UBS-Bank: Erneuerbare-Revolution startet 2020 durch

UBS-Bank: Erneuerbare-Revolution startet 2020 durch

von Benjamin Reuter

Solaranlage auf dem Dach, Stromspeicher im Keller, Elektroauto vor der Tür: Diese Kombination revolutioniert Energiemarkt, glauben UBS-Analysten.

Während in Deutschland derzeit heftig über die Energiewende, ihre Sinnhaftigkeit und ihre Kosten gestritten wird, blicken andere in die Zukunft. Zum Beispiel die Experten für Energiemärkte der international tätigen UBS-Bank. Und was sie mit ihrem jüngsten Report vorlegen – den das australische Blog Reneweconomy vorstellt – ist einen Blick wert. Denn die Banker sagen nichts weniger als eine komplette Neuordnung des Strom- und Treibstoff-Marktes voraus. Voll in Gang kommen soll diese Revolution schon im Jahr 2020.

Die UBSler machen dabei drei Technologien aus, die in Kombination für eine Neuausrichtung des Marktes sorgen: Solaranlagen, Stromspeicher und Elektroautos. Was ist daran neu, mag man fragen? Schließlich sind alle Techniken jetzt schon auf dem Markt und werden mehr oder weniger gut von den Kunden angenommen.

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Die sauberen Drei mischen den Energiemarkt aufWas nun aber die Investoren in Kohle, Erdöl und Gas aufhorchen lassen sollte, sind die Kostensenkungen bei den genannten Technologien. Denn die schreiten rapide voran, und schon bald, so die These der UBS, sind sie in Kombination so günstig, dass es sich für Verbraucher nicht mehr lohnt, Benzin oder Diesel an der Tankstelle zu kaufen oder Strom aus der Steckdose von einem Energieversorger.

Als Paradebeispiel und Voreiternation haben sich die UBS-Analysten Deutschland ausgekuckt. Hierzulande, schreiben sie, würden die sauberen Drei am frühesten in der Gunst der Kunden mit den alten Energieträgern gleichziehen. Auch Italien und Spanien sehen sie als Vorreitermärkte. Der Grund: Strom und Treibstoffe sind hier für die Haushalte vergleichsweise teuer. Deshalb werde sich schon 2020 eine Kombination aus Solaranlage, die Strom produziert und eine Batterie im Keller des Hauses und das Elektroauto lädt im Schnitt in weniger als acht Jahren amortisieren. Derzeit seien es noch rund zwölf Jahre; zu lange für die meisten Konsumenten.

Die UBS geht davon aus, dass Akkus für E-Autos und Keller bis 2020 um die Hälfte günstiger werden – eine Einschätzung, die viele Experten teilen. Auch die Kosten für Solaranlagen könnten nocheinmal stark sinken. Ihre Kosten haben sich seit 2010 halbiert. Vor allem für die rund 10 Millionen Eigenheimbesitzer und Unternehmen mit großen Dachflächen wäre solch eine Kombination attraktiv (Mitarbeiter "tanken" dann dort umsonst den Sonnenstrom).

Die Folgen dieser Entwicklung für Unternehmen, Investoren und die Industrie als Ganzes (für die die UBS ihre Reports erstellt) sind gravierend. Schon 2025, so heißt es in dem Report, könnten die meisten Großkraftwerke – vor allem Kohle und Atom – vom Netz gegangen sein, weil zu wenige Kunden ihren Strom noch abnehmen.

Warnung an InvestorenFür allem für die Energieversorger und später auch für die Ölmultis wäre das eine einschneidende Zäsur. Sie müssen ihre Geschäftsmodelle auf die neue, dezentrale Energiewelt umstellen – bisher gelingt ihnen das mehr schlecht als recht, wie die Beispiele von RWE und E.ON zeigen, die kürzlich mit einem satten Minus beim Umsatz Schlagzeilen machten. Auch Investoren, vor allem langfristig ausgelegte Pensionsfonds, werden sehen müssen, wo sie ihr Geld künftig anlegen.

Sicherlich: Vorhersagen, wie die der UBS, sind immer mit einer Spur Skepsis zu betrachten, denn in den Rechnung stecken viele Unbekannte. Wird die Ladeinfrastruktur schnell genug ausgebaut, sodass Elektroautos für die breite Masse der Bevölkerung attraktiv werden? Reichen die seltenen Erden auf der Welt, um einen riesigen Markt an Batterien zu bedienen? Können auch Mieter in den Städten auf den Erneuerbaren-Zug aufspringen und auf Energie vom Versorger verzichten? Werden die Preise für Strom aus der Steckdose und Treibstoffe wirklich immer weiter steigen und damit die Alternativen attraktiver machen?

Auf alle diese Fragen gibt es derzeit keine Antwort. Was sicher ist: Die Energiewelt wird 2020 eine andere als heute sein.

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