Umfrage: Deutsche sind mit Umsetzung der Energiewende unzufrieden

Umfrage: Deutsche sind mit Umsetzung der Energiewende unzufrieden

von Matthias Streit

Die deutschen Verbraucher glauben an die Energiewende. Für gerecht halten sie die Umsetzung durch die Politik aber nicht.

Deutsche Verbraucher sehen die Umsetzung der Energiewende mehrheitlich skeptisch. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Forsa-Umfrage der Verbraucherzentrale des Bundesverbandes (VZBV), die heute vorgestellt wurde. Demnach befürwortet mit 82 Prozent der Großteil der Deutschen zwar den Ausbau erneuerbarer Energien. Wie das geschieht, damit sind fast die Hälfte aller Befragten aber unzufrieden – gegenüber 40 Prozent Unterstützern.

Am meisten Unruhe stiftet wenig überraschend die Frage nach den Kosten. Sechs von zehn Befragten sprachen sich gegen eine Befreiung deutscher Industriebetriebe von der EEG-Umlage aus. Auch die Verbraucherzentrale fordert eine gerechtere Verteilung der Kosten zwischen Wirtschaft und Haushalten. „Die Ausnahme muss eine Ausnahme bleiben. Nur Unternehmen, die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen, sollten von Vergünstigungen profitieren“, sagt Holger Krawinkel, Bereichsleiter für Verbraucherpolitik.

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Weiterer Kritikpunkt: „Die Verbraucher haben das Gefühl, dass sie für die Energiewende bezahlen müssen, selbst aber gar nicht mitentscheiden dürfen“, sagt Niels Schnoor, Referent für erneuerbare Energien bei der Verbraucherzentrale.

Außerdem ist der Studie zufolge etwa jeder zweite Verbraucher der Meinung, dass die Energiewende dezentral organisiert werden soll. Heißt konkret: Windränder und Solaranlagen dort aufstellen, wo die Energie auch tatsächlich verbraucht wird. Offshore-Anlagen und der massive Ausbau des Stromnetzes sind nur bei knapp einem Drittel der Befragten erwünscht.

Mehr Sicherheit durch weniger AtomVerstärkt werde dieser Trend zur ungerechten Verteilung der Kosten laut VZBV noch durch Selbstversorger aus Solaranlagen – und zwar indem sie den Strom selbst verbrauchen, statt ihn ins Netz einzuspeisen. Denn die Instandshaltungskosten für das Stromnetz verteilen sich damit auf immer weniger Schultern.

Die größten Vorteile der Energiewende sehen die Befragten übrigens im Klima- und Umweltschutz, gefolgt von mehr Sicherheit durch den Atomausstieg. Die Unabhängigkeit von Rohstoff-Importen geben nur sieben Prozent als einen möglichen positiven Nutzen an.

Die Ergebnisse der Umfrage kommen bewusst zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt vor der Bundestagswahl. Die Meinung der Verbraucher zur Energiewende hätte zumindest das Potenzial, den sonst eher trägen Wahlkampf wieder in Gang zu bringen. Und sie könnte die Wahl am Ende auch entscheiden.

Ihre Ergebnisse vermittelt der Bundeverband der Verbraucherzentrale unter anderem in der Plattform „Erneuerbare Energien“ im Bundesumweltministerium oder in der Plattform „Zukunftsfähige Energienetze“ im Bundeswirtschaftsministerium als politische Handlungsempfehlungen.

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