Ultra-Caps: Batteriehersteller Skeleton fertigt künftig in Sachsen

Ultra-Caps: Batteriehersteller Skeleton fertigt künftig in Sachsen

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So sehen die Speicher aus, die künftig in Sachsen gefertigt werden. (Foto: Skeleton)

von Wolfgang Kempkens

Das estländische Unternehmen Skeleton produziert seine Hochleistungs-Energiespeicher ab kommenden Jahr in der Nähe von Dresden. Dabei ist Deutschland kein beliebter Standort.

Ultra-Caps – das sind Kondensatoren, die besonders viel Strom speichern können. Die weltweit leistungsfähigsten kommen künftig aus Großröhrsdorf bei Dresden. Dort baut das estländische Unternehmen Skeleton derzeit eine Fertigungsstätte. Jährlich sollen fünf Millionen Speicher gebaut werden, zehnmal so viele wie in der Pilotanlage in Estland. Bereits im Januar soll die Produktion in Sachsen beginnen.

Das Unternehmen investiert in den Standort rund zehn Millionen Euro. Skeleton kann sich diese Ausgaben locker leisten. Das Vertrauen in die Technik ist so groß, dass Investoren bisher 26,7 Millionen Euro an Mitteln zur Verfügung gestellt haben.

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Große Kapazität dank Elektrode aus nanoporösem Graphen

Tatsächlich ist die Technik überzeugend. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Monash University und des erst 2014 gegründeten Graphen-Spezialisten Ionic Industries, beide in Melbourne beheimatet, entwickelte Skeleton eine Elektrode aus nanoporösem Graphen, die den gewaltigen Kapazitätssprung möglich machte.

Die zweite Elektrode besteht aus einer metallischen Folie. Dazwischen befindet sich ein Isolator. Das hauchdünne Sandwich wird zu einem Zylinder mit einem Durchmesser von 60 Millimetern aufgerollt, fertig ist der Speicher. Meist werden zahlreiche dieser Zellen in eine Box integriert.

Während demnächst also Hochleistungs-Energiespeicher in der Nähe von Dresden produziert werden, haben deutsche Unternehmen den Glauben daran verloren, dass hierzulande komplette Akkus wirtschaftlich gefertigt werden können. Alle Batteriehersteller fügen lediglich Zellen aus Fernost zusammen. Aus der Produktion von Zellen war zuletzt Daimler ausgestiegen und hatte Ende 2015 die Fertigung bei seiner Tochter Li-Tec im sächsischen Kamenz eingestellt.

In wenigen Sekunden auf- oder entladen

Während Batterien Strom nur langsam aufnehmen und wieder abgeben, geht es bei Ultra-Caps blitzschnell. Innerhalb von Sekunden können sie auf oder entladen. Dennoch sind sie nicht in der Lage, Batterien komplett zu ersetzen, weil diese eine viel höhere Kapazität haben, bezogen auf das Volumen.

Trotzdem werden sie immer wichtiger. Das französische Unternehmen Flying Whales (fliegende Wale), das riesige Frachtluftschiffe entwickelt, nutzt sie als Unterstützung für die Bordbatterien, wenn kurzfristig besonders viel Strom benötigt wird, etwa zu Heben schwerer Lasten. Die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) setzt sie ab 2018 in Satelliten ein. In Formel-1-Autos speicherten sie zeitweise Bremsenergie.

In Großbritannien hat Skeleton in Zusammenarbeit mit Adgero aus Frankreich einen Hybrid-Lastkraftwagen getestet, der als Lieferfahrzeug im Stadtbetrieb eingesetzt wurde. In diesem Fahrzeug, ausgestattet mit Diesel- und Elektromotor, sind fünf 160-Volt-Ultakondensator-Module von Skeleton installiert, die die Bremsenergie in Form von elektrischer Energie speichern. Beim Beschleunigen versorgen sie den Elektromotor, damit der Truck schneller auf Touren kommt.

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