil-Produzenten, weniger der brennende Wagen selbst.  Schließlich kommt es auch bei Fahrzeugen mit traditionellen Antrieben immer wieder zu Entzündungen im Motorraum oder brennenden Reifen wegen heiß gelaufener Bremsen. Und auch wenn beim Tesla die bisherigen Erkenntnisse dafür sprechen, dass es ein Unfall und keine spontane, eigenständige Entzündung war – ein Auto darf im normalen Straßenverkehr nicht in Brand geraten. Auch nicht, wenn ein metallischer Gegenstand gegen den Unterboden schlägt.

Nützlicher NebeneffektDennoch ist es unwahrscheinlich, dass jetzt reihenweise Elektro-Mobile in Flammen aufgehen. Dieser Unfall kann, speziell weil keine Personen zu Schaden kamen, sogar eine positive Wirkung haben. Wenn er nämlich dazu führt, dass auch die Verfahren zum Löschen von brennenden Bauteilen nochmals überprüft und – sofern erforderlich – verbessert werden.

Und noch einen – potenziell nützlichen –­ Nebeneffekt dürfte der Brand des Wagens gehabt haben. Der Aktienkurs des Unternehmens liegt jetzt vermutlich deutlich näher an dessen tatsächlichen Wert. Denn der Hype um Tesla und Elon Musk, ist durch ein einziges brennendes Auto erst mal gedämpft. Die genaue Untersuchung des Vorfalls wird sich indes noch verzögern. Der Shutdown der US-Regierung betrifft auch die zuständige Behörde für Verkehrssicherheit.

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