Trotz positiver Studie: Fracking in Deutschland keine Zukunftstechnologie

Trotz positiver Studie: Fracking in Deutschland keine Zukunftstechnologie

von Peter Vollmer

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hält Fracking in Deutschland für sicher. Aber ist es auch sinnvoll?

In den USA wird Fracking vom Glücks- zum Problemfall: Die Unternehmen haben teuer in die Technologie investiert, bei der eine Flüssigkeit unter hohem Druck Gesteinsschichten aufbricht, in denen Gas- oder Ölvorräte lagern. Der niedrige Ölpreis sorgt nun aber dafür, dass sich der Ausbau nicht rentiert. Milliardenabschreibungen bestimmen die Schlagzeilen. Hinzu kommen Probleme, vor denen Umweltschützer schon seit Jahren warnen, vor allem die massiv zunehmenden Erdbeben.

Es ist also ein günstiger Zeitpunkt, an dem die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) eine Studie zum Thema Fracking in Deutschland veröffentlicht. "Schieferöl und Schiefergas in Deutschland – Potenziale und Umweltaspekte" heißt das Papier, das es hier zum Download gibt. Wichtigste Erkenntnis: Trinkwasserschutz und Fracking seien vereinbar.

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Tiefe Bohrungen, hohe Sicherheitsstandards und eine moderne Technologie machten dies möglich. Ein Ergebnis, das nicht überrascht, sprach sich die BGR doch schon 2012 deutlich für Gasförderung durch Fracking aus.

Dabei weist der Präsident der Behörde, Hans-Joachim Kümpel, nicht zu Unrecht darauf hin, dass "Fracking bei der Förderung von Erdgas aus dichten Sandsteinen in Deutschland seit Jahrzehnten geübte Praxis ist" - die Bilder von brennendem Leitungswasser und zerstörten Landschaften kämen dennoch ausschließlich aus den USA. Dort setzte man wiederum eine ganz andere Hoffnung in Schiefergas und ging entsprechend rabiat vor.

Allerdings sagen manche Experten (etwa der Grünen-Umweltpolitiker Oliver Krischer) der BGR auch eine gewisse Fracking-Freundlichkeit nach. So hieß es im Bericht von 2012 noch, das Potenzial sei enorm: Bis zu 2.300 Milliarden Kubikmeter seien in den kommenden Jahren förderbar. Diese Zahl korrigiert die BGR nun auf nur 320 bis 2030 Milliarden Kubikmeter.

SPD für FrackingDas wäre freilich immer noch genug, um Deutschland für einige Jahre eine komfortablere Position zu verschaffen, wenn es um den Import von Gas geht. Erdgas deckt derzeit über 20 Prozent des deutschen Energiebedarfs. Zwei Prozent aus eigener Förderung – die restlichen 18 Prozent werden importiert.

Die deutschen Schiefergasmengen reichen auch nach den BGR-Schätzungen nicht, um für Jahrzehnte den eigenen Bedarf zu decken. Aber bei steigenden Gaspreisen oder politischen Differenzen mit Exportstaaten könnte man einfach verstärkt auf eigene Reserven zurückgreifen – zumindest kurzfristig.

Für Bernd Westphal, Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der SPD-Bundestagsfraktion, und Johann Saathoff, den zuständigen Berichterstatter, liegt der Fall damit klar: Fracking könne "aus geowissenschaftlicher Sicht grundsätzlich kontrolliert und umweltverträglich erfolgen", schließen sie. "Neben der Versorgungssicherheit können diese Ressourcen zu Preisstabilität, Arbeitsplatzsicherheit und Klimaschutz beitragen." Zusätzlich fordern sie eine strengere Fracking-Gesetzgebung.

Fracking ein "totes Pferd"Damit setze man allerdings auf ein totes Pferd, findet Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Bundestagsfraktion der Grünen. Deutschland werde "seine Importabhängigkeit von Öl und Gas nicht wesentlich verringern." Dafür brauche man keine Umwelt- und Gesundheitsrisiken einzugehen.

Sie erinnert daran, dass die unkontrollierten Grundwasser-Kontaminationen in den USA im Vorfeld auch ausgeschlossen wurden. "Die vermeintliche Entwarnung bezüglich der Umweltgefahren durch Fracking ist äußerst fahrlässig."

Denn auch wenn das Grundwasser nicht kontaminiert wird, bleiben weitere Probleme: Experten sind sich sicher, dass es auch in Deutschland zu kleineren Erdbeben kommen wird. Und die Eingriffe finden nicht nur unter der Erde statt, auch die Oberfläche leidet unter der Förderung.

Ihre SPD-Kollegen sehen Fracking übrigens ebenfalls "als Brückentechnologie auf dem Weg zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien." Eine langfristige Zukunft dürfte Fracking in Deutschland also ohnehin nicht haben – ganz gleich, wer als Sieger aus der politischen Debatte hervorgeht.

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